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Nazi-Greueltaten auf der Spur

Merzig. Im Rahmen eines Seminarfaches zu dem Thema „Geschichte betrifft uns“ haben sich Schüler der Klassenstufe 11 des Gymnasiums am Stefansberg (GaS) in Merzig mit dem Schicksal von Psychiatriepatienten der Merziger Heil- und Pflegeanstalt im Nationalsozialismus beschäftigt. Am Ende steht eine Ausstellung, die ab Montag zu sehen ist. red

"Da die Euthanasie im Geschichtsunterricht nur am Rande behandelt wird, war die Beschäftigung mit dem T4-Programm der Nationalsozialisten für uns etwas Neues und sehr interessant", berichtet Schüler Elias Mahren beeindruckt, aber auch schockiert über die Ausmaße.

In den Jahren 1933 bis 1945 wurden hunderttausende behinderte, psychisch kranke oder sozial auffällige Menschen zu "Ballastexistenzen" erklärt, zwangssterilisiert oder ermordet, unter ihnen auch Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Merzig , deren Schicksal bis heute ungeklärt ist. "Für unsere Arbeit war es von großem Vorteil, dass die SHG Klinik Merzig , die bis zur Evakuierung im Jahr 1939 neben Homburg als größte psychiatrische Anstalt des Saarlandes galt, in unmittelbarer Nähe unserer Schule liegt und mit ihr bereits eine langjährige Kooperation besteht", so Seminarleitern Ann-Katrin Engels. Insbesondere Ralf Schmitt, der neben seiner Tätigkeit als Psychologe der SHG-Klinik schon seit einiger Zeit Besuchern die Vergangenheit der Anstalt als Leiter des Psychiatriemuseums näherbringt, war für das Projekt eine große Hilfe. Er stellte den 18 Schülern des Seminarfachs ein besonderes Fundstück zur Verfügung: eine Evakuierungsliste vom 1. September 1939, mit Namen, Wohnorten und Geburtsdaten von über 600 Patienten, die im Zuge der kriegsbedingten Räumung überwiegend in hessische Anstalten verlegt worden waren.

Akten von Kindern

Anhand dieser Liste war es den Schülern möglich, Akten im Landesarchiv in Saarbrücken anzufordern. Sie konzentrierten ihre Anfrage auf Akten von Kindern oder jugendlichen Patienten. "Mich hat besonders der regionale Bezug interessiert. Mir war vorher nicht klar, dass es solche Verbrechen auch bei uns gab", spricht Noemi Neusius ihren Mitschülern aus der Seele.

Neben der Sichtung der Patientenakten führten die Schüler ein Interview mit einer Zeitzeugin und werteten Materialien in der Gedenkstätte der ehemaligen hessischen "Tötungsanstalt" Hadamar aus. Einige Schüler hatten sogar die Möglichkeit, die Gedenkstätte in Hessen zu besuchen - ein Erlebnis, das Exkursionsteilnehmerin Elena Johann sehr beeindruckte: "Durch den Besuch in Hadamar wurde dieses unfassbare Thema für uns sehr greifbar gemacht." Die Ergebnisse der Projektarbeit, die auch in einen Beitrag zu einem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit dem Thema "Anders sein. Außenseiter in der Geschichte" eingeflossen sind, werden ab 23. März in einer Ausstellung in den Räumen des Psychiatriemuseums zu sehen sein. Sie wird unter dem Titel "‚Degenerierte', ‚Ballastexistenzen', ‚Volksschädlinge' - Psychiatriepatienten der Merziger Heil- und Pflegeanstalt im Nationalsozialismus" um 11.30 Uhr in der Kapelle der Klinik für Psychiatrie eröffnet und kann in den nächsten Monaten (nach Terminvereinbarung) individuell oder in Gruppen besichtigt werden. Die Ausstellungseröffnung wird musikalisch von der Kammermusik-AG des GaS umrahmt.