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Interview mit Cäcilia Bosch und Ansgar Hufnagel vor Auftritt in Merzig

Interview mit Cäcilia Bosch und Ansgar Hufnagel : Mit Worten auf Reise durch die Lebenswelten

Als Bühnen-Duo „Einfach so“ laden die Schauspielerin, die gebürtig aus Merzig kommt, und der Bühnenpoet zum Poetry-Slam ein. Beim Literaturfestival „Erlesen“ treten die beiden am Freitag, 5. April, ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung Rote Zora in Merzig auf.

Sie laden in Merzig zum Poetry-Slam ein und stellen da Ihr Buch vor, in dem Sie – laut Titel – auf „Sichtreisen“ gehen. Was genau sind denn Sichtreisen?

BOSCH Sichtreisen bedeutet, durch verschiedene Sichtweisen zu reisen. Unsere Texte erzählen von anderen Menschen, anderen Lebenswelten, anderen Ansichten. Wir reisen in dem Buch durch verschiedene Perspektiven.

HUFNAGEL Genau.

Frau Bosch, eine Reise haben Sie ja schon hinter sich: Sie sind nach dem Abitur in Merzig zum Studieren nach Freiburg gegangen und dort geblieben. Was vermissen Sie an Ihrer Heimat?

BOSCH Ruhe (lacht). In Freiburg gibt es ein wahnsinniges Überangebot an Aktionen und kulturellen Veranstaltungen. Ich genieße es aber manchmal, das Gefühl zu haben, dass ich mal nichts verpasse. Ich kann mich einfach mal fallen lassen und durch die Stadt laufen und habe nicht das Gefühl, zehntausend Sachen gehen an mir vorbei. Das ist ein Pluspunkt, was kleinere Städte und Regionen angeht.

Herr Hufnagel, können Sie dieses Lob für das ländliche Leben nachvollziehen?

HUFNAGEL Da ich ebenfalls in einer Kleinstadt aufgewachsen bin, kenne ich das sehr gut und gleichzeitig mag ich die Nähe zur Stadt. Gerne mit ein bisschen Abstand. Sozusagen das Beste aus beiden Welten.

Ihre Auftritte sind ein Mix aus Poesie, Schauspiel und Musik. Wie sehr hilft Ihnen Ihr Studium beim Poetry-Slam, Frau Bosch?

BOSCH Ich habe während der Schauspiel-Ausbildung viel mitgenommen, wovon ich jetzt profitiere. Auf der Bühne zu stehen und Präsenz zu haben, habe ich dort von der Pike auf gelernt. Oder der Umgang mit Lampenfieber und was ich mache, wenn ich einen Text vergesse. Eine ruhige Klarheit behalten zu können ist das, was ich stark mitgenommen habe. Und dann natürlich Körpersprache, Aussprache – ganz viel Handwerkszeug in Bezug auf Körper und Stimme.

Sie stehen nicht allein auf der Bühne, sondern als Poetry-Slam-Duo. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

BOSCH Wir haben uns bei meinem allerersten Poetry-Slam-Auftritt kennengelernt und sind uns in der Freiburger Slam-Szene nochmal über den Weg gelaufen. Zwischen uns entstand dann die Idee, ein Poetry-Slam-Team zu gründen. Wir haben gemerkt, dass wir künstlerisch eine sehr ähnliche Ausrichtung haben in dem, was wir wollen, unter Umständen auch einen gleichen Stil.

HUFNAGEL Ich würde eher sagen, dass wir sehr unterschiedliche Stile haben, diese sich allerdings sehr gut ergänzen und wir dadurch beide profitieren. In erster Linie macht es einfach sehr viel Spaß gemeinsam zu schreiben, an Texten zu feilen und diese dann zu proben.

Was macht Ihnen mehr Spaß: zu zweit aufzutreten oder allein?

BOSCH Auf jeden Fall zu zweit.

HUFNAGEL Sehe ich genauso.

Zurück zu den „Sichtreisen“. Sie präsentieren in ihren Auftritten Humorvolles, aber auch Sozialkritisches. Was sind Themen, die Sie im Moment besonders beschäftigen?

BOSCH Wir haben zum Beispiel vor zwei Jahren den Text „Peng“ geschrieben, in dem es um die Gegenüberstellung von zwei Parallelwelten geht – Kriegsgebiet und Partywelt. In diesem Text wird deutlich, was alles gleichzeitig auf der Welt passiert und wie unterschiedlich Lebenswelten sein können. Womit wir wieder bei den Sichtreisen wären.

HUFNAGEL Und ganz aktuell haben wir am 1. März ein Video zum Thema Nachhaltig Investieren veröffentlicht. Wofür geben wir unser Geld aus? Und was geschieht mit unserem Geld, wenn wir es den Banken überlassen? Themen kommen meistens automatisch zu uns und wir schauen dann, was wir daraus machen. Als nächstes haben wir ein Projekt zum Thema Wasser in Planung.

Wird es in Merzig einen bestimmten Schwerpunkt geben?

BOSCH Nein, das wird querbeet. Es wird ein Mix aus humoristischen Sachen und ein paar nachdenklichen Nummern.

HUFNAGEL Es ist uns auch einfach ein Anliegen unsere Vielfalt zu zeigen.

Frau Bosch, für Sie ist der Auftritt ja ein Heimspiel – Sie haben viele Jahre in Merzig gelebt. Sind Sie besonders aufgeregt?

BOSCH Ich freue mich wahnsinnig darauf, in der Heimat zu lesen. Gerade die Rote Zora kenne ich schon immer und auch die Leute da. Ich freue mich, Menschen bei der Lesung zu treffen, die ich nicht oft sehe und die noch nicht so viel davon mitbekommen haben, was ich eigentlich mache. Aber aufgeregter bin ich deshalb – Stand jetzt (lacht) – nicht.