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Leserbrief
Merzig hat eine Chance vertan

Zu: „Apfelbäume sprießen auf Gesundheitscampus“, SZ vom 16. Oktober

„So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ – dieser Ausspruch frei nach Martin Luther steht bis heute sinnbildlich für die Hoffnung, die man auch in schwierigen Zeiten nie aufgeben sollte. Die Menschen im Hochwaldraum, in deren Familien ein geistig beeinträchtigtes Kind lebt, hoffen leider vielfach weiterhin vergeblich auf eine wohnortnahe stationäre Unterbringungsmöglichkeit oder zumindest auf Kurzzeitpflege. Dabei hatte der Schwesternverband in Merzig die Errichtung eines Wohnheims mit 24 Unterbringungsplätzen geplant und eingeleitet. Leider scheiterte dieses Vorhaben an den Kosten für eine Lärmschutzwand, die von der Deutschen Bahn errichtet werden sollte. Da diese jedoch ihre Zusage zurücknahm, scheiterte das Vorhaben sang- und klanglos. Von Seiten der Lokalpolitik kam offensichtlich ebenfalls keine Unterstützung dafür. Ein Anruf in der Bürgersprechstunde der Sozialministerin brachte immerhin das Versprechen, sich „kundig machen“ zu wollen. Das Wohnheim wird nun im Saarlouiser Raum gebaut. Eine Riesenchance für Merzig verpasst! Für unsere geistig beeinträchtigten Mitmenschen, die leider nicht in der Lage sind, ihren Alltag Im Rahmen des betreuten Wohnens, wie es die Lebenshilfe anbietet, zu meistern, ist wohl kein Platz auf dem Merziger Gesundheitscampus. Die nun gepflanzten Apfelbäumchen ermahnen uns vielleicht, die Hoffnung auf eine moderne, wohnortnahe Heimunterbringung für Menschen mit besonderen Beeinträchtigungen doch nicht ganz aufzugeben, denn diese stirbt ja bekanntlich zuletzt!


Ruth Angel-Paquet, Losheim am See