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„Ich fühle mich im Saarland sauwohl“

Merzig. Als Manager von Fußballbundesligist Bayer 04 Leverkusen wurde Reiner Calmund (67) bekannt. Mittlerweile ist „Calli“ aber zur Marke für alles geworden, was mit dem sinnenfrohen Erwerb und dem leidigen Loswerden von Pfunden zu tun hat. Seit vier Jahren lebt der studierte Betriebswirt mit seiner Familie im Saarland und preist die Vorzüge des kleinen Landes, wo er nur kann. Kommenden Sonntag, 4. September, 18 Uhr, ist Calmund im Merziger Museum Schloss Fellenberg zu Gast. SZ-Redakteur Oliver Schwambach sprach mit dem schlagfertigen Rundumgenießer.

Vor vier Jahren sind Sie ins Saarland gekommen, haben mittlerweile sogar in Saarlouis ein Haus gebaut. Gab es bisher je einen Tag, an dem Sie den Umzug bereut haben?


Calmund: Nein, meine Frau Sylvia, unsere Tochter Nicha und auch ich Unruhegeist fühlen uns im Saarland sauwohl.

Als Sie herkamen, sagten Sie, Sie ziehen vor allem aus zwei Gründen her: des guten Essens wegen und zum Entschleunigen. Schaut man sich aber Ihren Terminkalender an, klappt das mit dem Entschleunigen wohl nicht…

Calmund: Wir, oder besser gesagt ich, haben unser Familienleben im Saarland eindeutig beruhigt und entschleunigt. Acht Monate malochen mit genügend freien Tagen und knapp vier Monate Urlaub sind doch eine Work-Life-Balance. Und Bestätigung, dass uns das Saarland gut tut. Wir haben hier eine neue Heimat gefunden. Das ruhige, idyllische und wunderschöne Städtchen Saarlouis ist für uns einfach perfekt. Wir haben uns direkt wohlgefühlt. Die Menschen begegnen uns sehr freundlich und offen, wir haben schnell Freunde und gute Nachbarn gefunden.

Anders als viele andere in der TV-Öffentlichkeit machen Sie aus Ihren vermeintlichen Schwächen konsequent Stärken, machen selbst die besten Witze über Ihr Gewicht, bevor es ein anderer tut. Fällt Ihnen so viel Selbstironie immer leicht?



Calmund: Jeder sollte sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Und nur der kann über andere lachen, der auch über sich selbst lachen kann. Einer meiner Lieblingssprüche lautet: "Ich mag alles! Außer Hunger!" Und wenn mir einer querkommt, dann sage ich ihm: "Es haben sich schon eine Menge Menschen blöd gesoffen. Aber noch keiner hat sich dumm gefressen." Spaß beiseite. Mein Lebensmotto lautet: "Schenk‘ dem Leben nicht mehr Jahre, sondern schenk‘ den Jahren mehr Leben". Ich mag kein Grünfutter, keine Körner und keinen mageren Joghurt . Und - toi, toi, toi - meine internistischen Werte sind gut. Wenn aber mein Arzt sagen würde, dass ich bald beim lieben Gott lande, wenn ich so weitermache, dann esse ich auch die Körner, das Grünfutter und den geschmacklosen Joghurt , weil mir das Leben mit meiner Frau, meinen Kindern und den Freunden wichtiger ist als genussvolles Essen. Ich habe gerade 17 Kilo abgenommen. Das sieht man vielleicht nicht deutlich, trotzdem fühle ich mich federleicht und sehr gut dabei.

So begeistert wie Sie über Ihre Wahlheimat reden, sehen sie viele Saarländer selbst nicht. Die Landesregierung versucht dem Land mit der Kampagne - "Großes entsteht immer im Kleinen" - ein neues Image zu verpassen...

Calmund: Die Kampagne ist für mich nachvollziehbar. Das Saarland war politisch begehrt wegen der Kohle und hat in den 50er und 60er Jahren eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa gespielt. Inzwischen ist der Bergbau eingestellt, was für große Sorgen und Emotionen gesorgt hat. Dieser Wirtschaftszweig war ja einige hundert Jahre die Haupteinnahmequelle vieler Menschen. Den Strukturwandel hat das Saarland dank der Automobilindustrie und -Zuliefererbranche gut gemeistert. Aktuell ist es in der Informatik und der IT-Sicherheit auf dem Vormarsch. Auch die Bildungspolitik ist trotz verschiedener Probleme sehr gut. Das Saarland steht auf vier Säulen: schön, modern, lecker, herzlich.

Was müsste im Saarland auch im Vergleich zu anderen Bundesländern ganz schnell besser werden?

Calmund: Das Saarland sollte sich in erster Linie auf seine Möglichkeiten und Stärken konzentrieren. Da fällt mir spontan Vieles ein: Es gibt ein großes Freizeit-Angebot für die ganze Familie und mittlerweile auch wieder attraktive Jobs. Das Saarland liegt übrigens nicht am Rande von Deutschland, sondern im Zentrum von Europa. Straßburg, Luxemburg, Brüssel sind nah. Ich persönlich bin auch mit der Verkehrsanbindung zufrieden. Die Flughäfen in Saarbrücken, Luxemburg und Frankfurt sind ja alle durchaus schnell zu erreichen.

Was ganz sicher besser werden muss, ist der Fußball im Saarland. Ein runderneuertes Stadion für den 1.FC Saarbrücken ist ja in Sicht, aber was muss passieren, dass der Saar-Fußball wieder halbwegs konkurrenzfähig wird?

Calmund: Das ist ein langer Weg. Ich mag Vereinsfans, die in mageren Zeiten ihren Klub unterstützen und auch den Slogan "Liebe kennt keine Liga" finde ich sehr gut. Allerdings müssen für Vereinsführung und die erste Mannschaft des 1. FC Saarbrücken der sportliche Erfolg im Vordergrund stehen. Es kann nicht sein, dass man denen ein neues Stadion hinsetzt, die Sponsoren - allen voran Hartmut Ostermann - viel Geld investieren und die Fans sich seit Jahren echten Profi-Fußball nur im Fernsehen oder mit dem Fernglas anschauen können. Da stimmt doch was nicht. Vielleicht sollten sie mit ihren Mitgliedern ernsthaft über eine Fusion mit Elversberg nachdenken, man könnte dann Kompetenzen und Finanzen für den Erfolg bündeln. Hartmut Ostermann und Frank Holzer , die Macher beider Klubs, haben mir persönlich jedenfalls großes Interesse an solch einer Lösung bestätigt. Das Ziel sollte ein Zweitligist für das Saarland sein und keine Kirchturmpolitik, wo jeder an seinem Posten klebt.

"Sonntags um 6" mit Reiner Calmund am 4. September, 18 Uhr, im Museum Schloss Fellenberg in Merzig.