Jürgen Schumacher vor Auftritt in Merzig im Interview

Jürgen Schumacher im Interview : Er bringt die „Lügenpresse“ nach Merzig

Der Comedian spricht vor seinem Auftritt im Zeltpalast am Samstag, 14. September, über sein Programm.

Welchen Jörg Schumacher werden wir in Merzig erleben? Den Moderator, den Stand-up-Comedian, oder ist beides miteinander verbunden?

SCHUMACHER Beides ist untrennbar miteinander verbunden, denn ich bin ja keine Kunstfigur auf der Bühne und dahinter völlig anders. Das ist ja auch das, was Stand-Up-Comedy auszeichnet: Wir erzählen aus unserem Leben und mit unserer (komischen) Sicht auf die Welt.

Sie sind Journalist und haben den Beruf mit Leidenschaft ausgefüllt. Warum haben Sie sich zu einem Neustart entschlossen?

SCHUMACHER Ich habe irgendwann festgestellt, dass die Menschen kaum noch etwas glauben, was in der Zeitung steht, aber dafür umso mehr jedem Blog im Internet. Ein Phänomen, dass ich in meinem neuen Programm „Lügenpresse“ beleuchte. Deshalb habe ich gedacht, ich stelle mich auf die Bühne.

Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen einem Blattmacher und einem Comedian?

SCHUMACHER Ich persönlich glaube: Es gibt keinen! Ein guter Blattmacher muss schauen, dass er Geschichten schreibt, die die Leute interessieren, sie so schreibt, dass sie spannend zu lesen sind und dass die Leser darüber hinaus ihren Horizont vielleicht ein klein wenig erweitern. Das muss ein Comedian auch alles beachten. Dazu muss er allerdings noch lustig sein. Das ist die Arbeit als Blattmacher eher weniger. . .

Wann haben Sie Ihr Herz für Comedy entdeckt?

SCHUMACHER Als ich das erste Mal auf einer Bühne stand und die Leute zum Lachen gebracht habe. Da wusste ich: Das ist mein Ding, das will ich machen!

Wie war es, das erste Mal auf der Bühne zu stehen?

SCHUMACHER Ich war sehr aufgeregt und wollte erst nicht hingehen, aber meine Frau, die sehr klug ist, sagte: Kannst Du machen, aber wie fühlst Du Dich heute Abend, wenn alle anderen auftreten? Und morgen, wenn alle aufgetreten sind? Da bin ich hingegangen und hatte Glück: Den Leuten hat meine Art gefallen!

Welche Comedians haben Ihnen bei Ihrem Start auf die Bühne geholfen?

SCHUMACHER Heino Trusheim hat mich tatkräftig unterstützt und ich freue mich deshalb sehr, dass wir jetzt zusammen hier im Saarland auf der Bühne stehen: ich als Moderator und er als Top-Comedian.

Gibt es ein Vorbild?

SCHUMACHER Es wird immer viel geredet über Stand-Up-Comedians in den USA. Für mich ist jeder der tollen Kollegen, mit denen ich auf der Bühne stehe, ein Vorbild, weil ich von jedem eine ganze Menge Dinge lerne – wie jetzt im Saarland: Maxi Gstettenbauer, Nicole Jäger und eben Heino Trusheim.

Ist Ihr Programm „Lügenpresse“ eine Persiflage auf die Bild, die immer dabei ist, damit sich Leser eine Meinung bilden können, und auf die Yellow-Press, die angeblich Freud und Leid sämtlicher Königs, Stars und Sternchen kennt?

SCHUMACHER In „Lügenpresse“ geht es darum warum wir – Leser – angefangen haben, den etablierten Medien nicht mehr zu vertrauen. Und warum es uns – Medienmenschen – nicht gelingt, zu vermitteln, was Journalismus eigentlich ist. Natürlich gehören dazu auch viele Anek­doten und Storys aus meiner Zeit bei Bild und den Yellows – vor allem die hinter den Kulissen!

Kriegen auch die Öffentlich-Rechtlichen ihr Fett ab?

SCHUMACHER Ich bin ja noch die Generation, die mit ARD und ZDF aufgewachsen ist. Insofern hat mich dieser Journalismus geprägt und natürlich geht es nicht nur um die Medien, bei denen ich gearbeitet habe.

Wird es in Merzig einen Einblick in dieses Soloprogramm geben?

SCHUMACHER Ich habe es fest vor. Sonst muss ich wiederkommen.

Gibt es Ideen für ein weiteres Soloprogramm?

SCHUMACHER Ideen gibt es viele, aber bis so ein Soloprogramm entsteht, erfordert es sehr viel Kreativität, Ausdauer, Energie und vor allem unzählige Tests auf der Bühne. Das kann schon mal ein paar Jahre dauern. . .

Was machen Sie mittlerweile am liebsten: die Arbeit als Comedian auf der Bühne, die in Ihrem eigenen Management oder die als Moderator und als Leiter von Workshops und Coachings zu dem Thema?

SCHUMACHER Ich kann das – zum Glück – nicht trennen: Für mich ist der Kontakt zu den anderen Künstlern und Veranstaltern genauso wichtig wie die Coachingerfahrung und meine Arbeit auf der Bühne. Ohne diese Erfahrung könnte ich das alles ja nicht machen!

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