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Meister des modernen Kirchenbaus

Meister des modernen Kirchenbaus

Der Österreicher Clemens Holzmeister hat im vergangenen Jahrhundert vor allem im Kirchenbau zahlreiche außergewöhnliche Gebäude geschaffen. Einige sind auch im Landkreis Merzig-Wadern zu finden. So beispielsweise in Brotdorf und in Merchingen.

Eingebettet zwischen den Wohnhäusern liegt sie, die Merchinger Pfarrkirche St. Agatha. Erbaut 1929 nach den Plänen von Clemens Holzmeister , einem der erfolgreichsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts. Die Kirche, ein Ortszentrum. Das war es, was er wollte. Bodenständig errichtet von Handwerkern und Bauunternehmen aus dem Dorf und der Region. "Für Holzmeister sollte der Bau nicht hervorstechen, er lehnte es ab, daraus ein Prestigeprojekt zu machen", erklärt Christoph Hölz vom Archiv für Baukunst an der Universität Innsbruck.

Hölz ist mit einer Gruppe von 20 Studenten und Professoren unterwegs. Sie besuchen einige der wichtigsten Bauten von Holzmeister. Nach Salzburg, Wien, Ankara und Istanbul hat es sie schon getrieben. Und jetzt auch ins Saarland, nach Merchingen und Brotdorf . In einer Schrift habe der Architekt die Merchinger Kirche als eine seiner wichtigsten Arbeiten beschrieben, begründet Hölz die Wahl zur Besichtigung.

Das Besondere: alles wurde nach dem Krieg wieder so aufgebaut wie ursprünglich.

Das gelang in Brotdorf nicht. Die Pläne zum Bau der Pfarrkirche St. Maria Magdalena stammen ebenfalls von Holzmeister. Im Laufe der Zeit hat sich dort aber vieles geändert. An sein Original erinnern nur noch wenige Merkmale.

Theo Seiwert vom Clemens-Holzmeister-Kreis führte die Gruppe am Mittwoch durch die beiden Kirchen in Brotdorf und Merchingen. "Für die Merchinger Kirche hat sich Holzmeister etwas Spezielles einfallen lassen. Ein Lichtturm sorgt dafür, dass der Altar besonders beleuchtet ist", betont er. Die Kranaten, die während des Zweiten Weltkriegs, in die Kirche einschlugen verwüsteten vieles. Von 1979 bis 1985 gelang es aber, alles wieder aufzubauen.

Dass sich die Gruppe von Innsbruck aus auf den Weg macht, die Bauwerke in der ganzen Welt zu besuchen, hat einen Grund. Clemens Holzmeisters Sohn hat den Nachlass seines Vaters 2012 an das Archiv für Baukunst übergeben. Fotografien, Zeichnungen, Pläne und persönliche Kalender bereichern seitdem die Sammlung des Archivs. Holzmeisters Werk soll jetzt neu präsentiert werden. Vorträge und neue Bücher lassen den Erfolgs-Architekten noch einmal aufleben.

Christian Mak studiert an der Universität Innsbruck Architektur und Kunstgeschichte. Er hat an einem Buch mitgearbeitet, das einen Überblick über die wichtigsten Bauten gibt, an denen Holzmeister beteiligt war. Über 700 sind es insgesamt. "Dass nach der Zerstörung alles wieder so aufgebaut wurde, fasziniert mich an der Merchinger Kirche am meisten", sagt der Student und lässt seinen Blick noch einmal durch die Kirche schweifen. Für ihn und seine Kommilitonen sei es wichtig, nicht nur Bücher zu wälzen, sondern auch die Original-Bauten zu untersuchen, verdeutlicht Hölz. Dazu haben sie im Laufe der nächsten Woche nochmal Gelegenheit. Weiter geht es nach Achen, Düsseldorf, Köln und Mönchengladbach - auf den Spuren des Tiroler Architekten Clemens Holzmeister .

Links: Die Clemens-Holzmeister-Kirche in Brotdorf. Rechts: Auch die Kirche St. Agatha wurde von Holzmeister entworfen. Fotos: red/rup

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Auf einen BlickClemens Holzmeister wurde 1886 in Fulpmes in Österreich geboren. Im Kirchenbau zählt er zu den Begründern einer monumentalen Moderne. Berühmt wurde er mit der Planung und den späteren Erweiterungen des Festspielhauses in Salzburg. In Istanbul und Ankara war er unter anderem für den Bau von Ministerien beauftragt. Internationales Aufsehen erregte er erstmals mit seinem Entwurf für das Krematorium in Wien. Als Lehrer prägte Holzmeister mehrere Generationen von jungen Architekten. Er starb 1983 in Hallein bei Salzburg. hep