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Mia Wurzer aus Merzig leidet unter aggressiver Form von MS

Junge Frau aus Merzig will Therapie : Kostspielige Behandlung ist ihre letzte Hoffnung

Miriam Wurzer aus Merzig leidet an einer aggressiven Variante von Multipler Sklerose – Hilfe erhofft sie sich von einer Stammzellentherapie.

Sich in Bücher zu vertiefen, was die Leseratte mit Begeisterung tat, ist ihr nicht mehr möglich – zu schwach das Sehvermögen. Malen, Töpfern oder Basteln hat sie aufgegeben, weil ihre Hände versagen. Ganz zu schweigen von einem Ausritt mit Saelingur, ihrem geliebtem Islandpferd. Mittlerweile kann sich die 32-Jährige kaum noch auf den Beinen halten, ist auf einen Rollstuhl angewiesen. „Früher bin ich mit ihm Turniere geritten, war im Fitnessstudio und immer in Bewegung“, verrät Miriam Wurzer, die von Familie und Freunden nur liebevoll Mia genannt wird. Eine besonders aggressive Form von Multiple Sklerose hat die Träume der Merzigerin mit einem Schlag zunichtegemacht – ihren Wunsch, nach dem Master-Abschluss in Anglistik und Germanistik Redakteurin zu werden, eingeschlossen.

Dennoch gibt sie nicht auf, will auf keinen Fall vor ihrer Krankheit kapitulieren. Vor rund sieben Jahren wurde sie zum ersten Mal mit der Diagnose konfrontiert. „Ich saß in einer Vorlesung an der Uni und konnte nicht mehr richtig sehen. Es war, als ob ich durch ein Milchglas guckte“, erzählt sie. Der Augenarzt, den sie aufsuchte, schickte sie in eine Augenklinik und in die Neurologie. Der Arzt dort eröffnete ihr, dass sie von der chronisch-entzündlichen Krankheit heimgesucht wurde, die das zentrale Nervensystem betrifft. „Das Immunsystem greift fälschlicherweise körpereigene Strukturen an – im Fall von MS die Hüllschicht der Nervenfasern“, sagt sie. Zunächst blickte sie noch recht optimistisch in die Zukunft: „Die Ärzte haben mir gesagt, dass es bereits sehr gute Medikamente gibt, die bei den meisten MS-Patienten das Fortschreiten der Krankheit hemmen und ihnen so ein recht beschwerdefreies Leben ermöglichen.“ Doch das sollte ihr nicht vergönnt sein. „MS verläuft oft in Schüben. Um diese zu verhindern, müssen ein Leben lang Medikamente genommen werden“, sagt sie. Bildeten sich bei anderen Patienten nach einem Schub die Symptome wieder ganz oder teilweise zurück, werde es bei ihr nicht besser, verschlechtere sich kontinuierlich. „Bei mir haben die Medikamente die erhoffte Wirkung nicht erzielt“, verrät sie traurig.

Mit aller Macht kämpft sie dagegen an. Ihre ganze Hoffnung setzt sie auf eine autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation, kurz aHSCT genannt. „Die funktioniert im Prinzip wie eine Behandlung bei Leukämie“, sagt sie. „Stammzellen werden entnommen. Danach erhält der Patient auf einer Isolierstation Chemo, bis das Immunzell-Repertoire weitgehend zerstört ist. Dann werden die Stammzellen eingesetzt. Wenn man Glück hat und die Therapie schlägt an, ist man die Krankheit ein für alle Mal los.“ Zum Greifen nah war sie dieser Behandlung im vergangenen Jahr — als Probandin einer Studie in der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. „Nur wenn man zu Studienzwecken ausgewählt worden ist, erhält man in Deutschland die Behandlung. Die Krankenkassen zahlen nichts.“

Doch die Corona-Pandemie machte diese Hoffnung auf Genesung zunichte. „Um teilnehmen zu können, muss man noch relativ fit sein“ – eine Forderung, die die Anglistin und Germanistin nicht mehr erfüllen kann. „In den vergangenen Monaten hat sich mein Gesundheitszustand enorm verschlechtert“, gesteht sie. So hätten die Mediziner in der Hansestadt ihr vorgeschlagen, sich der Behandlung in einer Spezialklinik in Moskau zu unterziehen. Doch das kostet dort Geld – viel Geld. „Ich habe nicht mal so eben 50 000 Euro“, sagt sie traurig. Es waren Freunde, die sie überzeugten, den Schritt an die Öffentlichkeit zu gehen, sich eine Internetseite zu erstellen und einen Spendenruf zu starten. „Mia reicht’s . . . und zwar gewaltig“ überschreibt sie ihren Leidensweg. Im Dezember vergangenen Jahres hat sie begonnen, auf ihr grausames Schicksal aufmerksam zu machen und hofft, dass sie die 50 000 Euro bald zusammen hat. Dann könnte das Team um Dr. Fedorenko, der seit mehr als zehn Jahren Erfolge mit der Stammzellentherapie hat, Mia im Mai behandeln. Dass dies eine langwierige und quälende Prozedur wird, weiß sie genau. „Doch dies ist für mich die Chance auf ein Leben ohne diese Krankheit.“

www.mia-reichts.de

www.gofundme.com/mia-reichts-gemeinsam-gegen-die-ms