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Immer wieder sonntags
„Ich bin eher so der Landgänger“

Stefan Mross kommt mit seiner Show in die Merziger Stadthalle.
Stefan Mross kommt mit seiner Show in die Merziger Stadthalle. FOTO: SZ / Veranstalter
Merzig. Der Volksmusiker Stefan Mross gastiert mit „Immer wieder sonntags“ in Merzig. Hier plaudert er über seine Erfahrungen im Saarland.

Die Schlager- und Volksmusikshow „Immer wieder sonntags“ ist am Samstag, 13. Januar, in der Stadthalle Merzig zu Gast. Moderiert wird die Show von TV-Entertainer Stefan Mross. Was ihm an unserer Region so gefällt verrät Mross im Gespräch mit der SZ.


Wie oft waren Sie schon im Saarland?

Stefan Mross: Ich stehe mittlerweile seit fast 30 Jahren auf der Bühne und war schon vor knapp 30 Jahren des Öfteren in Saarbrücken. Denn in der Saarlandhalle wurde einige der größten Sendungen für das ZDF und die ARD aufgezeichnet. Außerdem war ich im Kongresszentrum in Saarbrücken und in St. Wendel bei einer großen Kirmes, wo ich viel Spaß hatte. Es war ein sehr gutes Publikum und natürlich das Gegenteil zur Saarlandhalle. Es herrschte eher Festzeltstimmung. Das Saarland ist mir also wohlgesonnen, und ich war schon mehrmals da. Auch in Merzig.



Was gefällt Ihnen so gut am Saarland?

Mross: Die Mentalität, die ganz anders als in Bayern ist. Die Bayern sind eher die Sturen, will ich mal behaupten. Der Saarländer ist offen, man kann direkt auf die Leute zu gehen.

Kommt Ihnen diese Mentalität entgegen?

Mross: Ja, natürlich, dann hat man es auf der Bühne nicht so schwer. Wenn man erst eine halbe Stunde rödeln muss, um wirklich Stimmung in die Halle zu bekommen, ist das eher mit Arbeit als mit Spaß verbunden. Wobei diese Arbeit auch Spaß macht, wenn man das Publikum aufwecken muss. Aber es ist der schönere Weg, wenn die Leute ab der ersten Minute mit dabei sind.

Was würden Sie aus dem Saarland gerne mitnehmen?

Mross: Ich würde es begrüßen, wenn man die Mentalität mitnehmen könnte. Wobei jeder seine Kostbarkeiten hat, und ich würde nichts aus dem Saarland mitnehmen. Jeder hat so seine Eigenheiten, ob das jetzt Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg oder Bayern ist. Und das ist traditionsgemäß schon so in Ordnung.

Vermissen Sie etwas, wenn Sie im Saarland sind?

Mross: Im Grunde nicht. Ich komme ja mitten aus den Bergen, damit kann man das Saarland nicht vergleichen. Es gefällt mir, dass es hügelig ist. Man ist schnell in Frankreich, in Luxemburg und das macht schon Spaß. Saarbrücken ist eine sehr schöne Stadt und für mich als Landkenner ist es sehr interessant, in solchen Städten unterwegs zu sein. Das Saarland hat viele Facetten.

Wie kam man auf Merzig als Veranstaltungsort?

Mross: Ich bin eher so der Landgänger und gehe mit Tourneen nicht unbedingt in die großen Städte. Da sind die anderen. Ich bin mehr für das Revier auf dem Land zuständig, und das macht sehr viel Spaß.

Wieso hat man sich erneut für diesen Veranstaltungsort entschieden?

Mross: Das Programm ist sehr gut angekommen. Wir durften viele Leute glücklich nach Hause schicken, das ja unsere Hauptaufgabe in der Unterhaltungsbranche ist. Die Halle ist sehr sehr schön, nicht zu groß und nicht zu klein, und die Veranstaltung war letztes Jahr gut besucht. Man ist relativ wenig im Saarland, und daher gefällt mir das gut.

Welche Erinnerung haben Sie noch an letztes Jahr?

