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Mehr Schutz für die Wildkatze

Ganz selten zu sehen – die Wildkatze. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Ganz selten zu sehen – die Wildkatze. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa FOTO: Fredrik von Erichsen/dpa
Brotdorf. BUND Saar und FBG Saar-Hochwald haben sich zum Ziel gesetzt, die Wildkatze in ihrem Bestand zu sichern und zu fördern. Klaus Borger (FBG) und Christoph Hassel (BUND) unterzeichneten die Vereinbarung. Nina Drokur

Die Wildkatze (Felis silvestris silvestris) zählt zu den seltensten Säugetieren Europas. Im Saarland, vor allem in den nördlichen Gebieten, hat sich jedoch eine zahlenmäßig verhältnismäßig starke Population erhalten, die es zu bewahren gilt. Daher haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Saar-Hochwald kürzlich im Privatwald Jungenwäldchen eine Vereinbarung zum Schutz der Wildkatze unterzeichnet. Zu Beginn des Treffens stellten die Projektpartner BUND, vertreten durch Christoph Hassel, und FBG, vertreten durch Klaus Borger, die gemeinsame Motivation und die Ziele der beiden Parteien vor. Die FBG, eine Vereinigung privater Waldbesitzer, hat sich nach eigenem Bekunden einer naturnahen und ökologisch nachhaltigen Waldwirtschaft verschrieben und steht Forsteigentümern beratend zur Seite. "Waldbesitzer sollten ein Interesse an einer solchen Bewirtschaftung haben", betont Klaus Borger, Vorsitzender der FBG. "Je naturnaher, je ausgeglichener die Balance, desto ertragreicher ist der Wald."


Die Wildkatze gilt als Indikatorart gesunder Wälder: "Wenn es der Wildkatze gut geht, geht es allen Tieren im Wald gut - außer den Mäusen", sagt Martin Lillig vom BUND Saar. Daher hat sich das Bündnis zum Ziel gesetzt, die Wildkatze in ihrem Bestand zu sichern und zu fördern. Der BUND bietet dabei laut Vereinbarung seine fachliche und beratende Unterstützung an, während die FBG auch praktisch tätig werden will. Es gilt unter anderem, die Lebensgrundlagen für die Waldbewohner zu verbessern. Für die Waldbesitzer sind Nadelhölzer zwar ertragreicher, weil sie schneller wachsen. Tiere, allen vorweg die Wildkatze, bevorzugen aber Laubwälder. Deshalb wird ein gesunder Mischwald angestrebt. "Außerdem gilt", sagt Borger, "weniger ist manchmal mehr. Früher hat man umgekippte Bäume wieder aufgestellt, weil es schöner aussieht. Die Wurzeln bieten aber Lebensräume für Tiere und Schutz vor Feinden." Gleiches gelte für Restholzhaufen. Aber nicht nur die Wälder seien wichtig für Waldtiere wie die Wildkatze. In Wildwiesen fänden die Raubkatzen Futter, hauptsächlich Mäuse oder seltener Kaninchen.

Deshalb sind auch die naturnahe Bewirtschaftung von Wildwiesen und die Entwicklung von Waldrändern Teil der Vereinbarung.



Bereits seit 2010 gibt es gemeinschaftliche Projekte zwischen BUND und FBG, wie etwa jenes über neue Erstnachweise der Katze durch das Lockstock-Verfahren. Dabei werden Lockstöcke aufgestellt und die daran gefundenen Haare genetisch ausgewertet (mehr dazu im separaten Text). "Die gewonnenen Daten werden auch vom saarländischen Umweltministerium genutzt", ergänzt Dr. Andreas Bettinger vom Zentrum für Biodokumentation.

Mit der formalen Unterzeichnung der Vereinbarung durch Klaus Borger und Christoph Hassel schloss das Treffen. Die Übereinkunft soll nach Darstellung der Projektpartner auch Ausdruck dafür sein, dass sich Naturschutz und naturnahe Landnutzung nicht ausschließen. "Die Waldwirtschaft wird durch das Projekt weder erschwert noch eingeschränkt", betont Borger. "Eine Wildkatze zu sehen, ist wie ein Sechser im Lotto", sagt Martin Lillig vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Saar. Und darin liegt das Problem: "Die Wildkatze zählt zu den seltensten Säugetieren Europas. Doch im Nord-Saarland und auch hier im Kreis Merzig-Wadern hat sich eine verhältnismäßig reiche Population erhalten", betont Lillig. Diese Populationen seien jedoch im Saarland wie auch im Rest Deutschlands auf kleine, isolierte Gebiete verteilt. Lillig: "Der Grund: Straßen, Siedlungen und ausgeräumte Ackerflächen durchschneiden die Lebensräume der Wildkatze, ebenso wie vieler anderer Tiere." Diese Biotope miteinander zu vernetzen, sei daher ein wichtiges Ziel der Zusammenarbeit von BUND und der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Saar-Hochwald.

