Merzig und der Wein

Merzig · In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden nicht nur an der Obermosel bei Perl große Rebflächen gepflegt.

 Zur Ackerbauschule von Pastor Deutsch gehörte auch dieser Seminarhof. Links reicht noch das Pfarrhaus von Merchingen ins Bild hinein. Foto: Josef Bohr

Zur Ackerbauschule von Pastor Deutsch gehörte auch dieser Seminarhof. Links reicht noch das Pfarrhaus von Merchingen ins Bild hinein. Foto: Josef Bohr

Foto: Josef Bohr

Was landwirtschaftliche Reformen angeht, wirkte Fellenberg nicht allein in der Merziger, sondern auch in der übrigen Saarregion sehr segensreich. In Pastor Deutsch aus Merchingen hatte er einen eifrigen Gesinnungsgenossen. Der Geistliche eröffnete 1846 eine landwirtschaftliche Schule, deren Einzugsbereich schließlich den gesamten Regierungsbezirk Trier umfasste. Auf seine Initiative hin wurde 1881 auch der "Merziger Bauernfreund", eine Zeitschrift für die Landwirte im Kreis, ins Leben gerufen.

Pastor Deutsch machte sich auch als Direktor in der 1840 ins Leben gerufenen "Lokalabteilung Saar im Landwirtschaftlichen Verein für Rheinpreußen" einen Namen. Die Landwirtschaftlichen Vereine betrieben Aufklärungsarbeit und wollten den Bauern neue agrarwissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln und nahebringen. 1848 kamen sämtliche Vorstandsmitglieder der Lokalabteilung Saar aus dem Kreis Merzig. Dabei fällt auf, dass sich der Vorstand ausschließlich aus Honoratioren, wie Geistlichen, Behördenvertretern oder Fabrikanten, zusammensetzte. Bauern waren dagegen überhaupt nicht vertreten. Neben Pastor Deutsch als Direktor findet man als Sektionsvorsteher für Ackerbau den Freiherrn von Zandt von Schloss Münchweiler, während für Viehzucht Pastor Zens aus Weiskirchen, für den Wiesenbau der damalige Merziger Landrat Fuchs, für Gartenbau und Obstbaumzucht Pastor Poss aus Wadrill und für die Sparte Waldkultur der Fabrikbesitzer Eugen von Boch aus Mettlach zuständig war. Im Kreis Merzig konnte durch die getroffenen Maßnahmen innerhalb von 30 Jahren beispielsweise der Rindviehbestand um rund 60 Prozent von 6642 auf 10 695 Stück gesteigert werden.

Heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur an der Obermosel, sondern in einer Vielzahl von weiteren Orten des heutigen Kreisgebietes Wein angebaut wurde. Statistische Angaben aus dem Jahr 1816 belegen, dass im damaligen Kreis Merzig um diese Zeit 62 Morgen (1 Morgen entspricht 0,25 ha) mit Wein bepflanzt waren. Die Weinberge verteilten sich damals auf die Gemeinden Beckingen, Merzig und Besseringen. Als nach 1816 einige gute und ertragreiche Weinjahre folgten, pflanzte man auch in weiteren Orten Rebstöcke an. So kam es, dass im Jahre 1827 bereits annähernd 200 Morgen Weinberge zu verzeichnen waren. Von der Gründung des allgemeinen Zollvereins im Jahre 1834 gingen dann übertriebene Erwartungen hinsichtlich der zu erzielenden Preise und Erträge für Wein aus. So nahm die Neuanlegung und Neuanpflanzung von Weinbergen ständig zu. 1836 umfasste die Anbaufläche im damaligen Kreis Merzig schließlich sogar 408 Morgen. Dies entsprach in etwa der heutigen Anbaufläche an der Obermosel im Bereich der Gemeinde Perl.

Als sich die Erwartungen bezüglich des Weinabsatzes und der Weinpreise nicht erfüllten, verschwanden die Weinberge jedoch wieder genauso schnell, wie sie entstanden waren. Zahlreiche Weinberge wurden wieder gerodet und dem Garten- und Obstbau zugeführt. Im Jahr 1851 war der heimische Weinbau schon so weit zurückgegangen, dass er nur mehr 208 Morgen betrug. In Folge der schlechten Weinjahre nach 1851 gingen die Weinberge immer rapider zurück. 1863 waren nur noch 129 Morgen Anbaufläche zu verzeichnen. In der Folgezeit verschwand dann ein Weinberg nach dem anderen, wenn auch gesagt werden muss, dass noch um 1900 der Kreuzberg in Merzig eine stattliche Zahl gut gepflegter Weinberge aufzuweisen hatte.