Mross: Dass es zwischen 14 und 17 Uhr dort nichts zu essen gibt. (lacht). Wir hatten Hunger, haben etwas zu essen gesucht und nichts gefunden. Das Zweite war, dass in Merzig der absolute Frühling eingetreten war, wodurch die Bäume im Park alle geblüht haben. Es war wirklich ein ganz sensationeller Tag, und Merzig blieb uns sehr gut in Erinnerung. Und ich durfte mich ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Sendung „aufs Land zu bringen“?

Mross: Es ist schon mal interessant, eine Fernsehsendung auf Tournee zu bringen. Ich mache das jetzt im siebten Jahr und wie erwähnt ist es so, dass in den Städten sehr viel an Programm unterwegs ist. Vor allem möchte ich auf Tournee gehen und auf mein Publikum zugehen. Darum verschlägt es mich eben dort hin, wo es die Leute vielleicht nicht so sehr erwarten. Sie freuen sich, dass man an die Haustür kommt und sagt „Hallo, hier sind wir“. Wir haben 2017 über 80 Termine und Städte absolviert, und das war mir definitiv zu viel. Dieses Jahr haben wir 43, und wir haben uns die beliebtesten Orte rausgesucht. Bei Merzig hat die Erfahrung gezeigt, dass wir wiederkommen sollen, und da sind wir.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von „Immer wieder sonntags“?

Mross: Wir haben meist die höhere Quote, weil wir Künstler haben, die man nicht mehr alltäglich im Fernsehen sieht. Ich darf die Sendung jetzt seit 14 Jahren moderieren, und hätte damals einer gesagt, du darfst die Sendung 14 Jahre moderieren, dann hätte ich ihm wahrscheinlich meinen schönsten Vogel gezeigt. Es hat Gott sei Dank auch viele Kritiker am Anfang gegeben, die gesagt haben, der Mross macht es höchstwahrscheinlich nur zwei, drei Jahre, und dann ist er weg. Weil er so was nicht kann. Ich konnte es ja auch nicht. Ich wurde in einen Eisbrunnen geschmissen, nicht nur in kaltes Wasser. „Immer wieder sonntags“ ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Unterhaltungssendungen im Deutschen Fernsehen, das macht uns sehr, sehr stolz. Die Kritiker sind mittlerweile verstummt und schauen vielleicht selber zu. Ich nenne „Immer wieder sonntags gerne“ ein Frühshoppen am Sonntagvormittag mit zwei Stunden Programm. Dazu gehören Größen wie Roland Kaiser, aber auch der Nachwuchs und Newcomer, die nirgendwo sonst im Deutschen Fernsehen vielleicht eine Plattform bekämen. Es ist richtige Volksmusik mit drin, es ist moderner Schlager drin, und es gibt Abwechslung mit Spaß und Gags.

2018 sind bei der Sonntagvormittagshow radikale Änderungen geplant, war zu lesen. Wie sehen diese aus?

Mross: Die einzige radikale Änderung ist, dass wir ein komplett neues Bühnenbild bekommen, weil das vorhandene langsam durch die Witterung, der es bei einer Open-Air-Veranstaltung ausgesetzt ist, marode wurde und jetzt den Geist aufgibt. Ansonsten wollen wir keine radikalen Änderungen, warum auch? Die Leute sollen einschalten, sich wohlfühlen und den Wiedererkennungswert haben. Von daher will ich aus meiner Sendung keine Helene-Fischer-Show machen. Das ist was Schönes, aber „Immer wieder sonntags“ soll seinen Charakter behalten. Wenn es ab dem 27. Mai wieder los geht, wird es natürlich einige Erneuerungen geben, zum Beispiel verschiedene Kategorien mit neuen Spielen, aber das Grundgerüst soll so bleiben.

Zu Ihrem 25. Bühnenjubiläum hatten Sie eine eigene Sendung bekommen. Planen Sie eine Sendung zu Ihrem 30. Jubiläum nächstes Jahr?

Mross: Ich hoffe sehr, dass es so was wieder geben wird. Es wäre ein großer Wunsch, aber nicht ich entscheide, sondern die Sendeanstalten. Wenn die sagen, der Mross ist interessant, und wir wollen eine 30-jährige Jubiläumsshow machen, dann sehr, sehr gerne. Wer möchte das nicht?

