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Kupferbergwerk zog viele Zuwanderer in die Region

Kupferbergwerk zog viele Zuwanderer in die Region

Kein Thema bewegt in diesen Tagen die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In diesem Beitrag soll die Zuwanderung in die Merziger Region während der letzten 200 Jahre als eine Geschichte der auf vielfache Weise stattgefundenen Begegnung mit dem Fremden dargestellt werden.

Für die Merziger Region sollte sich als ein Segen erweisen, dass Jean-François Boch sich hier niederließ. Seit einem Zeitraum von mehr als 200 Jahren gab das Unternehmen Villeroy & Boch Tausenden von Menschen aus der gesamten Region Arbeit und Brot und stieg selbst zu einem Weltunternehmen auf. Wenn Villeroy & Boch gerade in den letzten Jahren etwas von seinem Glanz verloren hat, darf man nicht verkennen, dass vor allem dieses Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung der Region große Bedeutung besaß und immer noch besitzt. Gerade durch das Unternehmen Villeroy & Boch kamen aber auch im Lauf der Zeit viele qualifizierte Fachkräfte der Keramikherstellung und nicht zuletzt Führungskräfte sowohl aus dem Ausland, aber auch aus weiter entfernteren Regionen Deutschlands in die Merziger Region und sind hier seit Generationen heimisch geworden.

Heute eher unbekannt ist dagegen die Tatsache, dass auch viele andere fremde Gruppen in früheren Zeiten nach Deutschland kamen. Dazu sind beispielsweise oberitalienische Wanderhändler oder Krämer sowie Handwerker, wie Steinmetze und Stuckateure, zu zählen, die zum Teil seit dem 17. Jahrhundert aus Italien bis in unsere Region kamen und hier ansässig wurden.

Es ist davon auszugehen, dass es sich bei diesen Einwanderern meist nur um Einzelpersonen oder relativ kleine Personengruppen handelte. Diese integrierten sich sehr schnell und gingen in der sie aufnehmenden Gesellschaft auf. Nichts, außer vielleicht Familiennamen, deuten heute noch auf diese frühe neuzeitliche Phase der Einwanderung aus dem italienischen Sprachgebiet in unsere Region hin. Ein Beleg oder Indiz dafür, dass diese Zuwanderer vollkommen in der sie aufnehmenden Gesellschaft unserer Region aufgingen, ist darin zu sehen, dass unsere moselfränkische Mundart keine Wörter dieser italienischsprachigen Zuwanderer aufweist.

In manchen Familien gibt es allerdings mündliche Erzähltraditionen, in denen darüber berichtet wird, dass einer der Vorfahren vor langer Zeit aus Norditalien in unsere Region kam und sich hier niedergelassen hat. Ein Beispiel hierfür ist der Familienname Bernasko, der sowohl in Düppenweiler, als auch in Harlingen zu finden ist. Dieser Name geht nachweislich auf den italienischen Krämer Peter Anton Bernasco zurück, der vor 1719 vom Comer See in Italien hier zuwanderte und sich zunächst wohl in Merzig niederließ. Peter Bernasco war dreimal verheiratet. Insgesamt elf Kinder sind von ihm bekannt.

In vielen Ortschroniken unserer Region ist auch die Rede von Einwanderern aus Tirol, Vorarlberg, der Schweiz oder anderen alpenländischen Gebieten, die nach dem Dreißigjährigen Krieg in unsere Gegend kamen und sich hier niederließen. Zahlreiche familiengeschichtliche Forschungsergebnisse haben bestätigt, dass es seine Richtigkeit mit den Angaben in den Chroniken hat und es tatsächlich eine Zuwanderung aus diesen Gebieten in unsere Region gab.

Ein besonderes Beispiel für temporäre Arbeitsmigration in der früheren Neuzeit in unsere Region und eine Begegnung mit dem Fremden der besonderen Art stellen die ersten Jahre des Betriebes des Kupferbergwerks in Düppenweiler dar. 1725 hatte der Wallone Remacle Renard de Hauzeur den Betrieb aufgenommen. Da keine im Bergbau erfahrenen Fachkräfte hier in der Region vorhanden waren - der Kohlebergbau begann erst wesentlich später - warb man rund 300 Bergleute aus dem Erzgebirge und Böhmen an. Diese verließen allerdings bereits zehn Jahre später den Ort Düppenweiler wieder, nachdem zuvor Hauzeur aufgrund von Rechtsstreitigkeiten den Ort verlassen musste und die Arbeit im Bergwerk vorübergehend eingestellt worden war.

Die Begegnung der Einheimischen mit den Fremden und vor allem ihr Tun Untertage, bei dem man nicht so genau wusste, um was es sich handelte, führte zu den unwahrscheinlichsten Vermutungen, aus denen sich sogar einige Sagen ableiten lassen.

< Wird fortgesetzt.