| 20:14 Uhr

Serie Gipsabbau in Merzig
Jede Menge Ärger mit der neuen Lok aus Frankreich

Anfang der 50er Jahre bekommt die Gipsgrube Mechern Ärger mit dem Bergamt. Die Behörde verfügt: Eine neue Lok muss her – und auch ein neuer Lokomotivführer. Detailaufnahme aus dem Modell der Gipsgrube, das Stefan Siebenborn, Autor unserer SZ-Serie, gebaut hat.
Anfang der 50er Jahre bekommt die Gipsgrube Mechern Ärger mit dem Bergamt. Die Behörde verfügt: Eine neue Lok muss her – und auch ein neuer Lokomotivführer. Detailaufnahme aus dem Modell der Gipsgrube, das Stefan Siebenborn, Autor unserer SZ-Serie, gebaut hat. FOTO: Stefan Siebenborn
Merzig. Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, erzählt unsere Serie. Teil 14: Ärger mit den Aufsichtsbehörden.


Die Jung-Lok zeigt mit ihren erst zwölf Jahren bereits Alterserscheinungen. Sie soll in Kürze durch eine neue Lok ersetzt werden. Vom Kauf der Lokomotive muss das Bergamt rechtzeitig in Kenntnis gesetzt werden, damit es die Zulassungsbestimmungen bekannt geben kann. Dies hat Knauf dann doch nicht getan. Beim Befahren der Grube am 20. April 1950 fällt dem Vertreter des Bergamts auf, dass die alte Lokomotive gegen eine neue ausgetauscht worden ist. Und jetzt beginnt der Ärger mit dieser Lok offiziell. Das Bergamt schreibt: „Mit Verfügung vom 11.12.1946 – II 1SB 83 III – hatte das OBA (Oberbergamt) kurzfristig die Diesellokomotivförderung mit einer Diesellokomotive, Fabrikat Jung, 12 PS, bis zum 31.12.1947 genehmigt. Da somit die Diesellokomotivförderung im Untertagebetrieb der Grube Maria nicht mehr genehmigt ist, wollen Sie umgehend einen Antrag auf Neugenehmigung derselben an das OBA einreichen. Dieser Antrag ist nach Vorprüfung durch den TÜV in Saarbrücken zunächst in dreifacher Ausfertigung dem Bergamt vorzulegen, das ihn an das OBA weiterleiten wird. Der Antrag muss genaue Angaben über die zum Einsatz gelangende Lokomotive enthalten. Nach Möglichkeit sind Zeichnungen beizufügen.“

Des Weiteren will das Bergamt die Verpflichtung des noch in der Ausbildung befindlichen Reservelokomotivführer beantragt haben. Seinem Verpflichtungsantrag muss ein selbstgeschriebener Lebenslauf beigefügt sein. Der gelernte Autoschlosser Wilhelm Engel aus Merzig ist der Ersatzmann für den früheren Lokomotivführer Albert Zenner. Die neue Grubenlokomotive der Firma Heim aus Straßburg hat Probleme mit der Einspritzdüse, die bei der Abnahme durch den TÜV zu hohe Abgaswerte aufweist. Die Firma Knauf repariert die Düse und bittet am 28.10.1950 um eine neue Prüfung, da die neubestellte Düse erst in ein paar Wochen eintrifft.



Neben einigen weiteren Mängeln beanstandet das Bergamt die Luftaussaugeleitung der Lok. Knauf kontert, so etwas habe die Lokomotive gar nicht. Es müsse sich um die Luftansaugeleitung handeln, die nur bei Zwei-Takt-Maschinen wegen der Gefahr des Rückschlages mit ölbenetzten Filtern zu verkleiden ist. Für eine Vier-Takt Maschine, um die es sich bei der Heim-Lok handelt, sei dies nicht erforderlich.

Mit der französischen Lok ist keiner in der Grube so recht zufrieden. Sie springt schlecht an oder muss vom Grubenpferd angezogen werden. Außerdem rußt sie stark.

In Richtung Mondorf vermutet die Grubenleitung eine Mächtigkeit von Rohgips. So sieht die Jahresbetriebplanung für das Jahr 1952 die Fortführung des vorgetriebenen Stollens in Richtung Mondorf mit einem 90-Grad-Schwenk in Richtung Gerlfangen bis zum Mittelpunkt des Berges vor. Ab dort hofft man in Richtung Mondorf eine größere Abbauwürdigkeit vorzufinden.