Warum sollten sich Waldbesitzer überhaupt darum scheren, ob in ihrem Forst Wildkatzen streunen? Klaus Borger, FBG Saar-Hochwald, erläutert: "Die Wildkatze ist ein Anzeichen dafür, dass ein Wald gesund, artenreich und nachhaltig bewirtschaftet ist."

Wildkatzen sind äußerst scheu, wie Lillig erklärt: "Sie halten sich in einem Wald nur dann auf, wenn sie ausreichend Deckungs- und Versteckmöglichkeiten vorfindet." Ideal seien dazu etwa Restholzhaufen oder umgeworfene Baumstümpfe. Viele Waldbesitzer würden eben diese jedoch oft entfernen, auch der Schönheit wegen. Die FBG wolle daher den Waldbesitzern vermitteln, wie sie ihren Wald für die Wildkatze heimelig machen können und damit sowohl sich selbst als auch den Tieren helfen. Dazu ist laut Lillig auch der Baumbestand wichtig: "Wildkatzen meiden Nadelwälder weitgehend. Misch- und Laubwälder hingegen bieten den Tieren die Versteckmöglichkeiten, die sie zum Ruhen und zum Schutz der Jungen vor Fuchs, Marder und Wildschwein brauchen."

Die Scheu der Katze vor dem Menschen ist laut Lillig der Grund, warum es so schwierig ist, ihre Anwesenheit nachzuweisen. "Die verlässlichste Methode: Man stellt einen Stock im Wald auf, der mit Baldrian besprüht wurde", schildert er. Das Kraut ziehe Katzen geradezu magisch an. "Die Tiere reiben sich wie verrückt an dem Stock, so dass deren Haare daran hängen bleiben." Diese würden dann gesammelt und genetisch untersucht. Die Lockstock-Methode wurde auch im Jungenwald angewandt. "Dort standen zwei der insgesamt 50 Lockstöcke, die wir 2011 bis 2012 in dem Viereck zwischen Fremersdorf und Dreisbach, östlich bis Mitlosheim und zum Litermont gesetzt hatten", erzählt Lillig. An beiden sei die Wildkatze nachgewiesen worden, im Jungenwald insgesamt drei Exemplare. "In diesem Wald fühlen sie sich also offensichtlich recht wohl", schlussfolgert Lillig.

Langfristiges Ziel ist nach Angaben des BUND ein bundesweiter Waldverbund von 20 000 Kilometern. "Davon profitieren nicht nur die Wildkatzen, sondern viele andere Waldtiere und Pflanzenarten", betont Lillig. Der Biotopverbund sei notwendig, um einer genetischen Verarmung in isolierten Bereichen vorzubeugen oder entgegenzuwirken. Wie Lillig weiter ausführt, gibt es in Deutschland zwei verschiedene Populationen: "Die westdeutschen (Hunsrück-Hochwald, Eifel, Pfälzerwald) unterscheiden sich deutlich von den mitteldeutschen (Nordhessen, Harz, Thüringen). Das hat uns schon ein wenig überrascht", gesteht der BUND-Mitarbeiter.

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hintergrund Ein Problem beim Schutz der Wildkatze ist die Ähnlichkeit zwischen Wild- und Hauskatze. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal ist der buschige, geringelte Schwanz der Wildkatze. Deren Nase ist im Gegensatz zur Hauskatze außerdem immer rosa. Die Ähnlichkeit zwischen den beiden Katzenarten ist so frappierend, dass sie sogar für Jäger auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden sind. Daher darf auf Katzen mittlerweile nicht mehr geschossen werden. mtn

Unterzeichnung: Klaus Borger (l.) und Christoph Hassel Foto: BUND
Unterzeichnung: Klaus Borger (l.) und Christoph Hassel Foto: BUND FOTO: BUND