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Nahezu 200 Jahre gelebte Geschichte

Nahezu 200 Jahre gelebte Geschichte

Die Pfarrgemeinde St. Agatha-Merchingen darf stolz sein auf ihren Kirchenchor Cäcilia. 30 Sängerinnen und Sänger stehen in seinen Reihen. Sie proben jeden Montag und stehen zu allen Anlässen, die das Kirchenjahr vorgibt, zur Verfügung. In die örtliche Dorf- und Vereinsgemeinschaft ist der Chor voll integriert, so dass er auch außerhalb der Kirche einen bedeutenden Beitrag zum Dorfleben leistet. Insgesamt absolviert er über 30 Auftritte pro Jahr. Der Kirchenchor Cäcilia ist der älteste Verein Merchingens, vielleicht sogar der Stadt Merzig: Heuer feiert er sein 190-jähriges Bestehen.

Die Geschichte des Merchinger Kirchenchores gliedert sich von seiner Organisationsform her in drei Abschnitte: zum einen die Epoche 1825 bis 1885 (die Chorsänger), dann die Zeit von 1885 bis1930 (Cäcilienverein/Männerchor) sowie den Abschnitt von 1930 bis heute (Cäcilienverein/gemischter Chor).
1825 bis 1885: die Chorsänger

Das tatsächliche Alter des Chores lässt sich nicht exakt bestimmen, denn es liegt keine Urkunde vor, aus der ein Gründungsdatum ersichtlich wäre. Ebenso wenig ist bekannt über die Anzahl seiner Mitglieder oder über ihre Organisationsform im 19. Jahrhundert. Die "Rechnungen der Pfarrkirche Merchingen", die von 1825 bis in unsere Tage lückenlos erhalten sind, geben indirekte Hinweise auf die Existenz eines Chores. Die älteste erhaltene Erwähnung einer Chorgruppe ist in der "Rechnung der Pfarrkirche Merchingen" für das Jahr 1825 enthalten. Dort heißt es im Titel 2, Kapitel 4: "5 f, 15 c für die Chorsänger" (will sagen: 5 Franken und 15 Centimes für die Chorsänger). Von 1825 ab wiederholt sich dieser Haushaltstitel in jeder Jahresrechnung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Bis 1872 bleibt der Betrag gleich. Ab 1873 heißt es dann: "Den Chorsängern das herkömmliche Honorar: 6 Thaler", und ab 1875 erhalten die Sänger 18 Mark. Im Etat für 1889 erscheint zum ersten Mal die Bezeichnung "Kirchenchor" und gleichzeitig werden "10 mehrstimmige Gesangbücher" gekauft. Dieser neue Name erklärt sich aus der 1885 erfolgten Gründung des Cäcilienvereins, auf die später ausführlicher eingegangen wird.

Man muss sich wohl unter den Chorsängern eine Gruppe von Männern vorstellen, vergleichbar mit einer Schola heutiger Tage. 1838 ließ die Pfarrei um "3 Thaler" einen "Sitz für die Chorsänger" anfertigen. Weitere Hinweise auf die Chorstärke sind in Rechnungen der Buchhandlung Johann Krapp aus Merzig zu finden. In den Jahren 1858 und 1864 werden je "7 mehrstimmige Gesangbücher" gekauft. "Chorsänger" sind nur Männer, keine Frauen oder Mädchen, denn deren Teilnahme am Chorgesang war damals nicht üblich.

