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Integration ist keine Einbahnstraße

Integration ist keine Einbahnstraße

Kein Thema bewegt seit längerer Zeit die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In unserer Serie wird die Zuwanderung in die Merziger Region während der vergangenen 200 Jahre dargestellt.

Ein weiteres Integrationsmodell, das gerade hier in Deutschland in Teilen des politischen Spektrums viele Befürworter findet, ist das des Multikulturalismus, der zumeist in abwertender Absicht auch als "Multikulti" bezeichnet wird. Seine Befürworter treten für den Schutz und die Anerkennung kultureller Unterschiede durch den Staat ein. Multikulturalismus steht daher dem Gedanken einer dominanten Nationalkultur entgegen.

Sein Ziel ist vielmehr eine Gesellschaft, in der es keinen staatlichen oder auch nichtstaatlichen Anreiz oder "Druck" zur Assimilation geben soll. Die ethnischen und kulturellen Gruppen sollen hingegen einzeln existieren und auch voneinander unterscheidbar bleiben. Dabei beruht dieses Modell auf dem Postulat, dass die Angehörigen der jeweiligen Ethnien sich gegenseitig Verständnis, Respekt sowie Toleranz entgegenbringen und einander als gleichberechtigt ansehen.

Es gibt andererseits aber auch seitens der Mehrheitsgesellschaft berechtigte Erwartungen an die ins Land strömenden Menschen, dies nicht zuletzt durch die massenhafte Zuwanderung aus einem überwiegend muslimisch geprägten Kulturkreis. Gerade diesem Kulturkreis stehen in der deutschen Bevölkerung inzwischen aufgrund der Ereignisse des aktuellen Weltgeschehens allerdings viele sehr skeptisch und mit großen Vorbehalten gegenüber.

Die derzeit von vielen propagierte Willkommenskultur darf daher nicht nur einseitig sein, vielmehr muss man die Migranten unbedingt darauf hinweisen, dass es ihrerseits so etwas wie eine Bringschuld der Mehrheitsgesellschaft gegenüber und berechtigte Erwartungen an sie als Einwanderer gibt. Es wird deshalb von ihnen verlangt, dass sie die Werte des Grundgesetzes, wie Gleichheit von Mann und Frau, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, und nicht zuletzt auch die Religionsfreiheit anerkennen. Dabei letzteres sowohl die Freiheit, eine Religion ausüben zu dürfen, als auch keiner Religion anzugehören, beinhaltet. Zuwanderer haben deshalb auch zu akzeptieren, dass selbst die Apostasie, das heißt die Abwendung von einer Religion durch einen förmlichen Akt, wie dies beispielsweise beim Kirchenaustritt oder dem Übertritt zu einem anderen Bekenntnis der Fall ist, in unserer Werteordnung keineswegs ein Verbrechen darstellt, auf das wie in der Scharia die Todesstrafe steht.

Als Ausweis dafür, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, muss deshalb beispielsweise auch akzeptiert werden, dass Mädchen selbstverständlich am Schwimmunterricht und an Klassenfahrten teilnehmen können. Andererseits muss klar sein, dass "Ehrenmorde" an Töchtern und Schwestern, die ihre Partner gerne allein wählen und ihr Leben nach eigenen Vorstellungen leben wollen, ein übles Verbrechen sind. Wenn es die Politik ernst meint mit der Beteuerung, dass unsere Werte und Gesetze anerkannt werden müssen, dann darf ebenso nicht toleriert werden, wenn Männer sich aus Glaubensgründen weigern, einer Frau die Hand zu geben oder Essen von ihr in Empfang zu nehmen. Ein Mann darf es auch nicht ablehnen, von Ärztinnen behandelt zu werden. So ein Verhalten ist frauenfeindlich; es diskriminiert zudem die Hälfte der einheimischen Bevölkerung.

Weiterhin muss auch klar sein, dass es keinen Hass seitens der Zuwanderer auf Juden geben darf. Das verbietet sich in Deutschland allein schon aufgrund seiner Geschichte und der Verbrechen, die in deutschem Namen gegen die jüdische Bevölkerung verübt wurden. Gerade im Hinblick darauf, dass Judenhass jedoch in vielen muslimischen Staaten und Gesellschaften sozusagen zur Staatsräson zählt und viele Flüchtlinge aus Syrien, das sich mit Israel quasi immer noch im Kriegszustand befindet, in diesem Bewusstsein sozialisiert worden sind, dürfte dies nicht ganz unproblematisch sein.