In Merzig engagieren sich die "Omas gegen Rechts" für mehr Toleranz

Omas gegen Rechts : In Merzig werden sie laut gegen Fremdenhass

Seit März machen die Omas gegen Rechts in der Kreisstadt mobil. Sie wollen sich gemeinsam für Schwächere einsetzen.

Sie sagen „Nein“ zu menschenfeindlichem Gedankengut und Rassismus, positionieren sich gegen Fremdenhass: Die Omas gegen Rechts sind nach eigenem Bekunden eine deutschlandweite zivilgesellschaftliche und überparteiliche Initiative, die sich nach Aussagen der Organisatoren in den politischen Diskurs einmischen will, getreu ihrem Motto: „Alt sein heißt nicht stumm sein.“

Ein Motto, nach dem auch die Initiatorin der Gruppe in Merzig lebt: Seit März ist Ingrid Buchberger laut. Sie will, dass man sie hört. „Angefangen habe ich vor den Wahlen auf dem Kirchplatz in Merzig“, um Aufmerksamkeit zu erregen, erzählt sie. Danach verschlug es die Mitglieder der Gruppe in die Fußgängerzone, wo sie Buttons und Broschüren an die Fußgänger verteilten. So kam auch Katharina Strauch dazu, die im Zuge ihrer Arbeit beim Jugendintegrationsprojekt „Divercity – Merzig gemeinsam gestalten“ die Flyer sah und sich engagieren wollte. Schnell fanden sich mehr Interessierte.

Die Omas gegen Rechts finden, dass mit dem Erstarken von AfD und Rechtsextremen der Ton in der Gesellschaft rauer geworden sei. Laut und deutlich fordern diese mehr Abschiebungen, geschlossene Grenzen, die Abschaffung des Familiennachzuges und stellten eine Religion unter Generalverdacht.

Ebenso sei die Zahl der Rechtsextremisten im Jahr 2018 auf 24 100 gestiegen, auch habe die Zahl rechtsextremer Gewalttaten laut einem Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz im vergangenen Jahr in Deutschland zugenommen. Ereignisse wie die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) oder der jüngste antisemitische Anschlag von Halle zeigten, wie notwendig der Einsatz gegen Rechts ist. Sich in diesen Zeiten zu engagieren, erschien Ingrid Buchberger „wichtig“, wie sie selbst sagt.

Das Ziel der Omas gegen Rechts ist, ihre Stimme zu nutzen und sich gegen Ausländerhass und Intoleranz einzusetzen, sich dort lautstark zu erheben, für Schwächere einzusetzen und für menschliche Werte einzutreten, wo immer es erforderlich ist. „Wir sind in der Lage zu sprechen und wollen für die sprechen, die es vielleicht nicht können“, sagt Strauch. Zeitgleich wissen sie: „Es gibt Menschen, mit denen können wir nicht reden“, sagt sie, „weil diese schon zu radikalisiert sind. Es muss der Wille da sein, zuzuhören und mit uns darüber zu reden.“

Ingrid Buchberger wuchs in der DDR auf, sie wisse aus eigener Erfahrung, wie es ist, zum Schweigen gezwungen zu werden. „Wir durften den Mund nicht aufmachen“, sagt sie. Ihr gelang damals die gefährliche Flucht in den Westen. Diese Erlebnisse haben sie geprägt. „Ich möchte keinen Krieg“, sagt Buchberger, „ich kann mich in die Flüchtlinge hinein versetzen“, betont die Organisatorin. Ihr sei es wichtig, aufzuklären und offen zu sein. Haltung zu zeigen. Niemand soll ihnen später vorwerfen: „Und ihr habt nichts dagegen getan.“

Seit Juni treffen sich die Omas regelmäßig, um weitere Aktionen zu planen. Ihr nächstes Treffen ist am Donnerstag, 7. November, 17 Uhr, im Café Kaufhaus Kahn. Dabei sprechen sie über ihre Beteiligung an der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am kommenden Montag in Merzig.

Weitere Informationen gibt es unter Tel. (0 68 61) 45 04.

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