Erwähnenswert ist eine interessante Niederschrift im "Protokoll-Buch der Pfargemeinde Merchingen" über die Ratssitzung vom 6.7.1828. Dort heißt es: "Heute den ersten Sonntag im Monate Juli 1828 hat der Kirchenrath (…) nach gehöriger Beratschlagung folgendes festgesetzt und bestimmt:1. Soll der Kirchenrath jedes Mal im Pfarrhause dahier gehalten werden. 2. Soll die Kirchenpolizei von sämtlichen Mitgliedern des Kirchenraths strenger als bisher geschehen ist, gehandhabt werden, besonders soll es denjenigen verboten sein, zu singen, welche im Choral nicht unterrichtet, und nicht in den Chor aufgenommen sind, weil durch das willkürliche Mitgeschrei resp. Unerfahrener der kirchliche Gesang nur gestört wird. Merchingen den sechsten Julius, eintausend achthundert, achtundzwanzig. Der Kirchenrath von Merchingen. Der Pfarrer (acht Unterschriften der Ratsmitglieder) gez. Deutsch"

In jener Zeit leitete der jeweilige Küster, der auch Lehrer war, auch den Gesang der Chorsänger. Seine Bezeichnung "Ludimagister" ist überliefert. Bis 1900 war das Küsteramt fest mit dem Amt des "Schulmeisters" verbunden, so dass wir in der Schulchronik mit den Namen der Lehrer auch gleichzeitig die Namen der Chorleiter finden. Die ersten namentlich bekannten Merchinger Schulmeister waren Michael Reding (1719 bis 1736), Michael Dilheber (1753 bis 1774), Matthias Bosch (1785 bis 1795), Peter Wilmuth (1807 bis 1815), Michel Otto (1816 bis 1850), Johann Otto (Mai-September 1850) Nikolaus Binz (1850 bis 1852), Anton Thielemann Thönes (1852 bis 1888).

Demnach leitete Michel Otto als Erster die oben erwähnten Chorsänger. Pastor Johann Matthias Deutsch, seit 1824 der erste in Merchingen residierende Pfarrer , bestätigt dies in einem Bericht an den Trierer Bischof Josef von Hommer. Er schreibt, dass "der Chor allein zum Theil auf Deutsch und bis jetzt nur einstimmig" singe. Chorleiter sei Michel Ott. Man benutze das "trierische Gesangbuch" und den "Palm- und Myrrhen-Garten".
1885 bis 1930: Cäcilienverein/Männerchor

Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erste Vorboten der späteren Liturgiereform bemerkbar machten, ergriff der Regensburger Choral-Lehrer Franz Xaver Witt die Initiative und gründete 1868 den "Allgemeinen Cäcilien-Verband für Deutschland" (ACV) und die Musikzeitschrift "Musica sacra", um der Reformidee besseren Nachdruck zu verleihen. Papst Pius IX. (1846-1878) verlieh dem ACV den Status einer Organisation päpstlichen Rechts und unterstellte ihn direkt dem Heiligen Stuhl. Auf dieser Grundlage bildeten sich in ganz Deutschland Cäcilienvereine als Teilgliederungen des ACV. So auch 1885 in Merchingen: Pastor Johann Weyrauch (1885 bis 1893) gründete neben verschiedenen anderen kirchlichen Vereinen mit den Chorsängern den Kirchenchor Cäcilia Merchingen. Dirigent des nun auch zahlenmäßig stärkeren Chores blieb Lehrer Anton Thielemann Thönes. Nach dessen Tod übernahm sein Nachfolger Nikolaus Kredteck (1888 bis 1899) die Leitung der Schule und das Küsteramt mit der Chorleitung. Pastor Peter Pies (1894 bis 1927) löste Weyrauch als Pfarrer und Präses des Chores ab. Der Cäcilienchor war trotz niedriger Mitgliederzahl sehr rege. Im September 1889 feierte er die Weihe seiner ersten Cäcilienfahne. Aus einer Rechnung vom gleichen Jahr geht hervor, dass "10 mehrstimmige Gesangbücher, 5 Gradualia, 5 Manualia choralis, 10 Ordinarium Missae, 6 Vesperale und 10 Psalterium" angeschafft wurden. Weil wohl neue Mitglieder hinzugekommen waren, wurden ein Jahr später wieder "6 Vesperale und 10 Psalterium" gekauft. Der Chor war auch außerhalb der Kirche aktiv. Die Chronik berichtet, 1889 habe eine "theatralische Vorstellung unter Leitung des Herrn Lehrers (stattgefunden). Recht guten Applaus ernteten auch die während der Pausen vorgetragenen Gesangsstücke, welche von guter Schule zeugten". Scheinbar waren etliche Sänger noch verhältnismäßig jung, denn 1889 heirateten fünf Chormitglieder, denen Ständchen dargebracht wurden.