Diese Angaben sind einem Bericht der Merziger Volkszeitung aus dem Jahr 1932 entnommen, wo dann weiter ausgeführt wird: "Man kann heute sagen, dass nur mehr zwei bis drei gut gepflegte Weinberge am Kreuzberg anzutreffen sind. Ein Merziger Weinbergsbesitzer, der gerade in den letzten Jahren ansehnliche Nebeneinkünfte aus seinem mustergültig gepflegten Weinberg am Kreuzberg herauszuholen wusste, erklärte dem Schreiber dieser Zeilen, dass bei Fleiß und ernsthaftem Streben auch heute der Weinbau am Kreuzberg bei Anpflanzung geeigneter Sorten, zufriedenstellende Erträgnisse liefern würde. Bei dieser Gelegenheit dürfte es nicht unangebracht erscheinen, darauf hinzuweisen, dem heutigen Obstbau am Kreuzberg mehr Beachtung zu schenken. Es widert den Obstbaufreund geradezu an, wenn er hier die teilweise verwahrlosten Obstbaumfelder wahrnehmen muss. Die Besitzer dieser Obstbaumfelder bedenken nicht, dass sie nicht nur sich, sondern auch die strebsamen Obstbaumzüchter durch ihre Bequemlichkeit schädigen; denn eine durchgreifende Obstschädlingsbekämpfung kann nur dann zum Erfolg führen, wenn alle Obstbaumbesitzer bei der Schädlingsbekämpfung aktiv werden."

Weiter heißt es dann: "Nun dürfte es noch interessieren, welche Gemeinden unseres Kreises denn früher Weinbau betrieben haben. Hierzu ist zu sagen, dass eine Statistik aus dem Jahr 1836 26 Gemeinden unseres Kreises namhaft macht, in deren Gemarkungen, Weinbau betrieben wurde. Es sind dies, die Gemeinden: Bachem, Beckingen, Besseringen, Bietzen, Brotdorf, Fitten, Büdigen, Dreisbach, Harlingen, Haustadt, Hausbach, Hilbringen, Mechern, Merzig, Menningen, Merchingen, Mettlach, Mondorf, Rimlingen, Silwingen, Wahlen, Wellingen, Weiler, Losheim, Nunkirchen und Dagstuhl. Merziger Weine, die einen besonderen Namen hatten, waren der ‚Daufelser‘ und der ‚Deudentaler‘."

In dieser Aufzählung sind auch Ortschaften aufgeführt, in denen nur auf sehr kleinen Flächen Wein angebaut bzw. nur für kurze Zeit Weinbauversuche unternommen wurden, wie dies untger anderem auch in Orscholz, das damals zum Kreis Saarburg gehörte, der Fall war.

Vor allem der in Beckingen angebaute Wein hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen guten Namen. Hier wurde 1812 auf 12 Morgen und 1816 auf 17 Morgen Weinbau betrieben. Der Weinbau ging hier auf die Deutschherren zurück, die ihn in Beckingen eingeführt und betrieben hatten. Im 19. Jahrhundert wurden Rot- und Weißweine angebaut. Während der Weißwein durchweg der 5. Steuerklasse angehörte, war der Beckinger Rotwein "Meerkatz", der der 4. Steuerklasse zugerechnet wurde, recht begehrt. Er erreichte 1818 bis 1822 den höchsten Preis aller im Kreis Merzig angebauten Weine. Wenn in den Folgejahren auch in Beckingen die Anbaufläche vorübergehend vergrößert worden war, erreichte der Weinbau keine größere wirtschaftliche Bedeutung mehr, sondern diente eher dazu, den eigenen Bedarf zu decken. Überhaupt muss gesagt werden, dass der Weinbau im Kreis Merzig immer nur im Nebenerwerb betrieben wurde.

