Ministerpräsident besucht Merziger Wolfspark und Losheimer Museumsbahn

Merzig/Losheim : Tobias Hans tourt durch den Grünen Kreis

Zum Auftakt seiner Sommertour hat der Ministerpräsident den Wolfspark in Merzig und die Losheimer Museumseisenbahn besucht.

Es war beinahe so, als hätte er einen Urlaubstag im Saarland geplant – Ministerpräsident Tobias Hans besuchte vor Kurzem erst den Merziger Wolfspark und anschließend die Losheimer Museumseisenbahn (die SZ berichtete kurz). Im Grünen Kreis machte Hans damit den Auftakt zu seiner Sommertour, auf der er sich vor Ort ein eigenes Bild machen will von dem Land, das er regiert.

Vor dem Eingang zum Wolfspark im Merziger Kammerforst empfing Bürgermeister Marcus Hoffeld den Landesvater und CDU-Parteifreund. „Normalerweise kommt das Beste ja immer zum Schluss, aber dieses Mal kommt das Beste zuerst, denn Sie, Herr Ministerpräsident, haben sich dazu entschlossen, Ihre Sommertour in Merzig zu beginnen“, sagte Hoffeld. „Das letzte Mal, als ich hier war, war ich noch sehr jugendlich“, erinnerte sich Hans und betonte, das man saarlandweit stolz auf den Merziger Wolfspark sei. „Werner Freund hat das Bild des Wolfes verändert, hat gezeigt, dass es nicht nur wilde Bestien sind.“

Im Park konnte sich Hans dann gleich persönlich ein Bild davon machen, was hier mit den Fördergeldern des Landes erreicht wurde. Mithilfe dieser Gelder hat die Kreisstadt Merzig den Wolfspark Werner Freund um- und ausgebaut. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 2,35 Millionen Euro. Den Großteil der Kosten übernahm das saarländische Wirtschafts-Ministerium aus Mitteln der Tourismusförderung mit 1,566 Millionen Euro, rund zwei Drittel der Gesamtkosten. Unter anderem wurden die Gehege vergrößert, die Wege instand gesetzt, Aussichtstürme errichtet und neue Personalräume geschaffen. Außerdem wurde der Außenzaun mit einem Untergrabschutz versehen.

Anlass für die Umbauarbeiten war das 40-jährige Bestehen des von Verhaltensforscher Werner Freund 1977 gegründeten Wolfsparks. Freund studierte bis zu seinem Tod 2014 das Verhalten der Tiere von klein auf: Alle Wölfe, die dort leben, kamen als Welpen nach Merzig und wurden dort aufgezogen – von Werner Freund, seiner Frau und Tatjana Schneider, die seit 1993 an der Seite von Freund arbeitete und nach seinem Tod den Wolfspark in seinem Sinne weiterführt.

Auf seiner Visite betrachtete der Ministerpräsident die Gehege der Timberwölfe, der mongolischen Wölfe und der arktischen Wölfe. Bei den mongolischen Wölfen traf Hans auf zwei Bekannte aus der Politik – oder zumindest auf deren Namensvettern. Denn in dem Gehege tummeln sich Heiko und Annegret: Für die beiden Wölfe haben die heutige CDU-Bundesvorsitzende und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sowie der heutige Bundesaußenminister Heiko Maas bereits 2012 eine Patenschaft übernommen. Doch so sprechen Tatjana Schneider und Michael Schöneberger die Tiere nie an, wie sie verraten. „Die meisten Wölfe haben Rufnamen“, erklärt Schöneberger, der ehrenamtlich im Kammerforst arbeitet. Die Wölfin, die den Vornamen Kramp-Karrenbauers trägt, werde nicht Annegret, sondern Shaya gerufen, und der Wolf mit Namen Heiko nennen die Wärter nur Batu.

