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Serie: Merzig-Wadern rockt: Letter from Life haben ein Faible für Tabus

Serie: Merzig-Wadern rockt : Letter from Life haben ein Faible für Tabus

Was sonst verschwiegen wird, kommt bei der Band Letter from Life aus Hilbringen meist recht schonungslos auf den Tisch.

Gitarrist war Marco Schumacher, 23 Jahre alt, aus Bachem nicht immer. Mit Keyboard-Unterricht hat er angefangen, nahm dann Schlagzeug-Stunden und probierte sich am Bass aus, um erst dann bei der Gitarre anzukommen und zu bleiben. Das musikalische Wissen, das er sich beim Kramen durch diese Instrumentenkiste angeeignet hat, braucht er nun, um das Grundgerüst der Lieder für Letter from Life zu schreiben.

Diese spielt er dann Sängerin Maria Müller aus Merzig zu, die in einem Moment der Inspiration die passenden Texte schreibt. In denen geht es darum, Aufmerksamkeit für Tabu-Themen zu erzeugen. Depression ist ein solch heikles Thema. Es beschäftigt viele Menschen, und darüber will die Band erzählen. „Es geht vor allem darum zu vermitteln, dass man da wieder rauskommt“, sagt die 22-jährige Sängerin, die an Depressionen litt. Dabei habe sie gemerkt, dass viele Leute Ähnliches durchmachen, das Thema aber nicht in der Gesellschaft präsent sei. „Es ist aber da“, betont Maria. Es geht ihr nicht nur darum, auf die Krankheit aufmerksam zu machen, sondern Wege aufzuzeigen, wie man eine Depression bekämpfen kann. Ihre Lieder schreibt sie auf Englisch. Erstens: damit sie die ganze Welt versteht, und zweitens sagt sie: „Ich kann in den englischen Texten ein anderer Mensch sein und trotzdem wissen, was sie bedeuten.“

Marias Texte und Marcos Grundgerüst der Notenkomposition kommen dann im Proberaum an, wo der 24-jährige Thomas Gasper aus Losheim mit der zweiten Gitarre wartet. Ihn hat Marco kennengelernt, als sie bei ihrer gemeinsamen Firmung in der Kirche zusammen Musik gemacht haben. Maria und den 24-jährigen Bassisten Felix Scherhag aus Hilbringen lernte Marco in der Schule kennen. Schlagzeuger Alessandro Alaimo aus Bachem, ist 23 Jahre alt und Marcos Cousin. Sie machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik.

Auch Alessandro hatte vor dem Schlagzeug schon die Gitarre entdeckt. Felix war früher Schlagzeuger und hatte in der ersten Bandprobe zum ersten Mal einen Bass in der Hand. Sie brauchten eben einen Bassisten und keinen Schlagzeuger. Da er auch Klavier und Gitarre spielt, und die Schlagzeug-Erfahrung ihn Taktgefühl gelehrt hat, war das kein Problem. „Ich war ganz froh, dass es so kam, denn ich springe gerne mal auf der Bühne rum, als Drummer geht das nicht“, sagt Felix. Nebenbei sei er als DJ unterwegs.

Seit März 2015 treten sie als Letter from Life in dieser Konstellation auf. Zusätzlich spielt Marco bei den Aufnahmen einiger Lieder auch Klavier, die elektronischen Einflüsse kommen von Marias Synthesizer. Das kann man sich im Falle von „Burning Candles“ auf Youtube anhören. „Generation Of Empty Souls“, das sie als erstes im Su2-Studio von Phil Hillen in Saarwellingen aufgenommen haben, ist ein persönliches Lied über Maria. Es repräsentiert ihren Weg, der nicht immer einfach war. Sie singt darin: „Ich war so unschuldig und süß und hatte viele Freunde.“ Sie wolle damit verdeutlichen, dass jedem so etwas passieren könne, auch wenn alles andere normal verläuft. „Ich erzähle darin, wie das auf einen einschlagen kann, ohne dass man es kommen sieht.“

Als sie zum zweiten Mal nach Saarwellingen ins Tonstudio gingen, haben sie gleich zwei Lieder aufgenommen. „Miles To Go“ ist noch nicht erschienen und bedeutet für Maria pure Freiheit. Sie schließt damit ihre Geschichte ab, sagt aber gleichzeitig, dass es noch ein weiter Lebensweg ist. „Aber man kann es schaffen“, zitiert sich Maria selbst. Es ginge dabei viel um Selbstliebe und Selbstvertrauen. Der zweite Song „Burning Candles“ stellt einen Dialog zwischen zwei Lagern von Menschen dar. Und zwar diejenigen, die an einer psychischen Krankheit leiden, und die, die mit Betroffenen leben und sie lieben. „Ich wollte darin beide Seiten erklären, denn beide sind sehr schwierig zu verstehen“, sagt Maria.

20 eigene Songs sind es nun an der Zahl. Doch oft schreibe die Band auch Songs, die sie danach nicht mehr spielen wolle, meint die Sängerin. Die Musiker filtern die Lieder gemeinsam und wollen gerne noch mehr Aufnahmen machen. Die müssen jedoch perfekt sein. Da ist sich die Band einig. Ein Beispiel dafür ist ihr neustes Lied „Drowning Alive“. „Das ist unser aller Lieblingssong“, sagt Maria stellvertretend für die Gruppe. Sie erklärt es sei die Beschreibung des Gefühls, dass man nicht richtig lebt. „Es fühlt sich an, als sei man in Watte gepackt, oder eben unter Wasser. Alle um einen herum nehmen am Leben teil, doch man selbst kommt nicht mehr hoch.“

Diese schweren Themen wurden, obwohl niemand außer Maria in der Band je betroffen war, zum Markenzeichen von Letter from Life. Sie tragen meist Schwarz-Weiß und das ist ihr Logo auch. Eine weiße EKG-Linie auf schwarzem Untergrund – ein Herzschlag. Auch im Privaten beschäftigt sich Maria noch viel mit ihrer Vergangenheit, wodurch sie offen geworden ist. „Das ist die wichtigste Hilfe, die ich geben kann: Ich spreche offen, auch mit Fremden darüber“, sagt Maria. Mit ihrer Freundin, der Fotografin der Band, Cara Wiemann, ist sie darum gerade dabei, einen Kurzfilm zum Thema zu drehen.

Der Inhalt ist wichtig, aber was verbirgt sich musikalisch hinter Marias Texten? Die größten Einflüsse der Band kommen aus Punk, Alternative Rock, Classic Rock und Indie. Aber auch elektronische Einflüsse sind in der Mischung zu finden. Sie selbst hören die Musik von Queen, Blink 182, Jennifer Rostock, Kraftklub oder Paramore. Doch Vorbilder hat zumindest Maria keine: „Ich wollte nie sein wie irgend jemand. Ich wollte immer nur ich selbst sein, das ist schon schwer genug.“

Zu sehen gab es die Band in der Vergangenheit im Juz Utopia in Saarlouis, in Saarbrücken im Synop, auf der Rockwiese und auf dem Saarklang-Festival oder in Zweibrücken in der Ach-Eventhalle. Auch außerhalb des Saarlandes haben sie schon gespielt. Zum Beispiel bei den Uni-Sommerfestivals in Mainz und Koblenz. Doch die waschechte Merziger Gruppe ist natürlich auch schon in den diversen Jugendzentren unseres Landkreises aufgetreten und wird es auch weiter tun.

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