Marcus Hoffeld spricht im Interview über Projekt mit HTW zu Harlingen

Marcus Hoffeld im Interview : „Das Verfahren und die Arbeiten sollen als Inspiration dienen“

Merzigs Bürgermeister spricht über das Projekt zur Gestaltung der Ortsmitte von Harlingen, das mit Studenten der HTW durchgeführt wurde. Die Ergebnisse werden am heutigen Montag, 21. Oktober, um 18 Uhr im Bürgerhaus in Harlingen präsentiert.

Herr Hoffeld, wie und wann kam die Idee zustande, zusammen mit den Studierenden der Schule für Architektur der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) ein Entwicklungskonzept für Harlingen zu erstellen?

HOFFELD Viele ländlich geprägte Stadtteile haben aufgrund der demografischen Entwicklung mit zunehmenden städtebaulichen Problemen, wie zum Beispiel dem zunehmenden privaten Gebäudeleerstand, insbesondere in den Ortskernen, zu kämpfen. Die Kreisstadt Merzig hat mit einem Konzept zur Stärkung der Stadtteile, welches bereits im Mai durch den Stadtrat beschlossen wurde, hierauf reagiert. Die in diesem Konzept formulierten Handlungsempfehlungen sollen nunmehr nach und nach angegangen werden. Durch unsere sehr gute Zusammenarbeit mit der HTW Saar sind wir mit Professorin Eve Hartnack von der Schule für Architektur der HTW Saar ins Gespräch gekommen. Wir haben überlegt, ein gemeinsames städtebauliches Projekt zur Dorfentwicklung im Rahmen einer Semesterarbeit durchzuführen. Erste konkrete Gespräche fanden bereits zu Beginn des Jahres statt.

Wieso hat die Stadt sich dazu entschieden, für Harlingen ein Projekt mit Studierenden anzugehen und nicht, wie bei dem Gestaltungskonzept für den Gustav-Regler-Platz oder der Dorfentwicklung für Besseringen, mit Stadtplanern?

HOFFELD Sowohl der Gustav-Regler-Platz wie auch die Dorfentwicklung Besseringen sind hochkomplexe Themen, zu deren Bearbeitung weiteres, interdisziplinäres Fachwissen unbedingt von Nöten ist. Hier seien nur beispielhaft das Themenfeld Hochwasserschutz im Bereich des Seffersbachs oder die enge Verzahnung von Verkehrsplanung und Stadtplanung in Besseringen zu nennen. Dieses Fachwissen konnte von Studenten des angesprochenen Semesters aus dem Fachbereich Architektur nicht abverlangt werden. Für Harlingen ist die Ausgangslage klarer zu fassen und auch vom Umfang her für den Ausbildungsstand der Studenten passender. Daher hat sich die Frage nach einer zukünftigen Entwicklung der Ortsmitte von Harlingen angeboten, um im Rahmen einer Semesterarbeit Lösungsvorschläge entwickeln zu lassen.

Wie lautete die Aufgabenstellung an die Studierenden?

HOFFELD Die Studierenden sollten eine grundsätzliche Neugestaltung der Ortsmitte und Maßnahmen der baukulturellen Aufwertung planen. Die Projektarbeit sollte sich dabei der Platzgestaltung, den umgebenden Straßen und Häusern sowie insbesondere auch möglichen noch zu errichtenden Gebäuden widmen, um die Ortsmitte neu zu formen. Zu erarbeiten war die Neukonfiguration eines Platzes, mögliche Umplanungen von Bestandsgebäuden und die Errichtung neuer Gebäude. Betrachtet werden sollte auch der Straßenraum, hier besonders die Übergangsbereiche zwischen öffentlichem und privatem Raum hinsichtlich Materialwahl, Farbgebung und Außenmöblierung. Es wurden ganz bewusst keine zu engen Schranken bei dem Umgang mit privater Bausubstanz gesetzt. Die Studenten sollten sich der Aufgabenstellung spielerisch und kreativ nähern.

Inwieweit war die Stadt in die Pläne der Studierenden involviert und hat diese unterstützt?

HOFFELD Die Stadt hat sämtliches, erforderliches Kartenmaterial sowie sonstiges Informationsmaterial zur Bearbeitung der Aufgabenstellung geliefert und seitens des Fachbereichs Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt auch im Rahmen der Zwischenpräsentationen fachlichen Input gegeben. Die Zusammenarbeit mit Frau Professorin Hartnack und ihren Mitarbeitern sowie den Studenten war außerordentlich positiv und fruchtbar, ebenso wie die intensive Mitarbeit und Unterstützung des Ortsrates Harlingen und Bürgern vor Ort.

Welche Kosten sind für die Kreisstadt bei dem Projekt mit der HTW entstanden?

HOFFELD Der Kreisstadt Merzig sind grundsätzlich keine Kosten entstanden. Es wurde lediglich ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 600 Euro als Anerkennung für drei prämierte Arbeiten ausgelobt. Die Preisträger wurden gemeinsam mit dem Ortsvorsteher und weiteren Harlinger Bürgern ausgewählt.

Was erhoffen Sie sich von dem Ergebnis der Abschlussarbeiten?

HOFFELD Das Verfahren und die Arbeiten sollen als Inspiration und Diskussionsgrundlage für die weiteren formalen Schritte zur Erstellung eines Dorfentwicklungskonzeptes „Ortsmitte Harlingen“ dienen und die Bevölkerung bereits frühzeitig für die anstehende Aufgabe sensibilisieren.

Wie sieht danach das weitere Vorgehen aus?

HOFFELD Für Maßnahmen der Dorfentwicklung ist die Erstellung eines Dorfentwicklungskonzeptes notwendig, um Fördermittel des Landes zu akquirieren. Dazu sind formale Vorgaben einzuhalten und zwingend eine umfassende Bürgerbeteiligung durchzuführen. Dieses Verfahren ist analog zum Verfahren in Besseringen. Die Arbeiten der Studenten können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten und sind in Teilbereichen auch dazu geeignet, in die Konzeption übernommen zu werden.

Können Sie sich vorstellen, aus diesem Pilotprojekt ein Modell zu entwickeln?

HOFFELD Ziel solcher Studienprojekte ist das modellhafte Heranführen der Studenten an komplexe Fragestellungen und das unmittelbare Auseinandersetzen mit den Bürgern vor Ort. Solche Kooperationen mit Hochschulen sind bei solchen Fragestellungen ein sinnvolles Element, um erste Ideen zur Entwicklung eines Siedlungsraums zu erarbeiten. Da der Wettbewerb aus unserer Sicht sehr gut lief und auch die Zusammenarbeit mit Frau Professorin Hartnack und dem gesamten Team der HTW Saar äußerst positiv ist, wollen wir weitere gemeinsame Projekte angehen.