Den eigentlichen Zweck des Wolfsparks erläuterte Tatjana Schneider, die bei der Stadt Merzig angestellt ist, noch einmal für die Gäste: „Ziel ist es, das Verhalten der Wölfe zu beobachten und sie so besser verstehen zu lernen. So wollen wir zum Beispiel herausfinden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen unterschiedlichen Arten von Wölfen am gleichen Ort oder auch welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es zwischen der gleichen Art von Wölfen an verschiedenen Orten gibt.“ Darum müssen nach Worten von Schneider die Wölfe auch in den Gehegen möglichst so leben  wie in freier Natur. Nur so können die Forscher sichergehen, dass das Verhalten, das sie bei den Merziger Wölfen beobachten, auch auf wildlebende Wölfe übertragbar ist. „Das ist uns auch gelungen, unsere Wölfe ähneln ihren Artgenossen in freier Natur um 80 bis 90 Prozent“, so Schneider. Daher gebe es auch keine Schaueinlagen oder gestellte Vorführungen. Die Wölfe werden nicht abgerichtet und können sich ganz natürlich verhalten.

Am Nachmittag machte der Ministerpräsident in Losheim Station, um sich das Eisenbahnmuseum anzusehen und für eine Fahrt in die Museumseisenbahn einzusteigen. Günther Leistenschneider, Vorsitzender des Museums-Eisenbahn-Clubs Losheim am See (MECL) führte Hans zunächst durch die Ausstellungsstücke im Eisenbahnmuseum, das seit 1994 besteht, und erläuterte dem Landesvater die Geschichte der Eisenbahn in der Region.

„1903 fuhr in Merzig die letzte Postkutsche der Merzig-Waderner Landpost, die als Personenverkehr von der MBE abgelöst wurde“, erzählte Leistenschneider. Die MBE – die Merzig-Büschfelder Eisenbahn – verband das Saartal ab Merzig mit der Staatsbahnstrecke Saarbrücken–Lebach–Nonnweiler am Südwestrand des Hunsrücks. „Auf der alten Strecke der Merzig-Büschfelder Eisenbahn von 1903 rollt die Museumsbahn seit 1982 wieder über die Gleise“, berichtete Leistenschneider. 1994 wurde der Fahrbetrieb wieder bis nach Merzig-Ost aufgenommen. Heute betreibt und finanziert die Gemeinde Losheim am See die 15 Kilometer lange Strecke von Merzig bis zur Dellborner Mühle.

Doch bis Merzig fährt die Losheimer Eisenbahn im Moment nicht: Vor rund zwei Jahren stellte die Eisenbahnaufsicht des Landes Schäden fest und sperrte die Strecke. Ein schwerer Schlag für den Verein und für den Tourismus, sagte Leistenschneider, seinen Worten nach sind immer mehr als ein Drittel der Fahrgäste in Merzig eingestiegen. Mit einem Zuschuss des Landes und des Landkreises konnte inzwischen für 400 000 Euro eine Teilstrecke bis in den Losheimer Wald und zur Dellborner Mühle saniert werden.

Ein Förderantrag zur verbliebenen Sanierung bis nach Merzig liegt derzeit dem Wirtschaftsministerium in Saarbrücken vor. Dort soll das Anliegen noch an diesem Freitag, 9. August, zur Sprache kommen. Die Zeichen stehen nicht schlecht: Vor einiger Zeit schloss die Gemeinde Losheim am See die Kaufverhandlungen mit der Deutschen Bahn für die Strecke Bahnhof Merzig bis Merzig-Ost ab. Außerdem haben der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz Pro Schiene empfohlen, die stillgelegte Bahnstrecke Merzig-Losheim zu reaktivieren.

Tobias Hans (rechts) freut sich über sein Wolfspark-T-Shirt – mit dabei (von links): Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld, Michael Schönberger und Tatjana Schneider. Foto: Ruppenthal

Dem Ministerpräsidenten ist die Sanierung seinen eigenen Worten zufolge ein wichtiges Anliegen. „Es ist ganz klar, die Strecke muss wieder sicher werden, wenn wir keine Touristen verlieren wollen“, sagte Hans. Die Entscheidung liege beim Wirtschaftsministerium, man sei jedoch bemüht, alle Akteure an den Tisch zu bekommen. Zu denen gehört unter anderem auch das Eisenbahn-Bundesamt, Deutschlands zuständige Eisenbahn-Aufsichtsbehörde. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden“, betonte Hans. „Die Museumseisenbahn ist nicht nur touristisch, sondern auch historisch wichtig. Wo könnte man den Kindern besser veranschaulichen, was die Eisenbahn einst für das Saarland geleistet hat?“ Er will mit seinen Kindern noch einmal nach Losheim kommen und die Fahrt durch den Hochwald genießen.

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