C-Junioren-Partie in Merzig mit Nachspiel: Nach Attacke auf Schiedsrichter prüft Saar-Fußballverband Konsequenzen

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Führung schaltet Sportgericht. Opfer geht es nach Verbandsangaben besser.

Die Prügelattacke auf einen Schiedsrichter nach dem  C-Juniorenspiel in Merzig-Brotdorf am vergangenen Samstag (24. August) hat womöglich sowohl sport- als auch zivilrechtliche Konsequenzen. Denn mittlerweile habe der Saarländische Fußballverband (SFV) wegen dieser Ausschreitung die verbandseigene Spruchkammer eingeschaltet, die unter anderem Verfehlungen im fairen Umgang bei Fußballpartien und deren direktem Umfeld ahndet. Das sagte auf SZ-Nachfrage SFV-Geschäftsführer Andreas Schwinn. Unabhängig davon habe die Familie des Opfers den Fußballverband um „juristischen Beistand“ für eine mögliche Schadenersatzklage gebeten.

Unklar ist allerdings, ob das Sportgericht in diesem konkreten Fall überhaupt eine Handhabe hat, wie Schwinn erklärte. Denn der Übergriff auf den Unparteiischen habe sich erst nach Abpfiff der Begegnung ereignet sowie weder auf dem Spielfeld selbst noch in dessen direkter Nähe.

Sollte die Spruchkammer allerdings der Auffassung sein, ein von zivilrechtlichen Prozessen ungeachtetes Urteil zu sprechen, könne dies mehrere Konsequenzen haben: So stehe eventuell eine Geldstrafe im Raum. Diese könne gegen den gastgebenden Verein verhängt werden, sollte er nicht für ausreichend Sicherheit während der Veranstaltung gesorgt haben. Aber auch der Verein der angereisten Mannschaft könnte zur Zahlung aufgefordert werden, sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem Täter um ein Mitglied oder den Angehörigen eines eingesetzten Spielers handelt. Dritte Variante einer möglichen Geldstrafe: den Täter selbst zu belangen.

Der SFV-Geschäftsführer schloss unterdessen aus, dass das Spiel wiederholt wird und verwies abermals darauf, dass es erst nach dem Ende zu der Ausschreitung kam. Sollte die Spruchkammer aber zur Überzeugung gelangen, dass der Ausrichter nicht für genügend Sicherheit gesorgt habe, dann könnte dieser dazu verdonnert werden, bei kommenden Partien mehr Ordnungskräfte einzusetzen, was dann ebenfalls ins Geld geht.

Ein 37 Jahre alter Schiedsrichter war am vergangenen Samstagnachmittag nach dem Schlusspfiff zur C-Junioren-Begegnung JFG Saarschleife 2 und SG Honzrath-Haustadt 1 (3:2/zwei rote Karten) am Tresen des Vereinsheims in Merzig-Brotdorf von einem Mann hinterrücks zusammengeschlagen worden. Der Weiskircher kam mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Merziger Krankenhaus und sollte am Dienstag entlassen werden.

Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich nach Polizeiangaben um den Vater (42) eines Jungspielers des unterlegenen Teams handeln. Er bestreitet indes die Tat. Bei C-Junioren treffen sportlich Zwölf- und 13-Jährige aufeinander.

Attacken wie diese seien nach Angaben des Fußballverbandsgeschäftsführers „die absolute Ausnahme“. Schwinn sei seit 2001 beim SFV tätig. Und in dieser Zeit sei ihm nur ein einziger weiterer Fall untergekommen, bei dem ein Schiri geschlagen worden ist. Im März 2015 war es im Anschluss des Pokalspiels FC Hertha Wiesbach gegen den 1. FC Saarbrücken (2:1) zu Ausschreitungen gekommen. FCS-Anhänger drohten dem Unparteiischen. Polizei musste mit Diensthunden dazwischen. Letztlich erwischte es einen Schiedsrichterassistenten. Nach einem Schlag auf den Kopf musste er mit Schädelhirntrauma ins Krankenhaus. Polizisten erlitten ebenfalls Verletzungen.

„Emotionen sind bei jedem Spiel da“, sagte Schwinn jetzt. Aber werden Spieler oder Schiedsrichter angegriffen, „sind die Grenzen deutlich überschritten“. Dass der SFV solches Fehlverhalten nicht toleriere, sollen zahlreiche Präventionsprogramme beweisen. So werde beipielsweise am Ende der Saison der Fair-Play-Preis ausgelobt. Aber auch das könne nicht verhindern, dass sich Menschen daneben benehmen, sagte Andreas Schwinn.

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