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Merzig
Über die Kulturgeschichte der Fortpflanzung

 Der Kabarettist Jürgen Becker kommt im Mai nach Merzig.
Der Kabarettist Jürgen Becker kommt im Mai nach Merzig. FOTO: Simin Kianmehr
Der Kabarettist kommt am 8. Mai, um 20 Uhr mit seinem Programm „Volksbegehren“ in die Merziger Stadthalle. Von Julia Franz

Herr Becker, Ihr Programm heißt „Volksbegehren“. Was begehrt denn das Volk?


BECKER (lacht) Was das Volk begehrt, hat in erster Linie die Me-too-Debatte gezeigt. Der Mensch ist auch nur ein Tier, obwohl er sich die Krone der Schöpfung nennt. Daher hat der Mensch einen Begriff wie die Gürtellinie erfunden. Wenn man Männer an der Hotelbar nach dem sechsten Glas Bier beobachtet, merkt man, dass sie bei den Themen schon enorm aufpassen müssen, um nicht unter die Gürtellinie zu geraten.

Der Titel des Programms ist ja sicherlich bewusst doppeldeutig gewählt. Wird Politik auch thematisiert?



BECKER Sie kennen das wahre Familienbild der CSU? Ein Mann, eine Frau, zwei Kinder und eine nackte Sekretärin. Einigkeit lässt sich innerparteilich über uneheliche Söhne erzielen.

Und die Religion ist auch Thema?

BECKER Laut Kirche hat Sex angeblich auch weniger mit Spaß als mehr mit Fortpflanzung zu tun. Die größte Kulturleistung des Menschen ist ja, dass die Fortpflanzung auch ohne Sex auskommt. Für Pythagoras zum Beispiel war die fleischliche Lust eine Angelegenheit des Winters. Im Sommer war nix los, da hat er a2+b2=c2 erfunden. Das Schöne an meinem Programm ist, dass ich zeige, es geht auch ohne.

In Ihrem Programm, das Sie in Merzig präsentieren, gehen Sie der Liebe und der Lust auf den Grund und gucken, wie es bei Mensch und Tier läuft. Was haben Sie selbst daraus gelernt?

BECKER Ich weiß jetzt, warum Männer und Frauen so sind, wie sie sind, und kann vieles besser einordnen. Zum Beispiel den Wandel der Schönheitsideale. Man kann das bei Tieren beobachten, zum Beispiel bei den Guppys, diesen kleinen Aquarium-Fischen. Die haben ja diese schönen bunten Schwänze in unterschiedlichen Farben. Die Träger einer Farbe leben meist zusammen. Sobald man aber in eine Guppy-Gemeinschaft mit blauen Schwänzen einen einzigen Guppy mit rotem Schwanz setzt, kriegt der alle Weibchen rum.

Was lernt Man(n) daraus?

BECKER Das Männchen, das etwas hat, was andere nicht haben, siegt. Wenn da zehn blasse Banker stehen und nur über vermögenswirksame Leistungen sprechen und da gesellt sich ein braun gebrannter Surflehrer dazu: Wen nimmt die Frau dann wohl?

Welche Kriterien setzen Frauen bei der Auswahl ihrer Partner an?

BECKER Untersuchungen zeigen, dass Frauen einen Mann attraktiver finden, wenn dieser schon eine Partnerin hat. Das ist so, wie wenn man im Internet ein Hotel bucht, dass schon positive Bewertungen hat. Sie weiß dann, Frauen, die Peter gebucht haben, waren mit ihm zufrieden. Und nicht: Frauen, die Horst Seehofer gewählt haben, interessieren sich auch für Heißluftgebläse.

Ist Sex also überlebenswichtig?

BECKER Um Viren und Bakterien abzuwehren. Die besiedeln uns und vermehren sich wie am Kopierer. Irgendwann finden sie dann den Schlüssel zu unserem Abwehrsystem und versuchen es ausschalten.

Und was hat das mit Fortpflanzung zu tun?

BECKER Viren und Bakterien können es aber nicht schaffen, wenn wir Sex haben. Denn das bedeutet, dass wir uns nicht einfach kopieren wie die Blattlaus, sondern wir mischen uns. Aus zwei verschiedenen Lebewesen entsteht ein komplett neues – da blicken die Bakterien nicht mehr durch. Da müssen sie wieder von vorn anfangen, denn ihr Schlüssel für das Abwehrsystem passt nicht mehr. Also: Die Sexualität ist nicht wegen der Fortpflanzung entstanden. Fortpflanzung geht auch ohne Sex, wie wir bei der Blattlaus sehen. Der Sex entstand zuallererst unter dem Druck der Feindabwehr.

Wieso denn Feindabwehr?

BECKER Das ist ein bisschen so, als ob Sie eine Kneipe haben und da kommen jeden Abend die Rocker rein, zahlen den Deckel nicht und machen Randale. Wenn Sie daran als Wirt nicht zugrunde gehen wollen, müssen sie das Programm ändern.

Gibt es heute mehr Sex in der Öffentlichkeit als vor 30 Jahren?

BECKER Ja, ein Drittel des gesamten Datenverkehrs im Internet ist pornografischen Inhalts, pro Sekunde werden 30 000 pornografische Filme runtergeladen, zehn Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer konsumieren mindestens einmal in der Woche Pornos im Netz und das passiert zu 70 Prozent an Werktagen zwischen 9 und 17 Uhr. Man wundert sich, dass in deutschen Büros überhaupt noch gearbeitet wird. Das Wort Gleitzeit kriegt eine ganz neue Bedeutung.

Bei welcher Gelegenheit, denken Sie, tut das der Saarländer?

BECKER (lacht) Das Saarland liegt ja nah an Frankreich. Ich denke, dass es da keine Probleme gibt.

Karten im Vorverkauf für 24,50 Euro (Sitzplatz), inklusive Vorverkaufsgebühren, in Merzig: Tourist-Information, bei Weber Touristik, Tui-Reisebüro sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen. Ticket-Hotline (06 51) 9 79 07 70 oder unter www.kultopolis.com.