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Wolfstrail
Laufen, wo die Wölfe heulen

Start und Ziel des Wolfstrails waren am Garten der Sinne.
Start und Ziel des Wolfstrails waren am Garten der Sinne. FOTO: Axel Künkeler
Merzig. Beim 5. Merziger Wolfstrail machten mehr als 100 Läuferinnen und Läufer auf zwei Strecken mit. Von Axel Künkeler

Der Wolfstrail rund um das Merziger Wolfsgehege feierte am Sonntag ein erstes kleines Jubiläum. Bereits zum fünften Mal wurde er vom Leichtathletik-Verein (LV) Merzig ausgerichtet. Mit 106 Leuten im Ziel am Garten der Sinne lag die Zahl „im üblichen Rahmen“, wie der LV-Vorsitzende und Organisationschef Ralf Holbach bestätigte.


Rund um den seit 40 Jahren bestehenden Wolfspark in Merzig führt eine Traumschleife: der Wolfsweg, einer der zahlreichen Premium-Wanderwege im Saarland. Die Strecke bietet beste Voraussetzungen für die zunehmend beliebtere Laufsport-Variante des Trail-Running. Gelaufen wird dabei vorwiegend auf schmalen Pfaden und weniger auf breiten Forstwegen, die von den Trail-Läufern gerne als „Wald-Autobahnen“ belächelt werden.

Der LV Merzig hat diesen Trend schon 2014 aufgegriffen. Seitdem lockt der Wolfstrail short auf einer kürzeren Strecke von 13 Kilometern und seit drei Jahren als Wolfstrail long (24 km) die Trail- und Naturliebhaber in die Kreisstadt. Aus dem ganzen Saarland und den angrenzenden Regionen kommen die Teilnehmer. Erstmals dabei ist David Glöckner aus dem hessischen Bad Orb, der zum 60. Geburtstag seines Schwiegervaters im Saarland weilt. Glöckner ist gleich begeistert: „Ein geiler Lauf, aber tierisch anstrengend.“ Der Hesse wurde Gesamtzweiter über 13 Kilometer hinter Lokalmatador Christian Zimmer.



Der 38-jährige Merziger ist bereits zum vierten Mal dabei, wurde zweimal Zweiter und jetzt ebenfalls zum zweiten Mal Sieger. Damit gewinnt er auch die Merziger Stadtmeisterschaft, obwohl es für ihn nur „ein zügiger Trainingslauf“ war. Nach einem Ultra-Marathon an der Zugspitze ist Zimmer noch in der Regeneration. Ohnehin hat die Kurzstrecke, wie bei vielen Laufveranstaltungen in ganz Deutschland zu beobachten, die meisten Teilnehmer. Insgesamt 68, davon 25 Frauen verzeichnen die Ergebnislisten. Josie Bruns-Peifer wurde Stadtmeisterin der Frauen.

Beim Wolfstrail long über 24 Kilometer sind es 38 Finisher, 27 Männer und elf Frauen. Hier gewinnt mit der Losheimerin Silke Mertes, die für den Merziger Sport- und Freizeitverein an den Start geht, ebenfalls eine Lokalmatadorin. Bei ihrem dritten Start und einem zweiten Platz vor zwei Jahren gelingt ihr diesmal der erste Sieg. „Es war hart wie immer“, sagt die 43-Jährige im Ziel. Besonders der letzte Abschnitt mit den steilen Treppen sei extrem gewesen. Aber „es ist eine super schöne Strecke“, lobt sie die Veranstaltung des LV Merzig.

Zum ersten Mal dabei sind die Zweit- und Drittplatzierten Ulrike Mathis aus Blieskastel und Sandra Hartz aus Mandelbachtal, die gemeinsam in Ziel laufen. „Für die kurze Strecke fahre ich nicht so weit“, sagt die die 55-jährige Mathis. Sie laufe „tiefenentspannt“, wolle jeden Lauf-Kilometer genießen. „Sehr einsam, aber trotzdem schön“ war es für den Gesamtsieger bei den Männern. Der Saarbrücker Timo Schmidt ist zum dritten Mal auf der Langstrecke unterwegs und gewinnt zum dritten Mal. Diesmal mit gut zwanzig Minuten Vorsprung. Für den 45-Jährigen war es ein Trainingslauf in der Vorbereitung auf den Berlin-Marathon. Dort will er im Herbst seine persönliche Marathon-Bestzeit (2:46:17) knacken, gibt eine Zeit von 2:45 Stunden als „Minimalziel“ an.

Am liebsten mag Timo Schmidt jedoch Landschaftsläufe wie den Merziger Wolfstrail. Da ist er mitten in der Natur auf herausfordernden Strecken unterwegs. Vom Garten der Sinne geht es schon nach wenigen Metern Schotter und Asphalt weiter auf Wiesen- und Waldwege. Zunächst noch überwiegend bergab, doch nach vier Kilometern ist im Bereich des Wolfsparks der tiefste Punkt erreicht. In der Ferne hört man das Heulen der Wölfe. Vorbei an den Wolfs-Gehegen kommen nun die ersten knackigen Steigungen. Da wird die Laufstrecke für manche zur Fußgängerzone getreu dem Motto: „Lauf so lange es geht, und geh’ bis es wieder läuft.“ Doch nicht nur Kondition ist gefragt, auch Konzentration und koordinative Fähigkeiten, um nicht zu stolpern. Auf meist schmalen Pfaden geht es im wahrsten Sinne des Wortes „über Stock und Stein“, über Baumwurzeln und Treppenstufen auf und ab.

Bei Kilometer sieben kommt die Streckenteilung, geht’s auf der Kurzstrecke wieder zurück Richtung Ziel. Zunächst rasant bergab, doch es folgen noch etliche Gegenanstiege. Auf 330 Höhenmeter bringen es die Läufer und Läuferinnen nach dreizehn Kilometern. Rund 600 Höhenmeter sind sogar beim Wolfstrail long zu bewältigen. Obwohl es für die meisten ganz schön anstrengend ist, finden die Läufer und Läuferinnen ideale Bedingungen vor. Vom Veranstalter bestens ausgeschildert, sind die Wege trocken und gut zu laufen. Zwar mit Stolpergefahr, aber ohne Rutschgefahr. Das Wetter spielt ebenfalls mit, Sonne und Wolken sowie Läufer-freundliche Temperaturen knapp unter zwanzig Grad. Passend zum Jubiläum.