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Lisa Fell erhält Wissenschaftspreis

Lisa Fell erhält Wissenschaftspreis

In seiner Ausbildung trennte Doktor Georg Haas per Labordialyse chemische Substanzen. Daraus entwickelte er die erste Dialyse. Nach ihm ist der Preis benannt, der an wissenschaftlichen Nachwuchs verliehen wird.

Die aus Merchingen stammende Doktorandin Lisa Fell hat den Georg-Haas-Preis 2015 vom Verband Deutsche Nierenzentren (DN) erhalten. Verliehen hat der Fachärzte-Verband den Preis vor kurzem auf seinem Nephrologischen Jahresgespräch in Mannheim. Die Saarländerin Lisa Fell wurde ausgezeichnet für ihre Dissertationsarbeit über die Wirkung intravenöser Eisenpräparate auf das Immunsystem .

"Dialyse-Patienten leiden oft an Eisenmangel", erläutert die Preisträgerin. Da der Magen ihren Worten nach Eisen nur in geringen Mengen aufnehmen könne, werde der Stoff bei einem größeren Defizit intravenös verabreicht, sprich: gespritzt. "Wir haben uns daher in den vergangenen drei Jahren der Untersuchung von intravenösen Eisenpräparaten gewidmet", resümiert die Doktorandin. Das neue dabei: "Wir haben nicht nur ein Präparat, sondern mehrere, in ihrer Zusammensetzung sehr unterschiedliche Mittel untersucht." Ziel war, so Fell, deren Wirkung auf das Immunsystem festzustellen.

Das Ergebnis ihrer Untersuchungen: Die Eisenaufnahme bleibt zwar bei allen Medikamenten gleich, der Einfluss auf die Immunabwehr war jedoch sehr verschieden. Fell: "Stabile Eisenpräparate beeinflussen das Immunsystem kaum. Instabile, reaktionsfreudige Mittel hingegen führten zu einer wesentlich heftigeren Reaktion. Das Immunsystem eines Patienten könnten solche Injektionen also stärker belasten."

Was haben Ärzte und Patienten nun von dieser Erkenntnis? "Durch die Ergebnisse der Arbeit sind die verschiedenen Eisenpräparate jetzt besser charakterisiert und die Nebenwirkungen genauer bekannt", erklärt Dr. Michael Daschner, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Nierenzenten. Er gibt ein konkretes Beispiel: "Hat ein Patient etwa ein sehr schwaches Immunsystem , würde das falsche Präparat seinen Körper noch weiter belasten. Dank der Untersuchungen unserer Preisträgerin kann der behandelnde Arzt in diesem Fall ein eher immun-neutrales Medikament verschreiben."

Fell wartet derzeit noch auf die Verleihung ihres Doktortitels. "Ich muss mich gedulden, bis mir ein Termin für die mündliche Vetteidigung zugeteilt wird", schildert sie.

Ihre Arbeit hat sie längst abgegeben, und sie ist sich sicher, dass sie den Doktor der Naturwissenschaften letzten Endes auch bekommt. "Ich kenne niemanden, der, nachdem er soweit gekommen ist, an der Verteidigung des Titels scheitert", zeigt sich die junge Wissenschaftlerin zuversichtlich. Nach dem Mediziner und Wissenschaftler Dr. Georg Haas (1886-1971) ist der Preis benannt, den der Verband Deutsche Nierenzentren, der Fachverband der Ärzte für Hochdruck- und Nierenkrankheiten in Deutschland, jährlich verleiht. Der mit 2600 Euro dotierte Preis soll den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern. Haas gelang 1924 weltweit die erste Dialyse (Reinigung des Blutes) außerhalb des Körpers. Diese "Blutwäsche ", wie Haas sie nannte, dauerte nur 15 Minuten, verlief jedoch ohne Komplikationen. Der Arzt entwickelte seine Technik von 1925 bis 1928 noch weiter. Heute werden in Deutschland nahezu alle Dialyse-Patienten mit dieser Methode behandelt. Auch weltweit ist sie das Standardverfahren. Die Idee zur Blutwäsche kam Haas aufgrund seiner Erfahrungen im Ersten Weltkrieg. Er sah viele Soldaten an Nierenversagen sterben, ohne dass er ihnen helfen konnte. Seine Diagnose: Selbstvergiftung. Haas erinnerte sich an die Labordialyse, mit deren Hilfe er während seiner Ausbildung in Straßburg chemische Substanzen aus Lösungen getrennt hatte. Auf ähnliche Weise wollte er nun die Gifte aus dem Blut der Patienten entfernen. Dazu benutzte er ein selbst entwickeltes Kabinensystem aus 16 Schläuchen und acht Glasbehältern. Damit das Blut während der Dialyse nicht gerinnt, wurde damals zunächst noch Hirudin verabreicht. Dieser Stoff wird aus Blutegeln gewonnen, ist jedoch giftig. Haas gelang ein weiterer Meilenstein in der Medizin, als er 1927 erstmals Heparin für die Dialyse einsetzte. Ein Stoff, der noch heute für die gleiche Behandlungsmethode verwendet wird.

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Zur personLisa Fell stammt aus Merchingen, sie ist Jahrgang 1987. 2006 bestand sie ihr Abitur am Peter-Wust-Gymnasium Merzig. Von 2006 bis 2010 studierte sie Lebensmitteltechnik an der Fachhochschule Trier , von 2010 bis 2012 Molekulare Ernährungswissenschaften an der Universität Hohenheim . Ihr Promotionsstudium zum Doktor der Naturwissenschaften absolvierte sie von 2012 bis 2015 an der Saar-Universität. 2010 bis 2012 war sie zudem wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Trier und am Universitätsklinikum in Homburg. Von 2012 bis 2015 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Uniklinikum. Zum Thema der Eisenpräparate hat Lisa Fell Vorträge auf Kongressen, unter anderem in Homburg, St. Wendel, München, Berlin und London, gehalten. mtn