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Ist Europa wirklich "grenzenlos"?Von Kulturen profitieren

Ist Europa wirklich "grenzenlos"?Von Kulturen profitieren

Hilbringen. Mit einem der wichtigsten Themen des europäischen Arbeitsmarktes befasste sich am Dienstag eine Diskussionsrunde um Bundesumweltminister Peter Altmaier. Auf Einladung des Kolpingwerkes, Diözesanverband Trier, tauschte ein hochkarätig besetztes Podium vor zahlreichen Besuchern in den Räumen der CEB Merzig seine Erfahrungen aus (die SZ berichtete kurz)

Hilbringen. Mit einem der wichtigsten Themen des europäischen Arbeitsmarktes befasste sich am Dienstag eine Diskussionsrunde um Bundesumweltminister Peter Altmaier. Auf Einladung des Kolpingwerkes, Diözesanverband Trier, tauschte ein hochkarätig besetztes Podium vor zahlreichen Besuchern in den Räumen der CEB Merzig seine Erfahrungen aus (die SZ berichtete kurz).

Hemmschwellen für Junge

Mit dabei Joachim Betker, Präsident der Mercedes-Tochter "Smart France". Er berichtete über die derzeitigen Arbeitsbedingungen in einem globalisierten Markt, bei dem Mehrsprachigkeit fast zur Normalität geworden ist. Peter Nagel, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, zeigte Wege auf, die zu einer besseren Migration ausländischer Bewerber auf dem deutschen Arbeitsmarkt führen sollten. Als Vertreter der Saarländischen Handwerkskammer äußerte sich Justus Wilhelm, Bereichsleiter Ausbildung, zu den Vorteilen des für Deutschland typischen dualen Ausbildungssystems, das auf europäischer Ebene mehr und mehr Nachahmer findet.

Unter Leitung von SR-Moderator Christian Otterbach sprach der Gewerkschafter und EURES-Berater Thomas Schulz zu wichtigen Themen bei Stellenausschreibung und Stellensuche. Dabei zeigte sich sehr deutlich, welchen Hemmnissen sich überwiegend jungen Leute entgegensehen, wenn sie von den viel gepriesenen Möglichkeiten der europäischen Mobilität partizipieren wollen. "Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit hat in den letzten Jahrzehnten nicht die Früchte gebracht, die man erhoffte", begründete er manche Schwierigkeiten. Große Probleme, so die Expertenrunde, seien bei der Suche von geeigneten und preiswerten Unterkünften zu vermelden. Dies beziehe sich nicht unbedingt auf akademische Berufe, mehr denn je jedoch auf Ausbildungswillige in Handwerk und Dienstleistung.

Andreas Finke, Geschäftsführer der Kolping Jugendwohnen gGmbH, hatte die Lösung parat: "Wir haben überall in Europa Studentenwohnheime, aber was macht ein Azubi, wenn er eine längerfristige Bleibe braucht?" Seines Wissens hätten die Jugendwohnungen des Kolpingwerkes Vorbildcharakter, an dem man sich orientieren müsse. Finke: "Wenn die jungen Leute aus Spanien, Luxemburg oder Frankreich vernünftig untergebracht und betreut sind, dann bleiben sie auch."

Welt rückt zusammen

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand allerdings ein Vortrag des Bundesumweltministers. "Man sieht die berufliche Mobilität in Europa nicht, aber sie findet statt", sagte Altmaier. Die Veränderung habe sich vom klassischen Gastarbeiter aus Italien oder vom Balkan derart vollzogen, dass ein jeder mittlerweile Betroffener sein könne. "Als ich sieben Jahre alt war, war Remich eine andere Welt, und heute liegt Mallorca vor der Haustür", so Altmaier. Infolge der rasanten Entwicklungen bei Internet, Billigfliegern und anderen modernen Verkehrsmitteln sei die Welt zusammengerückt. Das betreffe in hohem Maße auch die Berufsbilder.

Als ehemaliger Koordinator des europäischen Versicherungswesens habe er in früheren Jahren seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht, meinte Altmaier und nannte ein Beispiel: "Stellt euch mal vor, da kommt ein italienischer Gastarbeiter, der zehn Arbeitsjahre in Italien absolviert hat, schuftet anschließend ein paar Jahre in den belgischen Kohlgruben, hat dann im Saarland bei Villeroy&Boch gearbeitet und eine Mettlacherin geheiratet, die inzwischen in Schengen an der Tankstelle als Kassiererin tätig ist. Darüber hinaus haben sich beide ein Häuschen in Apach gekauft."

Da stelle sich die Frage, wer die Rente zahlt oder das Kindergeld berechnet. Damals habe man ihm gesagt: "Das ist aber ein arg konstruierter Fall." Heute treffe man gleich über der Grenze solche Fälle zu Hunderten, versicherte der Minister. "Deshalb müssen wir uns mit diesen Themen beschäftigen", forderte Altmaier. Hilbringen. Für den Bundesumweltminister ist das Beherrschen mindestens einer Fremdsprache unabdingbar, wenn sich junge Leute in einem internationalen Arbeitsmarkt behaupten wollen.

Diese Einschätzung ließ er anlässlich einer Diskussionsrunde zum Thema "berufliche Mobilität in Europa" in der CEB Merzig seine Zuhörer wissen. Wenn junge Spanier derzeit wegen der extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit in ihrem Land auf den deutschen Arbeitsmarkt drängten, sei häufig eine schier unüberwindliche Sprachbarriere Grund für eine vorzeitige Aufgabe der Berufsausbildung. "Daran muss auf europäischer Ebene gearbeitet werden", befand der Minister.

Bei aller Wertschätzung für unser Nachbarland Frankreich sollten die jungen Deutschen bedenken: "Frankreich ist uns lieb und teuer, aber lernt englisch, denn das ist die Weltsprache", sagte Altmaier. Was ihm noch am Herzen liege: "Wir müssen mehr von den unterschiedlichen Kulturen in Europa lernen und die Mentalität anderer Nationen besser verstehen." owaFoto: Wagner