Zwischen Pastor Pies und Lehrer Kredteck kam es bald zu Meinungsverschiedenheiten, die die Zusammenarbeit erschwerten. So kam es, dass Letzterer 1899 erfolgreich um seine Versetzung nach Saarfels nachsuchte.

Am 18 Juni 1900 trat eine Verfügung der Preußischen Regierung in Kraft, wodurch "die bisher mit der Schulstelle fest verbundene Küsterei grundsätzlich von der Schulstelle" getrennt wurde. Kredtecks direkter Nachfolger Michel Orth (1900 bis 1904) wurde gebeten¸ die Chorleitung freiwillig zu übernehmen. Er lehnte jedoch "wegen seiner unzureichenden Stimme und zu vieler Arbeit" ab.

Als auch die beiden nächsten Lehrer Peter Adam (1904 bis 1911) und Johann Brettnacher (1912 bis 1923) sich so verhielten, versuchte der Pastor die Gesangsleitung dem Kirchenrechner Peter zu übertragen. Aber dieser Versuch schlug fehl, und so kam das Chorleben gänzlich zum Erliegen. > wird fortgesetzt.

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Auf einen blickDie Jubiläumsfeier zum 190-jährigen Bestehen findet am Sonntag, 13. September, statt. Das Programm: 9.30 Uhr: Festhochamt in der Pfarrkirche, mitgestaltet von den Kirchenchören Saarfels und Merchingen. 10.30 Uhr: Eröffnung im Vereinshaus durch die Musikvereinigung Merchingen, Begrüßung der Gäste, Grußworte, Ehrungen, Gratulationscour. 12.30 Uhr: gemeinsames Mittagessen. 15.30 Uhr: Dekanatssingen in der Pfarrkirche; am Abend gemütlicher Ausklang im Vereinshaus. red

 Festlicher Chorauftritt beim 100-jährigen Jubiläum des Kirchenchores Mettlach. Foto: Unbekannt/Chorarchiv
Festlicher Chorauftritt beim 100-jährigen Jubiläum des Kirchenchores Mettlach. Foto: Unbekannt/Chorarchiv Foto: Unbekannt/Chorarchiv
 Der Chor im Jahr 1995. Foto: Klaus Kulle/Chorarchiv
Der Chor im Jahr 1995. Foto: Klaus Kulle/Chorarchiv Foto: Klaus Kulle/Chorarchiv

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Zur personChorleiter: 1825-1850 Michael Otto , 1850-1852 Nikolaus Binz, 1852-1888 A. Thielemann Thönes, 1888-1899 Nikolaus Kredteck, 1924-1935 Hans Ehl, 1935-1937 Heinrich Gnad, 1937-1965 Karl Otto sen., 1965-1972 Karl Otto jun., 1972-2009 Theo Seiwert, Mai-Dezember 2010 Fred Schnubel, 2011-2014 Tobias Lorson, seit März 2014 Peter Meiers.Vorsitzende: 1930-1951 Nikolaus Ludwig, 1951-1966 Anton Wilbois, 1966-1970 Karl Otto sen., 1970-1972 Theo Seiwert, 1972-1975 Karl Otto jun., 1975-1977 Heinz Körner, 1977-1979 Christel Kerwer, 1979-1989 Theo Seiwert, 1989-1993 Christel Kerwer, 1993-2009 Theo Seiwert, seit 2009 Walter Wohnsland. red