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Merzig
Eindringlich, entlarvend, zuweilen bitterböse

Hagen Rether fordert in musikalischem Kabarett das Publikum auch zum Selberdenken auf – „Wandel ist möglich, wenn wir nur wollen“.
Hagen Rether fordert in musikalischem Kabarett das Publikum auch zum Selberdenken auf – „Wandel ist möglich, wenn wir nur wollen“. FOTO: Foto: Klaus Reinelt/Picasa/Hagen Rether / Picasa
Merzig. Der Kabarettist Hagen Rether kommt am Sonntag, 23. September, in die Stadthalle Merzig – mit seinem neuesten Programm zu „Liebe“. red

Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus will Hagen Rether seine Zuhörer an diesem Sonntag, 23. September, 20 Uhr, in der Merziger Stadthalle aufrütteln. „Wir können doch die Welt nicht retten“, zitiert eine sehr beliebte Floskel – und hat prompt die Antwort parat: „Ja, wer denn sonst?“ Es ist kein klassisches Kabarett, das er bei sechsten Version seines Programms „Liebe“ den Zuhörern serviert – eher ein gedanklich verknüpftes Spiel, ein Mitdenkangebot.


Rether, geboren in Bukarest, aufgewachsen in Freiburg, heute in Essen lebend, hat das Kabarett am und mit dem Klavier neu erfunden. Leise plaudernd verlangt er seinem Publikum mit blitzschnellen Themenwechseln höchste Aufmerksamkeit und Konzentration ab. Ohne falsche Rücksichtnahme auf politische Korrektheit stellt er unter dem immer gleichen Programmtitel „Liebe“ in einem sich ständig verändernden Programm die komplizierter werdende Welt und bisweilen sich selbst in Frage.

Er gibt sanft, aber eindringlich den Wolf im Schafspelz und entlarvt mit bitterbösen Beispielen die allseits vorhandene Scheinheiligkeit und Doppelmoral. Der Kabarettist verweigert die Verengung komplexer Zusammenhänge und gesellschaftlicher wie politischer Absurditäten auf bloße Pointen. Auch Sündenböcke schlachten, ist nicht sein Ding, auch nicht das satirische Verfeuern der üblichen medialen Strohmänner. Schießlich „tragen die da oben nicht allein die Verantwortung“, lautet seine Begründung.



Rether verknüpft Aktuelles mit Vergessenem, Nahes mit Fernem, stellt infrage, bestreitet, zweifelt. Er rüttelt an zentralen Glaubenssätzen westlicher Zivilisation. Er spricht eine Vielzahl an gesellschaftlichen Problemen an. Mit überraschenden Vergleichen verführt er das Publikum zum Perspektivwechsel – zu einem anderen Blick auf die Welt, in die Zukunft. Und er ruft dazu auf, sich von vielfach instrumentalisierten Angst und Wut zu befreien.

 Seine „Liebe“ ist tragisch, komisch, schmerzhaft und ansteckend zugleich: Das ständig mutierende Programm mit dem immer gleichen Titel verursacht nachhaltige Unzufriedenheit mit einfachen Erklärungen und regt zum Selberdenken und -handeln an. Bis zu dreieinhalb Stunden plädiert der Kabarettist leidenschaftlich für Aufklärung und Mitgefühl. Er wehrt sich gegen Doppelmoral und konsumselige Wurstigkeit. Sein Credo: „Wandel ist möglich – wenn wir wollen.“

Karten gibt es noch bei Ticket-Regional (www.ticket-regional.de).