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"MZG" tragen sie nicht nur im Herzen

"MZG" tragen sie nicht nur im Herzen

Horsten. Ihr "Abenteuer Norden" würden sie gemeinsam anpacken, soviel stand von vornherein fest. "So weit weg von zu Hause hätte es zwar nicht sein müssen", aber aus beruflichen Gründen zogen sie entschlossen aus - und haben es nicht bereut. Christian Krier aus Merchingen und seine Frau Jasmin aus Wellingen sind vor fünf Jahren "zu den Ostfriesen" ausgewandert

Horsten. Ihr "Abenteuer Norden" würden sie gemeinsam anpacken, soviel stand von vornherein fest. "So weit weg von zu Hause hätte es zwar nicht sein müssen", aber aus beruflichen Gründen zogen sie entschlossen aus - und haben es nicht bereut. Christian Krier aus Merchingen und seine Frau Jasmin aus Wellingen sind vor fünf Jahren "zu den Ostfriesen" ausgewandert. Heute fühlen sich die beiden 29-Jährigen in Horsten, Landkreis Wittmund, im tiefsten Niedersachsen wohl, wenngleich es auf dem platten Land "so ganz anders" sei als daheim. Heimisch sind sie dennoch geworden - und mittlerweile zu dritt. Töchterchen Johanna ist drei und eine "waschechte Ostfriesin".Wie typische Nordlichter wohnen die Kriers in einem roten Klinkerhäuschen, nicht weit vom Meer entfernt, und genießen ihr Leben, das sich dem Tempo an der Waterkant angepasst hat. "Hier ist alles entspannter", erzählt Jasmin Krier. "Und die Ruhe überträgt sich aufs eigene Gemüt. Man hetzt nicht mehr so, die Leute machen hier nicht alles zack-zack wie im Saarland", ergänzt ihr Mann, der Berufssoldat und Musiker ist. Sein Job brachte die Merziger in den hohen Norden. "2007 wurde ich zum Marinemusikkorps Nordsee nach Wilhelmshaven versetzt."

Der studierte Militärmusiker wäre lieber zu Bundeswehr-Orchestern nach Siegburg oder Koblenz geschickt worden, "weil das nicht so weit entfernt gewesen wäre". Aber er folgte dem Befehl - und Jasmin ging mit. "Sie war eine wichtige Stütze für mich", sagt Christian Krier. "Es fällt leichter, wegzuziehen, wenn man zu zweit ist." Seine Frau arbeitet heute als Arzthelferin in Horsten, Johanna geht dort in den Kindergarten, Vater Christian fährt täglich ins wenige Kilometer entfernte Wilhelmshaven zur Arbeit. Mit dem Orchester tourt der Trompeter durch die ganze Welt, spielt zu Konzerten oder Militärparaden in ganz Deutschland. "Wenn wir mal beide frei haben, fahren wir nach Hause", sagt Jasmin Krier, der die Heimat ebenso fehlt wie ihrem Mann.

600 Kilometer weiter südlich, im "schönen Merzig", gebe es nämlich allerlei, was nordwärts fehle: Schwenker und Lyoner zum Beispiel. Oder Berge und Wald. "Wenn wir daheim sind, geht Johanna immer mit dem Opa in den Merchinger Wald und freut sich riesig. Oder sie gehen mal Schlitten fahren im Winter. Beides gibt es ja nicht bei uns oben", erklärt der Papa, der sich in der "unendlichen Weite" von Ostfriesland zuweilen mehr Hügel wünscht.

Zum Radfahren sei es im Norden natürlich prima. Oder zum Baden am nahen Nordseestrand, "aber das nutzen wir lustigerweise gar nicht oft", fällt Christian Krier beim Erzählen auf. "Wir waren noch nie alle zusammen im Strandkorb - das müssen wir unbedingt mal nachholen!"

Jetzt, wo sich die Familie gerade eingerichtet hat im Norden, kündigt sich bei Kriers schon wieder ein Ortswechsel an. "In zwei Jahren wird unser Korps wegen der Sparpläne bei der Bundeswehr aufgelöst. Dann werde ich wieder versetzt", sagt Christian Krier und Jasmin beendet den Satz für ihren Mann: "Vielleicht klappt es dann mit Koblenz, dann wären wir wieder näher am Saarland dran". Und an Merzig, ihrer Heimatstadt, die beide so vermissen und die sie nicht nur im Herzen tragen: Ihr Heimweh bekunden Johannas Eltern nämlich äußerst kreativ auf ihrem Autokennzeichen, das mit WTM für Wittmund beginnt: WTM-ZG 663. Ohne "W" und "T" ergebe das "MZG" für Merzig und 663 für den Bezug zur Merziger Postleitzahl, erklären beide Auswanderer und lachen.

> Wird fortgesetzt.

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"Exilanten" gesucht: Die Serie über die "Merzig-Waderner im Exil" lebt von der saarländischen Methode "Ich kenne einen, der einen kennt". Die SZ bittet ihre Leser um Mithilfe: Haben Sie Freunde, Bekannte oder Familienangehörige, die aus dem Landkreis Merzig-Wadern in die Welt (Ausland oder Deutschland) gezogen sind? Dann melden Sie sich in der Lokalredaktion der SZ in Merzig und geben Sie uns einen Tipp! Wir nehmen dann Kontakt auf. kes

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