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Jens Voigt im Gespräch
„Die Deutschland-Tour setzt ein tolles Signal“

Als Botschafter der „kinder + Sport mini Tour“ versorgte der ehemalige Radrennprofi Jens Voigt Kinder und Jugendliche mit Tipps und Tricks rund um das Fahrradfahren.
Als Botschafter der „kinder + Sport mini Tour“ versorgte der ehemalige Radrennprofi Jens Voigt Kinder und Jugendliche mit Tipps und Tricks rund um das Fahrradfahren. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Ex-Radprofi Jens Voigt spricht im SZ-Interview über die Bedeutung der Deutschland-Tour für den Radsport.

Jens Voigt, ehemaliger deutscher Radrennprofi, begleitete die Deutschland-Tour als Botschafter der „kinder + sport mini Tour“, ein Programm der Initiative„kinder + Sport“, das Kinder und Jugendliche für mehr Bewegung im Alltag begeistern will. Voigt stand den kleinen Teilnehmern in einer Fahrrad-Erlebniswelt mit Tipps und Tricks zur Seite und erklärte ihnen den sicheren Umgang mit dem Rad.


Herr Voigt, Sie waren als Botschafter für die „kinder+sport mini Tour“ bei der Deutschland-Tour im Einsatz und brachten den Kleinsten das Fahrradfahren bei. Wie kam es dazu?

VOIGT: Als ehemaliger Radprofi, der noch dazu sechs Kinder hat, scheine ich die nötigen Qualifikationen mitzubringen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, Kindern Spaß an der Bewegung zu vermitteln und sie schon früh für einen aktiven und gesunden Lebensstil zu begeistern. Man muss den Bogen auch weiter spannen: aus den jungen Radfahrern werden irgendwann mal erwachsene. Und wenn die später öfter in die Fahrradpedale statt aufs Gas treten, profitieren wir alle davon.



Mehreren Studien zufolge sollen Kinder heute schlechter beziehungsweise unsicherer Fahrrad fahren als früher. Es mangele ihnen unter anderem an motorischen Fähigkeiten. Würden Sie dem zustimmen?

VOIGT: Leider ja. Ich glaube aber nicht unbedingt, dass das an den Kindern selbst liegt. Die Eltern sind fürsorglicher und ängstlicher geworden, da müssen die Kleinen dann mit Stützrädern fahren, am besten noch Knie- und Ellbogenschoner tragen. Das verunsichert die Kinder. Dabei gehört es beim Fahrradfahren, vor allem in den Anfängen dazu, hinzufallen, wiederaufzustehen und sich dann eben nochmal auf den Sattel zu schwingen. Ich finde, Eltern sollten mehr Mut haben und ihre Kinder ruhig mal machen lassen. Aber natürlich wird auch der Siegeszug der Smartphones Schuld an dieser Entwicklung haben.

Welchen Tipps würden Sie Eltern, die ihren Kindern das Fahrradfahren beibringen wollen, geben?

VOIGT: Ab zwei Jahren können Kinder schon einmal mit einem Laufrad lernen, wie sie das Gleichgewicht halten. Wenn es dann später auf ein richtiges Fahrrad gehen soll, ist es besser, für die ersten Versuche einen weichen Untergrund, am besten ein Rasenstück, zu wählen. Zu Beginn sollten die Eltern die ganze Zeit neben ihren Kindern laufen und das Rad festhalten, später können sie es immer mal wieder heimlich loslassen, bis das Fahren irgendwann von ganz alleine klappt. Außerdem ist es wichtig, dass sich Eltern wirklich die Zeit nehmen und ihre Kinder nicht unter Druck setzen, wenn es nicht gleich funktionieren will. Und: bitte keine Stützräder. Schließlich hat das Kind schon mit dem Laufrad gelernt, die Balance zu halten. Mit Stützrädern machen sie wieder einen Schritt zurück. Ein Helm und Reflektoren sind aber natürlich Pflicht.

Herr Voigt, Sie sind 33 Jahre lang als Profi selbst Rennen gefahren, haben die Deutschland-Tour sogar zweimal (2006, 2007) für sich entscheiden können. Wie fühlt es sich nun für Sie an, die Tour von außen zu verfolgen?

VOIGT: Ich werde in zwei Wochen 47 Jahre alt, ich bin ehrlich gesagt sehr glücklich darüber, das Rennen vom Rand zu beobachten und nicht mehr selbst fahren und leiden zu müssen.

Merzig ist das dritte Etappenziel der Deutschland-Tour. Wie gefällt es Ihnen in der Region?

Voigt: Ich finde es wirklich schön hier. Mir gefällt die Landschaft sehr gut und es gibt hier einige tolle Burgen zu sehen.

Nach zehn Jahren Abstinenz wurde die Deutschland-Tour jetzt wiederbelebt. Welche Bedeutung hat das für den deutschen Radsport?

VOIGT: Das ist natürlich toll. Die Deutschland-Tour ist ein Event, das die Menschen in der gesamten Republik mitreißt. Es beweist, dass der Radsport nach wie vor populär ist. Und die Deutschland-Tour wird auch, wie ich schon einmal verraten kann, keine einmalige Angelegenheit bleiben. Die Veranstalter Amaury Sport Organisation und Anschutz Entertainment Group sprechen bereits davon, sie im nächsten Jahr um eine fünfte Etappe zu erweitern. Ich persönlich würde mir für die nächsten zehn Jahre ja eine Tour wünschen, die eine komplette Woche dauert und ganz Deutschland miteinander verbindet.

Die Deutschland-Tour wurde damals wegen der Doping-Skandale eingestellt. Wie schätzen Sie das Problem aus heutiger Sicht ein?

VOIGT: Wir haben das Problem damals zu lange ignoriert und unseren Preis dafür auch bezahlt. Als die Doping-Skandale ihren Höhepunkt erreichten, waren einige der Teilnehmer hier aber gerade mal fünf Jahre alt. Die wissen, dass Doping ein absolutes No-Go ist und dass jeder erwischt werden kann, bestes Beispiel ist ja Lance Armstrong. Es wäre meiner Meinung nach falsch, die Fahrer für das zu bestrafen, was ihre Vorväter getan haben. Langsam erkämpft sich der Radsport auch wieder seinen Platz zurück. Und dafür setzt die Deutschland-Tour ein tolles Signal.