| 20:32 Uhr

Merzig
Mit 0,8 Promille im Simulator auf Tour

Zainal Abedein Alhussein wird vom Handy abgelenkt.
Zainal Abedein Alhussein wird vom Handy abgelenkt. FOTO: Dieter Ackermann
Merzig. Schüler des Berufsbildungszentrums Merzig beteiligten sich an der Aktion „Erfahren, wie Alkohol wirkt“.

In der kommenden Woche tritt Zainal Abedein Alhussein (20) zur Führerscheinprüfung an. Dieser Tage erfuhr er schon mal, wie es ist, wenn man mit 0,8 Promille Alkohol im Blut am Steuer eines Kleinwagens nach einer Kurve unvermittelt eine verlorene Lkw-Ladung und Gegenverkehr vor sich hat: Dann kracht es! „Das wird mir hoffentlich im echten Leben nie passieren“, sagte der Merziger BBZ-Schüler und er fuhr fort: „Ich weiß natürlich, dass Alkohol beim Fahren tödlich sein kann.“


Gemeinsam mit anderen Mitschülern der Klasse TGS 11.2 des Berufsbildungszentrums Merzig beteiligte er sich an der Aktion „Erfahren, wie Alkohol wirkt“ des Bundes gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr, kurz BADS genannt, der im übernächsten Jahr bereits sein 70-jähriges Bestehen feiern kann.

Josef Merten, BADS-Geschäftsführer der Landessektion Saar, hatte dazu unter anderem einen Fahrsimulator mitgebracht, der den jungen Leuten einen lebensnahen Eindruck davon vermitteln sollte, wie Alkohol im Blut das Sehvermögen (Tunnelblick) und die Reaktionsfähigkeit jedes Fahrers einschränken kann. Vor einem Kleinwagen stand dazu eine Leinwand, auf die ein Beamer über den Kopf des jeweiligen Probanden Fahrszenen projizierte. Das Programm übertrug in Echtzeit die Lenkbewegungen auf die Leinwand, so dass der Fahrer stets das Gefühl hatte, für die Fahrzeugbewegungen selbst verantwortlich zu sein.



Und dann kam der Alkohol ins Spiel! Josef Merten: „Der Fahrsimulator schränkt optisch das Sehvermögen durch vernebelte Sichtbegrenzungen ein, wie das bei einem Alkoholgenuss von etwa 0,8 Promille der Fall wäre. Außerdem verdeutlicht die eingeschränkte Reaktionsgeschwindigkeit dem Testfahrer eindringlich, wie dramatisch langsamer er am Lenkrad auf alle Situationen reagiert.“

Dass diese Fahrsimulationen (auch bei Wildunfällen) durchaus einen nachhaltigen Eindruck von der stark verminderten Verkehrssicherheit durch einen alkoholisierten Fahrer vermitteln, bestätigten die oft richtig erschrockenen jungen Fahrer beim Verlassen des Fahrsimulators.

Außerdem hatte Merten seinen Simulator erstmals noch mit einem Handy am Armaturenbrett „aufgerüstet“, mit dessen Ablenkung den jungen, „alkoholisierten“ Fahrern das Steuern und Reagieren auch nicht unbedingt erleichtert wurde. Klaus Zeimet, bis vor kurzem noch Polizeibeamter und nicht erst seit seinem Ruhestand BADS-Mitglied, bestätigte aus seiner langjährigen Berufserfahrung, dass die Ablenkung durch den verbotenen Handygebrauch während der Fahrt nach wie vor für eine Vielzahl von oft verheerenden Unfällen verantwortlich ist.

Der pensionierte Polizist stand aber nicht nur am Fahrsimulator. Er bediente auch eine Bildschirmwand, auf der die jungen Leute ihre Reaktionsfähigkeiten mit und ohne Alkohol testen konnten. Statt mit den Schülern dazu erst fröhlich anzustoßen, ersetzten spezielle Brillen rein optisch den Schnapsgenuss. Diese vermittelten in etwa Blickvermögen und Reaktionsgeschwindigkeit von Autofahrern mit einem Blutalkohol von etwa 0,8 Promille.

Und die jungen Probanden mussten ausnahmslos zugeben, dass es schon ein gewaltiger Unterschied ist, mit oder ohne Alkohol im Blut hinter dem Steuer zu sitzen.

Angesichts dieser etwas anderen Unterrichtsstunde im Berufsbildungszentrum Merzig räumte auch der stellvertretende Schulleiter Torsten Klein offen ein, dass die beiden BADS-Vertreter mit Fahrsimulator und Reaktionswand technische Hilfsmittel und Informationen mitgebracht hatten, die den jungen Schülern wirklich praxisnah vor Augen führen konnten, welche schlimmen Folgen der Alkoholgenuss für Autofahrer – jeden Alters – haben kann. „Hoffen wir mal, dass diese interessanten Demonstrationen in Verbindung mit den selbst gemachten Erfahrungen dazu beitragen, dass sich auch unsere Schüler in Zukunft sicher – also ohne Alkohol am Steuer – im Straßenverkehr bewegen werden“, meinte Torsten Klein.