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Auslandstagebuch
Nach dem gelben Schulbus wird’s verzwickt

Maiken Klinke vor ihrer Schule in den USA.
Maiken Klinke vor ihrer Schule in den USA. FOTO: Maiken Klinke
Merzig/Falmouth. Die 16-jährige Schülerin Maiken Klinke aus Merzig erfüllt sich ihren Traum von Amerika und verbringt die Zeit bis Sommer 2018 in Maine. Für die SZ berichtet sie regelmäßig über ihren Alltag in den Staaten.

Wie ich in meinem letzten Artikel erwähnt habe, unterscheidet sich das Schulsystem hier in den USA von dem in Deutschland. Manchmal ist es dabei gar nicht so einfach, mit diesem System zurecht zu kommen und sich einzuleben. Heute möchte ich ein wenig mehr über meinen schulischen Alltag erzählen.


Mein Schultag beginnt morgens um 7 Uhr, wenn ich mit dem typisch gelben Schulbus zur Schule fahre. Um 7.30 Uhr an der Schule angekommen, habe ich noch ein wenig freie Zeit, um zu meinem Spind zu gehen und mich mit meinen Freunden zu unterhalten. Schließlich, um 8 Uhr, beginnt dann mein erstes Unterrichtsfach. Die Schulstunden dauern 50 oder 80 Minuten und ich habe vier bis sechs verschiedene Unterrichtsfächer  am Tag.

Zudem gibt es viermal in der Woche noch eine so genannte “advisory” oder AFT-Stunde. Diese ist mit einer Klassenleiterstunde zu vergleichen und dauert 25 oder 50 Minuten. In dieser können die Schüler mit dem zuständigen Klassenlehrer über bestimmte Probleme reden. Außerdem besteht die Möglichkeit, nach vorheriger Anmeldung zu allen Fachlehrern zu gehen und diese Stunde als eine Art Nachhilfestunde zu nutzen. Oder aber man bleibt einfach im Klassenraum, um Hausaufgaben zu erledigen.

Zu den unterschiedlichen Unterrichtseinheiten muss man sagen, dass diese nicht in Haupt- oder Nebenfächer unterteilt werden. Jedes Unterrichtsfach hat den gleichen Stundenanteil. Dementsprechend werden zum Beispiel Musik, Kunst und Sport gleichermaßen unterrichtet wie Spanisch und Englisch.

In jedem Fach habe ich einen anderen Lehrer und anders, als man es von deutschen Schulen kennt, müssen die Schüler den Unterrichtsraum des Lehrers aufsuchen und nicht umgekehrt. Außerdem bin ich in jedem Unterrichtsfach mit anderen Schülerinnen und Schülern zusammen, da jeder seinen eigenen individuellen Stundenplan hat.



In fast allen Schulen beginnt der Tag mit einer „Morning Assembly“, bei der der Schulleiter oder Tutor wichtige Themen anspricht und den Schülern Neuigkeiten mitteilt. Oft wird diese Zeit auch genutzt, um den amerikanischen Patriotismus ein wenig auszuleben oder die Schüler auf die Gemeinschaft einzuschwören. Diese „Morning Assembly” ist an meiner Schule aber nicht üblich.

Im Laufe des Tages habe ich zwischen den Unterrichtsstunden nicht sehr viele Pausen. Eigentlich gibt es nur kurze Pausen von drei Minuten, um den Klassenraum zu wechseln. Ansonsten habe ich nur „Lunch“, eine 20-minütige Mittagspause. In dieser Zeit kann man sich in der Cafeteria sein Mittagessen kaufen und sich mit Freunden unterhalten. Mein gesamter Schultag endet schließlich um 14.20 Uhr, wenn ich keine außerschulische Aktivität besuche.

