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Leserbrief
Lebensqualität beeinträchtigt

Zu: „Nachhaltigkeit statt leerer Fenster“, SZ vom 8. Oktober.

So lobenswert die Aktion der Stadtverwaltung auch sein mag, Leerstände in sinnvoller Weise zu nutzen, so täuscht sie doch nur darüber hinweg, dass in Merzig ein Überangebot an Verkaufsflächen besteht. Selbst gute und originelle Aktionen des Handels locken nur noch bedingt Kunden in die Stadt. Die Leerstände betreffen nicht nur Ladenlokale, sondern auch Büroflächen und teuren Wohnraum.


Umso befremdlicher mutet es deshalb an, dass Verwaltung und Teile des Stadtrates weiterhin am Bau eines 15 Meter hohen Wohn- und Geschäftshauses am Seffersbach festhalten, der das Angebot an eben diesen Flächen noch vergrößern würde.

Für dieses Bauvorhaben gibt es kein vernünftiges Argument, im Gegenteil: Es werden nachweislich in eklatanter Weise alle modernen gesellschaftlichen und ökologischen Erkenntnisse missachtet.



Eine Großbaustelle von ca. 5000 Quadratmetern in der Innenstadt und im Risiko-Hochwasserbereich würde Merzig nicht nur einige Jahre durch Lärm, Schmutz, massive Verkehrsbehinderungen und stark eingeschränkte Parkmöglichkeiten ins Chaos stürzen, sondern auch die Lebensqualität aller Merziger Bürger extrem beeinträchtigen. Es ist anzunehmen, dass bis zur Fertigstellung auch der letzte kauf- und konsumwillige Kunde der Stadt längst den Rücken zugekehrt hat. Vor diesem Hintergrund sollten sich jene, die rücksichtslos die Interessen von Bürgern und Umweltschutz mit Füßen treten, überlegen, wie glaubwürdig die Aktion „Schaufenster zur Nachhaltigkeit“ tatsächlich ist.

Ulrike Scholtes, Merzig