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Merzig
Die erste Aufregung war schnell verflogen

Foto: Markus Braun
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Merzig. Das Merziger Gymnasium am Stefansberg begrüßte seine neuen Schüler. Orientierungstage sollten ihnen den Einstieg in den Schulalltag leicht machen.

Die erste Aufregung hat sich inzwischen gelegt bei den neuen Fünftklässlern am Merziger Gymnasium (GaS) am Stefansberg. Mit 168 Schülern hatte die Schule mit die meisten Neuanmeldungen aller Gymnasien im Saarland. Um den Start möglichst leicht zu machen, wurden in allen sechs Fünfer-Klassen sogenannte „Orientierungstage“ durchgeführt: statt Unterricht stand Teambuilding auf dem Stundenplan.


Voller Vorfreude und mit großen Erwartungen – vielleicht auch mit ein bisschen Lampenfieber – warteten etwa die 27 Schüler der Klasse 5c mit ihrer Klassenlehrerin Mirjam Nayman in ihrem Klassenraum  auf Sozialpädagoge Peter Draschan, der die Leitung der Orientierungstage übernommen hatte. „Draschan hat sich zahlreiche Spiele ausgedacht“, berichtet Mirjam Nayman, „er hat damit begonnen, den Schülern zu erklären, dass man zuerst an sich selbst glauben muss. Denn nur, wenn die Schüler ein starkes Ich haben, können sie auch in der Gemeinschaft stark sein. Es geht darum, dass die einzelnen Schüler zu einem Team zusammenwachsen können. Das ist aber erst möglich, wenn sie einander kennengelernt und zueinander Vertrauen gefasst haben“, erklärt die Klassenlehrerin der 5c.

Erste Aktivitäten beschäftigten sich daher auch mit dem eigenen Ich; so lernten die Schüler, dass es wichtig ist, sich seiner Gefühle bewusst zu werden und diese auch vor anderen äußern zu können. Dann wurden spielerisch Informationen (Hobbys, Vorlieben etc.) der Schüler ausgetauscht. „Ich fand dieses Spiel sehr interessant, denn so habe ich viel Neues über meine Klassenkameraden erfahren“, sagt Schülerin Lara Groß.



Dass man auch ohne Worte gut zusammenarbeiten kann, gefiel Tyler Mischler besonders gut: „Das Balancieren der Mikadostäbe mit einem Partner war toll! Ich habe nicht gedacht, dass wir das schaffen.“ Zum Zusammenleben in einer Klasse gehören leider oft auch Ausgrenzung oder sogar – im schlimmsten Fall – Mobbing. Um sich in die Situation des Ausgegrenzten hineinversetzen zu können, mussten die Schüler versuchen, einen Platz in einem Kreis zu ergattern, in dem ein Stuhl fehlte – eine schier unlösbare Aufgabe. Franziska Kirsch schildert ihre Eindrücke in diesem Spiel: „Das war eine unangenehme Erfahrung: Ich war froh, als es vorbei war!“ Aber umso besser konnten alle verstehen und nachvollziehen, wie wichtig es ist, niemanden auszugrenzen. Am Ende des ereignisreichen Kennenlerntages konnte das Fazit letztlich nur ein gutes sein: „Ich kenne jetzt meine Klassenkameraden viel besser. Der Tag war wirklich sehr schön!“, fasst Alisha Graus begeistert zusammen.

Aber nicht nur in Klasse 5 gilt es, neue Freunde zu finden. Da die Schüler am GaS vor Beginn der Klasse 8 zwischen Latein, Spanisch und dem verstärkten Biologieunterricht „Bio Plus“ wählen können, werden sie entsprechend ihrer Wahl in neue Klassen eingeteilt. „Die Schüler sind aus vier unterschiedlichen Klassen zusammengekommen und haben sich zum Teil nur vom Sehen gekannt. Daher waren auch hier Orientierungstage wichtig“, berichtet Lehrer Markus Braun.

Die Achtklässler durften sich sogar über einen zweitägigen Ausflug in die Jugendherberge ins nahegelegene Dreisbach freuen. „Gleich nach dem Frühstück haben wir verschiedene Spiele gespielt. Danach haben wir uns zusammengesetzt und alle gemeinsam überlegt, was wir uns von unserer neuen Klasse erwarten und wünschen. Die wichtigsten Punkte haben wir als Klassenziele formuliert und auf ein Plakat geschrieben, das jetzt in unserem Klassenzimmer hängt“, erzählt Hanna Senf. Sie ist die Klassensprecherin der 8a und war auch vom weiteren Verlauf des Ausflugs begeistert: „Wir haben auch Übungen gemacht, bei denen es um gegenseitiges Vertrauen ging. Zum Beispiel wurden einem von uns die Augen verbunden und dann wurde er von den anderen umhergeführt. Dabei musste er verschiedene Gegenstände ertasten, sogar einen Baum, den er später wiederfinden sollte. Das war echt schwierig, aber einige haben es geschafft.“

Auch bei der gemeinsamen Geocaching-Tour stand neben dem Kennenlernen der Spaßfaktor im Vordergrund. Und natürlich durfte auch ein gemeinsamer Kino-Abend nicht fehlen. Gezeigt wurde der Film „Blind side“. „Darin ging es um einen Jungen, der obdachlos war, dann aber von einer Familie aufgenommen wurde und später ein viel umjubelter Footballprofi wurde“, fasst Nils Buchheit den Inhalt kurz zusammen und war nachhaltig beeindruckt – nicht nur vom Film, sondern auch vom Ausflug: „Durch die verschiedenen Spiele und die gemeinsamen Erlebnisse sind wir schon richtig zusammengewachsen.“ Das bestätig Lilly Thalhammer: „Ich bin wirklich positiv überrascht. Die neuen Mitschüler sind alle sehr nett und total offen.“ Dass es auch noch einen Grund zum Feiern gab, passt ins Bild: Klassensprecherin Hanna hatte während des Aufenthalts in Dreisbach Geburtstag, wurde vierzehn.

Ihr Klassenlehrer zieht ein positives Fazit der Orientierungstage: „Wir wollten durch verschiedene Teambuilding-Maßnahmen das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt der Klasse stärken. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.“ Markus Braun gehört am GaS gemeinsam mit den Lehrerinnen Andrea Arena und Nadine Schmidt zum schulinternen Mobbing-Interventionsteam und weiß daher genau, worauf es ankommt: „Es ist wichtig, die soziale Kompetenz der Schüler zu fördern und Streitigkeiten präventiv entgegenzuwirken, sodass Mobbing gar nicht erst aufkommen kann.“

Alle Schüler sind miteinander verbunden, ziehen quasi an einem Strang.
Alle Schüler sind miteinander verbunden, ziehen quasi an einem Strang. FOTO: Foto: Markus Braun