Nun kommt es zu einem komplizierten Punkt: An vielen amerikanischen Schulen wird die Schulwoche in so genannte Blöcke unterteilt. Oft gibt es nur A- und B-Blöcke, doch an meiner Schule beginnt die Woche am Montag mit Block A und endet mit Block E am Freitag. Jeder Unterrichtstag ist anders aufgebaut und unterschiedlich strukturiert. Montags und dienstags dauert mein Unterricht jeweils 80 Minuten und ich habe eine zehnminütige Pause sowie 20 Minuten „Lunch“. Doch für den Rest der Woche ist der Unterricht 55 Minuten lang und ich habe nur eine „Lunch“-Pause.  Zudem werden die Fächer periodenweise unterrichtet. Das heißt, jedem Fach wird eine bestimmte Nummer zugeteilt. Anfangs war das alles sehr verwirrend, doch nach einer gewissen Zeit habe ich mich eingelebt.

Wie ich in meinem letzten Artikel schon erwähnt habe, sind den amerikanischen Schülern ihre außerunterrichtlichen Sport- oder auch Kunst-Aktivitäten sehr wichtig, die im Anschluss an den regulären Unterricht vergleichbar mit deutschen Arbeitsgemeinschaften angeboten werden. Dies ist ein großer amerikanischer „Spirit“.

Ich besuche an meiner Schule den „Service Club“, in dem man sich für bestimmte Aktionen anmelden kann. Der „Service Club“ betreibt ehrenamtliche Arbeit, die Aktionen sind zum Beispiel der Besuch eines Tierheims, die Betreuung von Kindern oder Mitarbeit in einem Obdachlosenheim. Außerdem nehme ich noch am „Photography-Club“ teil, in dem wir Schüler uns über unsere selbstgemachten Fotografien austauschen und uns gegenseitig technische Tipps geben. Ab und zu fahren wir auch zusammen zu Orten außerhalb der Schule, um Fotos zu machen.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich beim Thema Klassenarbeiten und Tests. An meiner Schule sind die wichtigsten Prüfungen am Ende jedes Semesters, da jedes Schuljahr in zwei Semester unterteilt ist. Innerhalb einer Woche müssen die Schüler dann Prüfungen in jedem belegten Fach absolvieren.

Darüber hinaus schreibe ich über das Semester verteilt jede Woche mindestens ein bis zwei weitere Tests in verschiedenen Fächern. Der jeweilige Name der Tests sagt aus, mit wie viel Prozent die Note des Tests oder der Klassenarbeit in die Gesamtnote eingeht: Die sogenannten „major summatives“ sind vergleichbar mit einer Klassenarbeit und fließen am Ende des Semesters mit dem zweithöchsten Prozentsatz in die Gesamtnote ein. Danach  kommen die „minor summatives“, und mit einem kleinen Test zu vergleichen sind die „Quiz“ oder „Formatives“.

Zu alledem muss man sagen, dass an meiner Schule vieles mittels Computer abläuft. Jeder Schüler muss einen eigenen Laptop besitzen oder sich einen ausleihen und ihn jederzeit bei sich tragen. Viele Unterrichtsinhalte werden bei Google-Classroom (einem Online-Klassenraum) veröffentlicht. Ob Arbeitsblätter, Hausaufgaben oder Termine für die nächsten Arbeiten oder Tests, alles wird online festgehalten.

Außerdem gibt es dann auch noch ein so genanntes Powerschool-Programm. Dort werden alle Noten wie auch die Stundenpläne jedes Schülers gesammelt und aktualisiert. Auch die Eltern haben jederzeit Zugriff zu diesem Programm. Dort werden zudem alle Fehlstunden verzeichnet. Außerdem kann man sich einen so genannten Hall Pass erstellen. Mit diesem kann man zum Beispiel die Bibliothek besuchen oder zu einer anderen Klasse gehen. Es wird hier nämlich sehr streng genommen, wenn man zu spät zum Unterricht kommt.

So läuft der Alltag an meiner Schule ab. Die erste Zeit war ich meist sehr verwirrt wegen der Unterschiede zum deutschen System, doch nun habe ich mich sehr gut eingelebt und komme gut zurecht.

Maiken fährt in Maine mit einem typisch amerikanischen Schulbus zur High School.
Maiken fährt in Maine mit einem typisch amerikanischen Schulbus zur High School. FOTO: Maiken Klinke