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Im Seniorencafé kommen 1700 Jahre zusammen

Im Seniorencafé kommen 1700 Jahre zusammen

Nicht nur Ältere kommen im Mehrgenerationenhaus zum Zug, auch für jüngere Generationen engagieren sich die Mitarbeiter.

"Gemeinschaft stiften. Menschen helfen, darum geht es im Mehrgenerationenhaus des SOS-Kinderdorfs in Merzig", sagt Leiterin Ursula Zeimet. Seit 2007 besteht die Einrichtung, die bis zur Aufnahme ins Bundesprogramm "Mehrgenerationenhaus" des Familienministeriums, unter dem Namen "Jung hilft Alt" lief.

Das Wort "Haus" sei etwas irreführend, weil man in der Merziger Einrichtung, im Gegensatz zu ähnlichen Angeboten in Saarbrücken, nicht wohnen könne, sagt Zeimet. Seinen Ursprung hat das Mehrgenerationenhaus in der Jugend-Berufshilfe. "Den Zweig gibt es nach wie vor", betont sie.

"In Form von Beschäftigung, Qualifizierung und Ausbildung junger Menschen beispielsweise in der Altenpflege oder der Hauswirtschaft." Insgesamt beschäftigt das Mehrgenerationenhaus nach ihren Angaben 85 Personen. Darunter 27 Stamm-Mitarbeiter, 26 Ehrenamtliche und 32 Beschäftigte, zu denen neben den vom Jobcenter vermittelten Teilnehmern an Qualifikationsmaßnahmen auch Auszubildende, Praktikanten und Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) gezählt werden. Sechs große Bereiche vereinigt das Haus am Seffersbach unter seinem Dach.

Dazu gehört auch der Offene Treffpunkt, in dem es, neben vielen weiteren Angeboten, an allen Wochentagen von 12 Uhr bis 14 Uhr einen Mittagstisch gibt. Seit vier Jahren ist Heike Prangenberg für den offenen Treffpunkt zuständig und organisiert unter anderem dienstags das Seniorencafé. Dort trifft sich die ältere Generation, singt zusammen oder diskutiert alltagspolitische Themen wie den Brexit. 1700 Jahre ist die Gruppe insgesamt alt, haben sie mal zusammengezählt, scherzt Prangenberg.

Die Menschen, von denen die jüngste 59 und die älteste 94 Jahre alt ist, schätzen vor allem die Gesellschaft und dass die Gruppe so viel miteinander lachen kann. "Wir haben ausgemacht, dass wir hier nach Möglichkeit nicht über Krankheiten reden", sagt Prangenberg. Einige der Senioren im Seniorencafé sind Gäste in der Tagespflege, die das Mehrgenerationenhaus anbietet. Zwölf ältere Menschen werden dort montags bis freitags von 7.30 Uhr bis 17 Uhr betreut. Ein Fahrdienst holt die älteren Herrschaften zu Hause ab und bringt sie auch wieder zurück. "Die Senioren bekommen bei uns Frühstück, anschließend lesen wir die Zeitung und sprechen über die Artikel", erzählt Sabine Gräff, für die Seniorentagespflege zuständig. Auch Gedächtnistraining oder Sitzfußball gehören zum Tagesplan. Für die Mittagsruhe nach dem Essen stehen der Einrichtung Ruheräume mit Sesseln und Betten zur Verfügung. Am Nachmittag ist Zeit zum gemeinsamen Singen oder für Kaffee und Kuchen.

Für den Bereich der Jüngsten unserer Gesellschaft, die so genannten "Frühen Hilfen", ist Stefanie Müller-Raß zuständig. Unter dieses Bundesprogramm fallen die Angebote für Kinder bis zum Schulalter, erläutert sie. Die Angebote seien vielfältig. Im Erdgeschoss bietet das Mehrgenerationenhaus eine stundenweise Kinderbetreuung an, außerdem gibt es einen Spielkreis, eine Krabbelgruppe und ein Elterncafé, wo Eltern die Möglichkeit zum Austausch rund um das Thema Erziehung haben. Müller-Raß erzählt von der Pekip-Gruppe, einem Eltern-Kind-Programm für Babys ab drei Monaten, bei dem es darum geht, die Entwicklung des Kindes bewusst wahrzunehmen, zu begleiten und zu fördern sowie die Eltern-Kind-Bindung zu stärken. Weitere Angebote sind unter anderem "Spielen zu Hause" und der Elternkurs.

Ein weiterer großer Bereich des Mehrgenerationenhauses ist die Hauswirtschaft. Das Mittagessen oder die Kuchen für die Seniorentagespflege werden von sieben Auszubildenden in der Hauswirtschaft und ihren beiden Ausbilderinnen zubereitet. Zur Ausbildung gehört auch der Bereich Textilpflege. Bedürftigen Menschen, die vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr die eigene Wäsche versorgen können, bietet das Haus einen Wäscheservice an.

Ebenso an die Einrichtung angegliedert ist der Mobile Soziale Dienst für haushaltsnahe Dienste. In der Regel ein Mal pro Woche fahren die Mitarbeiter die Haushalte von Senioren oder Familien in Notsituationen an und putzen oder waschen, gehen mit den Klienten zum Arzt, zum Einkaufen oder einfach nur Spazieren. Dabei versuchen sie eine möglichst gleichbleibende Besetzung einzuhalten. "Die Senioren mögen Veränderungen oft nicht mehr so gern", sagt Christine Engel, die seit fünf Jahren täglich zwei Haushalte betreut. Daneben bietet das Haus viele weitere Angebote wie einen Patchwork-Kurs oder einen Integrationskurs für Frauen. Außerdem werden die Räume vermietet für Gesundheitskurse, beispielsweise Qi Gong oder Pilates.

www.sos-kinderdorf.de/kinderdorf-saar