1830 wurde in Beckingen Wein in den Gemarkungen "Meerkatz", - wobei diese Gemarkung eigentlich nicht zu Beckingen, sondern zu Saarfels gehört, wodurch auch Saarfels im Grunde genommen in der oben zitierten Liste auftauchen müsste - "In der Klaus" und "Im Herrenberg" angebaut. Beim Bahnbau Saarbrücken-Trier musste ein Teil der Weinberge abgetragen werden. Nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam der Weinbau im damaligen Kreis Merzig ganz zum Erliegen. Dies hatte neben der auftretenden Reblaus zum einen seinen Grund in dem nun verstärkt betriebenen Obstanbau. Daneben boten sich den Menschen in der Industrie jetzt deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten

Straßenbau wurde seit Beginn der preußischen Herrschaft große Bedeutung beigemessen

Wie bereits ausgeführt, war der Kreis Merzig ein in erster Linie landwirtschaftlich geprägter Raum. Nach dem Übergang an Preußen waren die neuen Herren jedoch neben einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten natürlich auch an der Fortentwicklung der gewerblichen Wirtschaft interessiert.

Allerdings trat in diesem Zusammenhang deutlich zutage, dass einer positiven Entwicklung in dieser Hinsicht die schlechten Verkehrsverhältnisse in der Region und im Kreis zunächst einmal entgegenstanden. Das Thema Straßenbau und Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, wozu später auch der Bau von Eisenbahnstrecken und der Unterhalt der Saar als Schifffahrtsstraße kam, zieht sich daher durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch.

Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle, dass fast während des gesamten 19. Jahrhunderts im Kreis Merzig noch keine Brücke vorhanden war, die über die Saar führte. Früher, als die Saar bei Merzig noch breiter, aber weniger tief war, konnte man durch Furten von einem Ufer zum anderen gelangen. Deshalb erfolgte der Transport von Gütern und Personen, wenn ein Durchqueren der Furten aufgrund des Wasserstandes nicht möglich war, mit Fähren . Eine erste Brücke über die Saar, die Merzig mit Hilbringen auf der gegenüberliegenden Seite verband, wurde erst 1877/1878 gebaut. Damals schuf man eine Verkehrsanbindung zum Gau und zum lothringischen Hinterland, das infolge des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und der Einverleibung Elsaß-Lothringens in das Deutsche Reich eingegliedert worden war. Für das Passieren dieser Brücke musste bis 1910 ein Brückengeld gezahlt werden. Auch an anderen Stellen wurden, solange noch keine Brücken vorhanden waren, Fähren eingesetzt, mit denen die Saar überquert werden konnte, so zwischen Menningen und Fremersdorf, Besseringen-Ponten und Schwemlingen sowie Mettlach und Keuchingen.

Bereits unter Napoleon waren Dekrete erlassen worden, die zum Ziel hatten, die Verkehrsverhältnisse in unserer Region zu verbessern. Die Pläne der französischen Behörden sahen dabei den Bau von sog. Chausseen vor. Darunter verstand man mit fester Fahrbahndecke versehene Landstraßen, die ingenieurmäßig geplant waren und daher deutlich geradliniger als die zuvor vorhandenen und seit alters her genutzten Verbindungswege verliefen. Die Fahrbahndecken sollten relativ fest sein und aus Kies oder zerschlagenen Steinen bestehen. Die dadurch gegebene Durchlässigkeit der Tragschicht und eine leichte Wölbung der Fahrbahndecke sollten die Entwässerung der Straße sicherstellen, für die oft ein begleitender Entwässerungsgraben, ein sog. Chausseegraben, angelegt wurde. Durch regelmäßige Baumbepflanzungen wollte man sich die Vorteile einer Allee, die zum einen Schutz vor Sonne und Wind bot sowie gleichzeitig eine bessere Orientierung ermöglichte, nutzbar machen.

Allerdings war bis zur preußischen Besitznahme 1816 noch kein einziger Chausseebau im Kreis in Angriff genommen worden, obwohl ein kaiserliches Dekret vom 7. Januar 1813 schon die Strecken, die auf Staats- und Departementskosten auszubauen waren, bestimmt hatte. Auf diesen Planungen und Vorgaben konnte Landrat Werner, von dem man weiß, dass er ein besonderes Augenmerk auf den Wegebau gerichtet hatte, gleich nach seinem Amtsantritt aufbauen. < Wird fortgesetzt.

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