Kinder werben für ihre Rechte

Bundesjustizminister Heiko Maas informierte sich am Donnerstag im SOS-Kinderdorf über die vielfältige Arbeit der Einrichtung. Die Jungen und Mädchen wiesen ihn auf ihre Rechte hin – mit Musik und in kleinen Szenen.

. Eine Autogrammkarte hat Falk schnell organisiert, lässt sich den Namenszug von Heiko Maas darauf verewigen. Andy, Lara, Selina und ihre Freunde vom SOS-Kinderdorf Hilbringen machen es dem Zwölfjährigen nach. Schließlich ist es für die Kids was Besonderes, dass ein Bundesjustizminister ihre Einrichtung besucht. Kinderrechte haben René, Mike, Lara, Kevin, Anna, Denise, John und all die anderen als Thema gewählt. Für ein Lied, in dem sie das Recht auf Spielen und Toben ebenso besingen wie das auf Liebe, Wärme und Wissen, schwingt sich der 18-jährige René ans Klavier, während Mitarbeiterin Steffi Müller-Rass zur Gitarre greift. In Dialogen machen sie ihr Recht auf Freizeit ebenso deutlich wie das auf Beteiligung, auf Mitentscheidung und Information wie das auf Taschengeld. "Da sagen meine Kinder immer, du bist ein Rechtsbrecher", schmunzelt Maas und hat die Lacher auf seiner Seite. Es bleibt Joachim Selzer, Leiter der Einrichtung, vorbehalten, die Arbeit und Bereiche vorzustellen, in denen sich die Leute vom SOS-Kinderdorf engagieren. Das Herzstück sind nach seinen Worten die sieben Familien, in denen 40 Kinder leben. "War eine Mutter früher für zehn Kinder da, sind es heute nur noch sechs. Die Jungen und Mädchen kommen mit sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten zu uns." Dem trage man Rechnung. Lebten früher hauptsächlich elternlose Kinder in dem Dorf, seien heute fast alle Sozialwaisen. Den Kontakt zu den Eltern und die Pflege der für die Kinder sehr wichtigen Beziehung sind laut Selzer entscheidende Bestandteile der pädagogischen Arbeit. Als weitere Arbeitsfelder nennt er die Wohngruppe, in der acht Kinder und Jugendliche für einen überschaubaren Zeitraum leben können.

Kinder kennen Maas



Im Gemeinwesen-Treffpunkt unterstützt das SOS-Kinderdorf mit seinen Angeboten Eltern und Kinder, um Krisen zu vermeiden und schwierige Lebenssituationen gemeinsam zu meistern. Er stellt auch die Nachmittagsbetreuungen an der Erweiterten Realschule Merzig und am Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeum in Perl vor, ebenso das Engagement der Mitarbeiter des Mehrgenerationenhauses in Merzig, die Arbeit in den Familienzentren sowie die Kinderkrippe, in der 20 Kinder in zwei Gruppen von acht Wochen bis drei Jahren betreut werden. "Es macht Spaß, hier zu arbeiten", gesteht er und verrät, dass der Einrichtung im Sommer der 55. Geburtstag ins Haus steht.

Ein unbeschriebenes Blatt ist der Bundespolitiker nicht für die quirlige Gruppe. "Er ist Bundesjustizminister ", antwortet Kevin auf die Frage von Joachim Selzer. "Er hat in Siersburg gewohnt", weiß Vanessa. Selzer ist baff. Edith Klauke-Thul und Tina Botta-Leinen von der Bereichsleitung und Geschäftsführerin Dr. Birgit Lambertz schmunzeln. "Alle Minister stehen in unserem Hausaufgabenbuch drin", verrät Falk. Nur zu gerne hätte er "Heiko" zum Mittagessen eingeladen, doch Maas wird von der Familie Brecht erwartet - zu Chili con Carne.