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Graffiti-Kunst: Jugendliche geben dem Bahnhof Farbe

Graffiti-Kunst : Jugendliche geben dem Bahnhof Farbe

Mit Graffiti-Künstler Tasso rücken junge Leute ab heute in Merzig dem Grau zu Leibe.

Motive und Farbe haben sich die zehn Jugendlichen sicherlich schon ausgemalt, mit denen sie Merzig aufpeppen wollen. Doch bevor es an die Sprühdosen geht, steht heute Nachmittag ein Gedankenaustausch mit ihrem Lehrmeister an. Das ist kein Geringerer als Graffiti-Künstler Tasso alias Jens Müller. Den Star unter den Sprühern haben die beiden Künstlerinnen Nicole Müller aus Merzig und Sabine Brosius aus Mettlach angeheuert, um die Kreisstadt bunter zu machen. „Mit der Stadt Merzig, ihrem Beigeordneten Dieter Ernst, Heike Wagner und Franziska Barth vom Jugendhaus haben wir den coolen Workshop organisiert“, verrät Müller. Nach ihren Worten haben sie noch für drei Leute Platz. Einzige Bedingung: Die Jugendlichen sollten mindestens 15 Jahre alt sein.

Für den Lehrmeister ist sein Besuch im Grünen Kreis alles andere als eine Premiere. Bei einer ersten Stipvisite im Juli 2008, ebenfalls engagiert von Nicole Müller  und ihrer Künstlergruppe AmisArt, hat er sich nach eigenem Bekunden in Merzig verliebt. Einziger Wertmutstropfen für ihn damals: Die Kreisstadt  war ihm zu grau.

Doch das soll sich ändern – Stück für Stück. Nachdem vor neun Jahren der Kleine König Ziel einer legalen Sprühattacke des Meisters und seiner Schüler war und er mit jungen Leute wenige Jahre später das Glashaus in Dreisbach aufpeppte, ist bei der Aktion ab heute die Unterführung des City-Bahnhofs und der Aufgang zum Bahnhof an der Reihe. Bis Sonntag, so haben die Initiatoren den Zeitplan festgezurrt, soll die Sache stehen. „Als Tasso bei uns in Dreisbach arbeitete, hatten wir Besuch von Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld, der von der Sache total begeistert war“, sagt Müller. Die Idee, eine Wiederholung in Merzig zu starten, war geboren. „Wir haben uns mit ihm in Verbindung gesetzt und einen Termin vereinbart“, erzählt sie.

„Beigeordneter Dieter Ernst hat hier für uns den ganzen Behördenkram mit der Deutschen Bahn erledigt und unterstützt uns bei der Umsetzung mit Absperrungen und Vorbereitungsarbeiten.“ Sie ist gespannt, welche phantasievollen Blüten diese Kunstaktion treiben wird. Ob Highlights, also Lichtreflexe, ein Pochoir, eine Art des Graffiti mit Schablonen ausgeübt, oder ein Sketch, Skizzen oder schnelle Ideenmuster auf Papier: Legende Tasso, der Künstler, den jeder respektiert, kennt sich aus.

Einer Sache ist sie sich ziemlich sicher: „Mit den üblen Schmiereien, die Unbekannte bislang in der Unterführung und in dem Aufgang hinterlassen haben, dürfte es dann vorbei sein. Denn es verbietet der Sprayer-Kodex, dass über Graffiti weitere gespüht werden.“ Und eine weitere Neuauflage hat sie schon geplant. „Hoffentlich im nächsten Jahr.“

Doch zunächst konzentriert sie sich auf den Workshop, für die sie viele Helfer zusammengetrommelt hat. „Das Jugendhaus Merzig unterstützt an dem Wochenende, entweder beim Workshop oder bei unserem zusätzlichen Angebot, das wir Samstag und Sonntag anbieten: dem Schablonensprayen.“

Das ist nach ihren Worten für all die Mädchen und Jungen  gedacht, die nicht nur zuschauen wollen, sondern mal eine Dose in die Hand nehmen möchten und ihre ersten Sprayversuche an einer Leinwand ausprobieren können. Als Ort haben sich Müller und Brosius den Merziger Stadtpark ausgesucht – an diesem Samstag, 1. Juli,  14 bis 19 Uhr, und am Sonntag, 2. Juli, 11 bis 18 Uhr. „Das wird ein tolles Wochenende, denn es ist ja auch noch Stadtfest im Park und in der Stadt.“

Damit die Aktionskünstler um Tasso eine Rückzugsmöglichkeit haben, stellt der Wirt vom Halfenhaus nach Darstellung von Müller seine Räumlichkeiten zur Verfügung und verpflegt die Truppe am Samstag und Sonntag mit Frühstück. „Und der Getränkestand der Villa Fuchs sponsert uns die Getränke tagsüber. Das ist echt eine klasse Sache.“ Jetzt muss nur noch die Sonne scheinen.