Interview: „Ich mache aus der Kreisstadt eine Chancenkommune“

Interview : „Ich mache aus der Kreisstadt eine Chancenkommune“

Der Bürgermeisterkandidat der SPD für Merzig will als Rathauschef beim autonomen Fahren und bei der Digitalisierung die Stadt voranbringen.

Welche Probleme sind Ihrer Meinung nach die größten in Merzig?

CHRISTOPH REHLINGER: Die Kreisstadt ist Wohlfühlstadt! Das ist aber nicht selbstverständlich. Mit einem „Weiter so“ wird es nicht gehen. Den Sanierungsstau bei städtischen Schulen, Straßen, Kitas oder Bürger- und Vereinsheimen ist enorm. Ich will ihn beheben.

Gleiches gilt beim Busverkehr. Ich komme aus Brotdorf und wohne in Büdingen. Ohne Auto gibt´s es da kaum Möglichkeiten. Die schlechte ÖPNV-Situation bremst unsere Entwicklung enorm. Die Folgen können wir täglich auf der Brücke über die Saar oder in der Kernstadt sehen. Der Austausch zwischen Bürgermeister, Bürgern, Vereinen und Wirtschaft findet kaum statt. Die Kluft ist zu groß! Eigentlich sehe ich das als größtes Problem an.

Was würden Sie anders als Ihr Vorgänger machen, wenn Sie Bürgermeister wären?

REHLINGER: Ich will mit den Bürgerinnen und Bürgern in allen 17 Stadtteilen reden. Darunter leidet die Kreisstadt. Unser Zusammenhalt geht verloren. Ich habe jetzt schon über 1000 Haushalte persönlich besucht, und auch als Bürgermeister würde ich damit nicht aufhören. Ich möchte zu den Menschen gehen und mit Ihnen entscheiden. Was unsere Wirtschaft und unsere Stadtentwicklung angeht, setze ich auf Fortschritt und Erfolge statt auf Pressemitteilungen. Dazu gehört eine enge Kooperation mit Luxemburg. Gleiches gilt bei neuen Entwicklungen wie dem autonomen Fahren und der Digitalisierung. Da können wir richtig Fahrt aufnehmen. Auch bei der Sicherheit müssen wir die Lage neu bewerten. Gut ist, dass mit der SPD im Rat zusätzliche Kräfte mobilisiert werden konnten. Mein Ziel ist es aber, dass der Innenminister und nicht nur der Stadtrat aktiv wird.

Wenn Sie für die Kreisstadt drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

REHLINGER: Erstens: Den Zusammenhalt beleben und stärken: Nur so holen wir das Beste für die Kreisstadt mit ihren 17 Stadtteile heraus. Wir sind alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt und wollen gut und gerne hier leben. Zweitens: Ich wünschte, ich könnte etwas gegen die Bausünden der Vergangenheit tun. Stadtplanerisch ist da einiges schief gegangen. Wenn wir die Chance haben, auf ökologische Stadtplanung zu setzen, will ich sie nutzen. Lieber mehr Stil statt noch mehr Bauklötze. Drittens: Ich will die Kita-Gebühren abschaffen und die Mietsteigerungen eindämmen. Das bringt den Menschen in Merzig mehr Fairness.

Wie wollen Sie das finanzielle Problem in den Griff kriegen?

REHLINGER: 55 Millionen Euro Schulden sind enorm. Aber ich sehe Licht. Die SPD hat ja den Saarlandpakt aufgelegt. Die Kommunen geben die Hälfte der rund zwei Millarden Euro Schulden ans Land ab. Das hilft natürlich auch Merzig. Dazu kommen rund 20 Millionen Euro pro Jahr für alle zum Investieren. Ich will die Freiräume nutzen, um die verbleibenden Kassenkredite zu tilgen und in Schulen, Kitas, Straßen oder Bürgerhäuser zu investieren. Statt Jammerbriefe zu verfassen, brauchen wir ein Sanierungskonzept auf der Grundlage der neuen Zahlen! Ich habe noch niemanden gehört, der berechnet hat, wie sich beispielsweise der Wegfall der erhöhten Gewerbesteuerumlage auswirkt. Dabei ist klar: Für Merzig bedeutet das Geld extra.

Welche Stärken hat Merzig aus Ihrer Sicht?

REHLINGER: Merzig hat knapp 30 000 Stärken, verteilt auf 17 Stadtteile. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Kreisstadt sind ein absolutes Pfund! Wenn man aber nicht mit den Menschen spricht, bleibt diese Stärke brach liegen. Das ändere ich und mache aus der Kreisstadt eine Chancenkommune! Gesundheit, Tourismus oder Digitalisierung – diese Bereiche warten nur darauf, wach geküsst zu werden. Dazu kommt unsere einzigartige Kultur. Wir sind Stadt am Fluss und wenn wir das endlich ernst nehmen, bildet sich eine bisher ungenutzt Achse vom Saargarten über den Seffersbach hin zum Wolfspark.

Welche Aufgabe wollen Sie als erste nach Ihrer Wahl anpacken?

REHLINGER: Mein erstes Anliegen wird die Einführung eines Vereinsmanagers. Nach so vielen Streichrunden und Entbehrungen für unsere Vereine brauchen unsere Vereine ein Signal, dass da einer für sie da ist. Darum geht es mir genauso wie um die praktische Hilfe. Bei Themen wie Datenschutz, Hygienevorschriften, Fördermöglichkeiten und vieles mehr. Der Vereinsmanager wird mit mir seinen Dienst im Rathaus so schnell wie möglich aufnehmen!

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