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Mit Worten Brücken bauen

Merzig. Lieselotte Lutz und Monika Farago helfen syrischen Flüchtlingsfamilien beim Erlernen der deutschen Sprache - der Grundstein für eine bessere sprachliche und soziale Integration der Asylsuchenden in unserem Land.

Es begann vor einem Jahr mit der verstärkten Aufnahme von Flüchtlingen, auch in Merzig . Das SOS-Kinderdorf Saar wollte - wie so viele andere - den heimatlos gewordenen Menschen helfen, stellte zwei Häuser für syrische Flüchtlingsfamilien zur Verfügung und nahm Kinder und Jugendliche in Kinderdorffamilien auf. Damit alleine aber war es nicht getan. Ein wichtiges Instrument, um sich in der neuen Gesellschaft zurecht zu finden, zu verständigen und zu integrieren, ist das Erlernen der Sprache.


Also suchte der Leiter des SOS-Kinderdorfes, Joachim Selzer nach Personen, die Spaß und Freude daran haben, diesen Menschen beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen. Und er wurde fündig. Er konnte zwei engagierte Frauen für sein Anliegen gewinnen, Lieselotte Lutz, pensionierte Förderschullehrerin, und Monika Farago, Fremdsprachenkorrespondentin. Beide Frauen bieten nun seit Oktober 2015 zweimal die Woche am Abend Sprachbegleitung im SOS-Kinderdorf an. Das Interesse und die Lernbereitschaft der Asylanten waren so groß, dass die Gruppe im Januar geteilt wurde. Eine Sprachgruppe besteht nun aus sieben Personen, einer Familie mit fünf Personen sowie einer Mutter mit einem ihrer Söhne. In der anderen Gruppe befinden sich zurzeit drei Jugendliche aus verschiedenen Nationen, die dadurch jetzt schneller und intensiver lernen können, als die Gruppe der Erwachsenen, da sie auch am Vormittag die Schule besuchen. Mit diesen Jugendlichen kann Lutz unter anderem, wie jetzt mit in einem Fall geschehen, intensive Vorbereitungen für die Hauptschulabschlussprüfung durchführen. Das Lernen hat sich gelohnt: Er hat die Prüfung bestanden und damit den Hauptschulabschluss erreicht.

"Wir sind alle sehr froh und stolz, dass es geklappt hat", sagt Lutz erleichtert. "Er besucht erst seit November die deutsche Schule." Farago berichtet über ihre Gruppe: "Die Schüler sind sehr engagiert. Sie wollen trotz Integrationskurs, den sie am Vormittag besuchen, zusätzlich zweimal die Woche ihre Deutschkenntnisse vertiefen." Neben der Sprachvermittlung ist Farago die kulturelle Integration ein großes Anliegen. "Ich versuche, den Deutschunterricht auszuweiten auf gemeinsame Unternehmungen und den Besuch kultureller Veranstaltungen, wie kürzlich bei einem Konzert in Saarbrücken."



Wichtig ist für sie auch das Vermitteln der deutschen Grammatik als Strukturgerüst der Sprache. Die Sprachbegleitung versucht sie möglichst häufig an aktuellen Dingen auszurichten. "Es ist mir wichtig, den Lehrstoff anhand der Themen zu vermitteln, die für die Schüler von Bedeutung und in ihrem Alltag gerade relevant sind. Und die zeigen sich in der Gesprächsrunde, die jeder Unterrichtsstunde vorausgeht, auch immer ganz schnell. Auf diese Weise kann ich die Lerneinheiten über mein Konzept hinaus an die gegenwärtigen Erfordernisse anpassen." So behandelt sie in ihren abendlichen Übungsstunden auch verschiedene Antragsformulare und bearbeitet mit den Teilnehmern persönliche Post von verschiedenen Institutionen.

Lutz hat bei einem ihrer Jugendlichen festgestellt, dass er zwar schon einige Deutsch-kenntnisse besitzt, auch voller Wissensdurst ist, aber seine Aussprache nur schwer verständlich ist. Nun versucht sie, mit ihm durch laute Leseübungen, Sprachübungen und Konversation diese Einschränkung zu verbessern. "Ich lege Wert auf gutes Sprechen", betont sie. Die Sprachbegleitung bieten beide Frauen ehrenamtlich an, sie erhalten keinerlei Aufwandsentschädigung. Es gibt aber viel Unterstützung von verschiedenen Stellen und spezielle kostenlose Schulungen für Sprachbegleiter. Das SOS-Kinderdorf Saar übernimmt die Kosten für die Lehrmaterialien und unterstützt auch sonst in vielfältiger Art und Weise. Beide Frauen bieten diese Form der Unterstützung weiterhin gerne an und legen Wert darauf, dass es nicht nur ein einseitiges Geben von ihrer Seite ist. Sie versichern: "Wir lernen selber auch ganz viel über die Kultur und die Menschen."

Monika Farago (linkes Foto) beim Unterricht, dbei dem sie unter anderem mit der Familie Shahin (rechtes Foto) aufmerksame Schüler hat.
Monika Farago (linkes Foto) beim Unterricht, dbei dem sie unter anderem mit der Familie Shahin (rechtes Foto) aufmerksame Schüler hat.
Die Syrer mit Liselotte Lutz (Dritte von rechts). Fotos: Joachim Selzer/Kinderdorf
Die Syrer mit Liselotte Lutz (Dritte von rechts). Fotos: Joachim Selzer/Kinderdorf