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Kardiologe Dr. Christof Rheinert schreibt an Ministerpräsident Hans

Kostenpflichtiger Inhalt: Arzt aus Merzig zu Tennis-Diskussionen : „Das Virus wird nicht über die Filzkugel übertragen“

Das saarländische Tennis-Verbot in Zeiten von Corona hat für einige Aufregung gesorgt. Während im benachbarten Rheinland-Pfalz schon wieder aufgeschlagen werden durfte, mussten die Spieler im Saarland sich weiter gedulden und auf ihr Training verzichten.

Mehrere Clubs und einzelne Spieler hatten sich dafür eingesetzt, schnell eine Lösung zu finden, um bald wieder die Plätze nutzen zu dürfen (die SZ berichtete).

Einer von denen, die sich schriftlich an den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans gewandt hatten, ist Dr. Christof Rheinert. Der Merziger ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologe, aber auch selbst Tennisspieler – und in dem Verbot sieht er nach eigener Aussage nicht viel Sinn. „Das ist eine Beeinträchtigung von Freiheiten, die man als Bürger und Arzt nicht akzeptieren kann“, sagt er und betont, dass es notwendig sei, bei Sportarten zu unterscheiden. Während bei Kontaktsportarten wie Ringen oder engem Mannschaftssport der Mindestabstand nicht zu gewährleisten sei, stelle dies beim Tennis – zumindest beim Einzel – kein Problem dar. Schließlich befänden sich die Spieler auf verschiedenen Seiten des Platzes, „und das Virus wird nicht über die Filzkugel übertragen“. Generell sei die Übertragung des Virus im Freien nach seinen Worten kaum nachgewiesen. Wichtig sei es aber, vor und nach dem eigentlichen Spiel den Kontakt einzuschränken – also weder gemeinsam Umkleide und Dusche zu nutzen noch nach dem Spiel gemeinsam ein Bier zu trinken.

Rheinert hofft darauf, dass bald bei den Sportarten besser differenziert werde. Schließlich sei Joggen ja auch erlaubt, und „wenn sich zwei Leute zum Laufen treffen, tragen sie auch keine Masken oder halten immer genau den Abstand ein“. Zu beneiden seien diejenigen, die derzeit die Entscheidungen treffen müssen, nicht, findet er: „Es ist ein Blindflug.“

Marcus Hoffeld Foto: Robby Lorenz

Einer, der diese Entscheidungen mit durchsetzen muss, ist Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld. „Da die derzeitige Verordnung des Landes vorsieht, dass sämtliche Sportstätten nicht genutzt werden dürfen, sind wir dazu verpflichtet, diese Regelung umzusetzen“, betont der Verwaltungschef, räumt aber ein: „Ich kann mir vorstellen, dass Sportarten, bei denen nur wenige Sportler aktiv sind und dadurch die Ansteckungsgefahr überschaubar ist, unter Einhaltung der derzeitigen Hygieneregeln wieder möglich sind. Auch Tennis gehört für mich zu einer solchen Sportart.“ Und nicht zuletzt freut er sich nach seinen Worten darauf, selbst auch wieder Tennis spielen zu können.