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Mühlental: Entscheidung über mögliche Konsequenzen fällt später

Kostenpflichtiger Inhalt: Mühlental bei Menningen und Bietzen : Ausschuss vertagt Entscheidung über Aufkündigung von Naturland-Zertifikat

Die Entscheidung darüber, ob die strengen Auflagen für das Waldgebiet Mühlental bei Bietzen und Menningen aufgehoben werden sollen, ist vertagt.

Der Hauptausschuss der Stadt Merzig beschloss am Dienstagabend bei einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen, dass über das Thema Mühlental zunächst erneut in den Fraktionen beraten und später im Stadtrat entschieden werden solle. Damit wurde ein Antrag der CDU-Fraktion, der auf eine Befreiung von den Auflagen abzielte, vertagt.

Hintergrund des Antrags ist der Zustand des Mühlentals nach umfangreichen Fällungen von Eschenbäumen wegen einer Pilzerkrankung: Weil das Mühlental als sogenannte Referenzfläche gilt, in der nur in Ausnahmefällen forstliche Maßnahmen zulässig sind, müssten die mehr als 600 Bäume, die dort gefällt worden sind, an Ort und Stelle verbleiben.

Dagegen erhebt sich Protest unter Anliegern und Besuchern des Tals. Sie beklagen, dass der Zustand des Tals aufgrund des allerorten herumliegenden Holzes nicht mehr akzeptabel sei. Immer mehr Stimmen werden laut, die fordern, wenigstens einen Teil des Holzes zu entfernen.

Den Status als Referenzfläche hat das Mühlental aufgrund einer Zertifizierung des Stadtwaldes durch den Verband Naturland. Jetzt aber sieht die CDU in der Bindung an die Naturland-Vorgaben ein Problem. Manfred Klein, CDU-Ratsmitglied und Ortsvorsteher von Bietzen, sagte: „Wenn durch ein Naturereignis wie einen Pilzbefall ein solch gravierender Einschnitt in einen Naturbestand erfolgt, muss man sich fragen, ob eine solch strenge Reglementierung noch Sinn macht.“ Der jetzige Zustand des Mühlentals sei „eine Situation, die uns allen wehtut“. Klein verwies darauf, dass das Mühlental mit viel ehrenamtlichem Engagement zu einem Schmuckstück und Anziehungspunkt für Radfahrer, Spaziergänger und Wanderer geworden sei. Das sei vorerst dahin.

Für die SPD-Fraktion erklärte deren Vertreter Manfred Klein: „Der Zustand im Mühlental ist für keinen in Merzig zufriedenstellend.“ Neben dem Naturland-Siegel sei der Stadtwald nach zwei weiteren Siegeln zertifiziert, nämlich dem PEFC- und dem FSC-Siegel. Klein wies darauf hin, dass das FSC-Zertifikat automatisch verfalle, wenn das Naturland-Siegel aufgekündigt werde. Dann müsse dieses Prädikat neu zertifiziert werden. Damit dies möglichst reibungslos vonstattengehe, solle die Angelegenheit nach dem Willen der SPD erst später im Stadtrat entschieden werden.

So sieht es aktuell im Mühlental aus: Überall liegen die Überreste gefällter Bäume herum. Foto: Manuel Lukas

Harte Kritik an dem Ansinnen der CDU kam von Grünen-Vertreter Klaus Borger: Der Antrag zur Aufkündigung des Naturland-Zertifikats ziele darauf ab, den Einsatz von Großmaschinen im städtischen Forst flächendeckend möglich zu machen, sagte er. „Das führt dazu, dass es auf solchen Waldflächen aussieht wie auf einem Übungsgelände für Panzer.“ Die Situation im Mühlental führte er darauf zurück, dass die dort vorgenommenen Baumfällungen nicht nach geübter fachlicher Praxis erfolgt seien. Aus seiner Sicht waren sie auch in rechtlicher Hinsicht nicht erforderlich. Borger, der auch Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Saar-Hochwald ist, wies darauf hin, dass die FBG der Stadt im vergangenen Jahr einen Vorschlag zum forstlichen Umgang mit der Pilzerkrankung und dem durch sie ausgelösten Eschentriebsterben vorgelegt hatte. Danach hätten weitaus weniger Bäume gefällt werden müssen, als es später geschehen ist. Der CDU gehe es vor allem um die ökonomische Nutzung des Stadtwaldes und weniger um die Interessen der Bürger.

Diesen Vorwurf wies CDU-Vertreter Manfred Klein zurück: „Es geht uns nicht um die ökonomische Bedeutung des gefällten Holzes, wir möchten nicht die letzte Baumspitze dort herausnehmen.“ Sein Fraktionskollege Jürgen Auweiler betonte, die CDU wolle das Naturland-Zertifikat aufkündigen, aber das FSC-Siegel behalten und auch neu zertifizieren lassen. Da es hierzu eines lückenlosen Übergangs bedürfe, trage die CDU den Vertagungsantrag der SPD mit.