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Närrischer Grüner Kreis lud zur 15. Regionalkappensitzung in Merzig ein

Närrischer Grüner Kreis : Wo Lachen per Gesetz vorgeschrieben wird

Die 15. Regionalkappensitzung in der Merziger Stadthalle begeisterte mit einem bunten Reigen aus Tänzen, Büttenreden und Gesang.

Die karnevalistische Elite des Närrischen Grünen Kreises ist zur 15. Regionalkappensitzung in der Merziger Stadthalle zusammengekommen. Vor einem ausgelassenen, fröhlichen und mitmachbereiten Publikum entfaltete sich ein bunter Reigen von Tänzen, Büttenreden und Gesangsdarbietungen, die mit viel Applaus, Gelächter und auch mit der einen oder anderen Rakete gewürdigt wurden.

Moderator Bernd Mühlen, der Präsident des Närrischen Grünen Kreises, verstand es hervorragend, trotz aller Begeisterung immer wieder die nötige Ruhe herzustellen, damit jeder Rede und jedem Lied die gebührende Aufmerksamkeit gezollt wurde und keine der vielen köstlichen Pointen verloren ging.

Ausrichterin der Veranstaltung war die Karnevalsgesellschaft Humor Merzig mit ihrem Präsidenten Karl-Heinz Bauer und ihrem reizenden Kinderprinzenpaar Felix I. und Ihre Lieblichkeit Leonie II. Nachdem die beiden die Sitzung mit einer kurzen und knackigen Rede eröffnet hatten, stürmte eine Gangsterschar die Bühne.

Etwas bedächtiger, unterstützt von Krückstock und Rollator, betraten dann Oma und Opa den Ort des Geschehens. „Schon wieder betrunken!“, maulte Oma. Das sei ein Opfer, konterte Opa, „oder glaubst du, es macht mir Spaß, dich doppelt zu sehen?“ Der alte Herr lästerte über die weiblichen Defizite in der Kunst des Autofahrens. Was er „Einparkinson“ nannte, eine typische Erkrankung älterer Damen, bezeichnete später der Jääp vom Amt als Multitaskingtalent – nämlich die Fähigkeit, mit einem Auto zwei Parkplätze gleichzeitig zu belegen. Dann aber zeigten die beiden Alten, was noch in ihnen steckt: Sie warfen Jacken und Gehhilfen beiseite und legten einen flotten Rock ’n’ Roll aufs Parkett.

Oma und Opa (Jaqueline und Yannick) begeisterten mit ihrem Auftritt. in der Stadthalle. . Foto: Werner Krewer

Viele schöne Tänze erfreuten das Auge und gaben den Lachmuskeln Zeit sich zu erholen, bevor der nächste Büttenredner seine Treffer landete. Die Bescher Jugend tanzte für die Zukunft, das Männerballett aus Wahlen wollte lieber zurück in die Steinzeit und hantierte geschickt mit Fellen und Knochen. Als Schlussfigur bildeten die jungen Tänzer eine vierstöckige Menschenpyramide.

In schicken neuen Kostümen wirbelte die Weiskircher Jugendgarde über die Bühne. Es war eine große Gruppe, die sehr lebendig und akkurat tanzte. „Wer eine solche Jugendgarde hat, braucht sich um den Nachwuchs keine Sorgen zu machen“, meinte Präsident Mühlen.

Egal ob „Swing Sisters“ oder „Lady Like“ aus Wadern, die hauseigenen Funken, die „Computer-Hacker“ aus Losheim oder das Männerballett „Golden Eye auf der Suche nach den Kronjuwelen“: Sie alle sorgten immer wieder für Überraschungen und ästhetischen Genuss.

Die „Powei-Schisser“, eine begabte Gesangsformation aus Merzig, nahm das Diesel-Fahrverbot aufs Korn. Da fährt man Richtung Stuttgart an einem Flugplatz und einem Kohlekraftwerk vorbei – beides Dreckschleudern par excellence – und darf dann plötzlich an der Stadtgrenze ohne grüne Plakette nicht mehr weiter. Auch der „geilste Präsident der Welt“ bekam sein Fett weg. Zum Schluss stimmten sie ein Loblied auf das Saarland an, das von allen begeistert mitgesungen wurde.

Zum ersten Mal bei einer Regionalkappensitzung waren zwei Nachwuchskünstler aus dem höchstgelegenen Dorf des Saarlandes dabei – aus dem Losheimer Ortsteil Scheiden. „Erna und Helmfried“ hatten eine neue Partei gegründet, und sie stellte als Kanzlerkandidatin Freibier, Würstchen und einmal wöchentlich Pflichtschwenken in Aussicht. Die beiden erwiesen sich als super Sprachtalente, die sich mit beachtlicher Geschwindigkeit durch etliche Dialekte bewegten.

Nicht nur Sprach-, sondern auch Gesangs- und Instrumentaltalent stellte wieder einmal das „Duo off de letschten Dricker“ unter Beweis. Egal wo sie auftreten – Geiger Daniel Braun und Pianist Florian Reinert sind in jeder Sitzung ein Highlight. Heute hatten sie ein neues Büttenrednerschutzgesetz, kurz „Büschge“, im Gepäck. Regel Nummer eins: Auch bei schlechten Witzen muss gelacht werden. Die Witze, die sie dann erzählten, waren allerdings alles andere als schlecht. Zum Schluss sangen sie ihre Hymne an das „Wahlener Platt“, und da alle mitsingen durften, gibt es jetzt viele Leute, die bei einem Besuch in Wahlen keinen Dolmetscher mehr brauchen werden.

Neben all’ der Heiterkeit vergaß man aber auch die Menschen nicht, die etwas Frohsinn ganz dringend gebrauchen können. Während sich auf der Bühne die Prinzenpaare tummelten, gingen die Elferräte mit Hüten durch die Menge und sammelten Geld für die Kinderhilfe Saar. Mit den Spenden werden die Klinik-Clowns unterstützt, denn Lachen ist bekanntlich Medizin für die Seele. Die Clowns helfen, die Welt mit anderen Augen zu betrachten und öffnen die Türen zu Phantasie, Humor, Freude, Hoffnung und Blödsinn.

Die 15. Regionalkappensitzung war ein großartiger Erfolg: hervorragend organisiert und wohldurchdacht zusammengestellt. Einen besseren Auftakt für die kommende Karnevalssession kann man sich wohl kaum vorstellen. Und ausgelassen feierten die Aktiven mit ihren Gästen den Abend.