Merzig: GaS-Schüler erlebten Irlands Geschichte hautnah

Merziger Schüler auf Lehrfahrt : Vom Grünen Kreis auf die Grüne Insel

Schüler des Gymnasiums am Stefansberg in Merzig erlebten die wechselvolle Geschichte Irlands auf einer Lehrfahrt hautnah

Tief beeindruckt kehrten 38 Schüler der Klassenstufe zehn des Gymnasiums am Stefansberg (GaS) in Merzig nach einer sechstägigen Lehrfahrt aus Irland zurück. Im Rahmen des bilingualen Politikunterrichtes war diese Intensivlernphase in der Grenzregion zu Nordirland geprägt durch den engen Kontakt und regen Austausch mit Einheimischen. Ziel war es, die Politik und Kultur Irlands besser kennenzulernen.

Bevor es losging, wurde das Thema Irland im Fach Bilinguale Politik, in dem politische Sachverhalte größtenteils in englischer Sprache unterrichtet werden, eingehend bearbeitet. Dadurch sollten die Schüler möglichst genaue Vorkenntnisse mit auf den Weg nehmen. Der Politikunterricht in englischer Sprache wird als Teil des Schwerpunkts Englisch am GaS seit sechs Jahren angeboten. Den Schülern wird damit neben der allgemeinen Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse die Möglichkeit geboten, sich auch zu komplexen, fachspezifischen Themen sicher und kompetent in Englisch äußern zu können.

In Dublin angekommen, wurden die Zehntklässler, begleitet von ihren Lehrern Nadine Schmidt, Martin Dillschneider und Brigitte Stein, von einem engagierten Team der „Academy for International Science and Research“ empfangen und die ganze Woche von Dr Terry McIvor, Zita Bertha und John Guthrie begleitet.

Ein Schwerpunkt des Programms war, wie auch schon in den vorherigen Jahren, die Auseinandersetzung und Bewältigung des Bürgerkriegs in Nordirland, den sogenannten „Troubles“ von den 1960ern bis zum Karfreitagsabkommen 1998. Der intensive Austausch mit Zeitzeugen, die aktiv im Bürgerkrieg beteiligt waren und jetzt Jugendliche für absolute Gewaltfreiheit, Respekt vor dem Anderssein oder Toleranz gegenüber anderen Religionen begeistern wollen, hinterließ auch bei den Schülern des GaS nachhaltigen Eindruck.

Selbst längere Vorträge stießen bei den Schülern auf großen Zuspruch und Mitgefühl, da sie aus erster Hand erfahren konnten, wie in den 70er Jahren Jugendlichen ihren Alters durch den Bürgerkrieg ihre unbeschwerte Jugend genommen wurde und sie unvermittelt in aktive Gewaltsituationen mitgezogen wurden. Respektvoll lauschten die Schüler beispielsweise John McCourt und Anne Walker, ehemaligen aktiven Mitgliedern der IRA, als sie ihre Erlebnisse schilderten oder John Guthrie, einem Protestanten, der von ganz schmerzlichen Erfahrungen erzählte.

Diese früheren Feinde haben es sich nun gemeinsam zum Ziel gesetzt, für ein friedvolles und gewaltfreies Zusammenleben zu werben. Leitsätze wie „The force of argument is stronger than the argument of force“ („Argumentieren ist stärker als Gewalt“) oder „Destroy an enemy by making him your friend“ („Vernichte einen Feind, indem du ihn zu deinem Freund machst“) gehören zu ihren Leitsätzen, mit denen sie seit Jahrzehnten versuchen, die irische Geschichte positiv mitzugestalten. Darüber hinaus wurde auch über die Befürchtungen eines Wiederaufkeimens der Gewalt nach einem Brexit lebendig mit den Schülern diskutiert.

Auf dem Programm standen zudem ein Besuch eines College in der Stadt Letterkenny mit einem Vortrag und Mittagessen in der Schulkantine sowie ein Ausflug in ein Museumsdorf. Dort konnten die Schüler vor allem die Geschichte der „potatoe famines“ (Hungersnöte) und auch noch einmal den Bürgerkrieg virtuell nacherleben.

Neben diesem Bildungsprogramm wurden aber auch Ausflüge in die Natur Irlands organisiert: Der Giant’s Causeway, eine Weltkulturstätte, Dunluce Castle, bekannt als Kulisse aus „Game of Thrones“, der Glenveagh Nationalpark, Malin Head und der Glenevin Waterfall sind Beispiele einer außerordentlich vielfältigen Natur Irlands. Nicht zuletzt machte ein Trip nach Dublin die Reise zu einem Erlebnis, über das alle Teilnehmer noch oft sprechen werden – nicht nur im bilingualen Politikunterricht am heimischen Gymnasium am Stefansberg.

Die Irlandexkursion ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Schulprogrammes geworden. Schließlich hat sie dazu beigetragen, dass sich durch die Zusammenarbeit mit einer Schule aus dem County Donegal ein Erasmus-plus-Projekt entwickelt hat, wie Schulleiter Albert Ehl erklärt. So bleibt die Irlandfahrt auch in sprachlicher Hinsicht eine Bereicherung für das GaS und die 38 Schüler, für die jetzt wieder der normale schulische Alltag begonnen hat.

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