Kunst mit solidem Fundament

Merzig. Die Treppe der Merziger Stadthalle hinauf zu steigen, heißt eintauchen in die Bildwelten von Albert Kettenhofen. Herrliche Aquarelle in den zarten, lichtdurchfluteten Farben des Südens leuchten von den Wänden. In der Formsprache reduzierte Dörfer am Meer und abstrakte Bildwelten zeigen, dass hier einer am Werk ist, der sich von der Abbildung der Realität schon lange freigemacht hat

 Ausdrucksstudie "Blauer Mosaikkopf" Fotos: Brigitte Quack

Ausdrucksstudie "Blauer Mosaikkopf" Fotos: Brigitte Quack

Merzig. Die Treppe der Merziger Stadthalle hinauf zu steigen, heißt eintauchen in die Bildwelten von Albert Kettenhofen. Herrliche Aquarelle in den zarten, lichtdurchfluteten Farben des Südens leuchten von den Wänden. In der Formsprache reduzierte Dörfer am Meer und abstrakte Bildwelten zeigen, dass hier einer am Werk ist, der sich von der Abbildung der Realität schon lange freigemacht hat. Einer, der sein Handwerk versteht und Stimmungen vor allem über Farbe kommuniziert. Daneben künden abstrahierte Menschenbilder in Mischtechniken davon, dass Kettenhofen seine Ausbildung in einer Zeit durchlief, als man noch großen Wert auf eine fundierte zeichnerische Grundbildung legte. Denn gerade wenn die Figurensprache stark abstrahiert ist, kommt es ganz besonders auf Proportion und Maße an. Und das beherrscht der jetzt 90-jährige Kettenhofen aus dem Effeff. "Das habe ich alles Professor Boris Kleint zu verdanken", erzählt er und dass das Zeichnen in jener Zeit ganz groß geschrieben wurde. "Es ist die Basis für alles", habe man den Studenten eingebläut und sie entsprechend im "Zeichnen getrimmt". Besonders Aktzeichnen wurde in jenen Jahren ganz groß geschrieben und davon hat auch Kettenhofen sichtlich profitiert: Seine Akte sind stimmig und seine Figuren im Stande, allein über die Körperhaltung Geschichten zu erzählen. Wie etwa in der Bleistiftzeichnung mit der Nummer 27 und dem Titel "Aus der Fremde kehren wir zurück": Obwohl die Körper nur mit sich verdichteten Längsstrichen und die Köpfe mit Querstrichen gezeichnet sind, lassen sie einiges von den Gefühlen erahnen, welche die Juden bei ihrer Rückkehr aus dem Exil in Babylon begleitet haben. Gemächlichen Schrittes schreiten sie voran, im Dialog, doch den Blick nach vorne gerichtet in die verheißungsvolle Zukunft. Die Themen sind breit gefächert, so dass neben detailgenau ausgearbeiteten Landschafts- und Architekturansichten auch viele tiefgründige Inhalte vertreten sind. "Die Antike hat mich stets ebenso interessiert wie sakrale Themen", erzählt er und dass er viele religiöse Auftragsarbeiten gefertigt habe. Daran erinnern in dieser Ausstellung einige Gemälde, zwei, "Ausdrucksstudien" genannte Mosaiktafeln und nicht zuletzt die ausgehängten Infotafeln und eine Broschüre, in der sein "sakraler Kunstwanderweg" beschrieben wird. Vieles stammt aus den fünfziger und sechziger Jahren, als es "unwahrscheinlich viele Aufträge für Kunst am Bau" gab. Noch heute freut er sich, dass er dank solcher Aufträge mit Leib und Seele Künstler sein konnte. "Die Arbeit bei Villeroy & Boch und meine freiberufliche Tätigkeit gingen nahtlos ineinander über", sagt Kettenhofen und blickt zurück auf ein erfülltes Leben, in dem er mit seiner Kunst "gerne anderen Menschen eine Freude gemacht hat".Die Ausstellung "Albert Kettenhofen - Zeichen der Zeit" läuft bis zum 30. Juni, Stadthalle Merzig, Montag bis Donnerstag von neun bis 16 Uhr, Freitag von neun bis zwölf Uhr.

 Radierung von St. Gangolf

Radierung von St. Gangolf

 Werk in Mischtechnik

Werk in Mischtechnik

 Der Künstler Albert Kettenhofen

Der Künstler Albert Kettenhofen

Zur Person: Albert Kettenhofen wurde 1920 in Hilbringen geboren. Von 1946 bis 1950 studierte er an der Werkkunstschule in Saarbrücken bei Professor Boris Kleint und Frans Masereel. Er arbeitete bei Villeroy & Boch als Designer für Bildmosaikgestaltung, als freiberuflicher Gestalter im Bereich Kunst am Bau und als Dozent der VHS. Er kreierte Mosaikbilder, Metallreliefs und Buntglasfenster in und an öffentlichen und sakralen Gebäuden. Manche seiner Entwürfe gingen in die ganze Welt. Seit 1984 wohnt und arbeitet er in Harlingen. bq

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