Was erwidern Sie auf den Vorwurf, Volksmusik sei für alte Leute?

Mross: Das ist mir völlig wurscht. Die Leute, die das sagen, sind meistens die, die irgendwo in einem Festzelt nach der zweiten Maß Bier auf dem Tisch stehen und mitsingen. Seit 30 Jahren höre ich das, und ich stehe auch dazu, dass das Publikum ältere Leute sind. Aber mittlerweile sagen so viele Leute, ich ziehe mir mein Dirndl an, ich zieh mir meine Hosen an und gehe zu „Immer wieder sonntags“ oder zu Florian Silbereisen. Das ist mittlerweile ganz bunt gemischt.

Was macht für Sie Volksmusik aus?

Mross: Man hat sich ja bis vor 20 Jahren noch dafür schämen müssen, wenn man überhaupt Deutsch gesungen hat. Mittlerweile ist man wieder stolz darauf, in seiner Heimatsprache zu singen, und Volksmusik und Schlager macht eben aus, dass ich ab der ersten Minute den Text auch verstehe. Wie viele Leute gibt‘s denn, die bei englischen Texten mitgröhlen? Und dann fragt man denjenigen, was er da eigentlich singt, und er hat keine Ahnung, aber die Melodie ist cool. Die Leute wollen sofort unterhalten werden und dabei sein, wollen mitdenken, wollen mitfühlen, wollen mitlachen und mitsingen und das macht es aus.

Die Tournee ist vor einer Woche erst gestartet. Wie kommt diese bisher bei den Leuten so an, und was fällt Ihnen auf?

Mross: Dass wir die Leute sehr, sehr glücklich nach Hause schicken, das steht schon mal fest. Das haben wir jetzt sechs Mal getestet, und das Programm kommt gut an. Die Leute hören endlich mal wieder Lieder, die sie gar nicht mehr hören, sei es im Fernsehen oder im Rundfunk. Es möchten keine fünf Künstler ihre aktuelle CD auf der Bühne präsentieren, sondern es sind Lieder, die ab der ersten Minute zum Mitsingen einladen, und das gefällt den Leuten wahnsinnig gut. Das erzähle ich auch jeden Tag auf der Bühne, dass ein Programm auf sie zukommt, das ihnen vertraut ist, weil ihnen die Lieder bekannt sind. Aber ich habe auch schon Tourneen absolviert, wo ich gedacht habe, die drei Stunden gehen nicht vorbei. Das ist auch beim Fernsehen so. Es gibt mal schlechtere Sendungen und nicht nur gute, das ist völliger Quatsch. Man hat auch nicht immer die Künstler zur Verfügung, man kann nicht in jeder Sendung Andrea Berg oder die Kelly Family haben.

Wie bereiten Sie sich auf die Tournee vor?

Mross: Nach einer Tournee ist vor einer Tournee. Ich war jetzt vier Wochen auf Weihnachtstournee quer durch Baden-Württemberg und habe neues Terrain für Weihnachten getestet, was sehr, sehr gut ankam. Man hat eigentlich wenig Zeit, um eine neue Tournee vorzubereiten. Für die Tournee mache ich das Bühnenbild, ich stelle das Licht zusammen, schreibe das Buch, lasse mir Ideen durch den Kopf gehen. Alles, was „Immer wieder sonntags“ auf Tournee ist, entspringt zu 100 Prozent meinem Kopf. Ich stelle das Programm zusammen, und das ist eigentlich meine Vorbereitung. Ich verschicke viele E-Mails, spreche mich mit den Kollegen ab, welche Medleys gesungen werden, und es gibt Probentage. Wichtig ist, dass man gesund in eine Tournee geht. Ist man erkältet, was ich momentan bin, kriegt man diese auf Tournee nicht so leicht weg, weil man sich nicht so auskurieren kann.

Wie sieht ein Tag auf Tournee aus?

Mross: Interviews geben, zum Beispiel. Währenddessen 300 bis 400 Kilometer am Tag Auto fahren, dann nachmittags in der Halle ankommen, Soundcheck machen, essen, aufs Programm vorbereiten. Die Halle verlässt man meist gegen zwölf Uhr und fährt nochmal eine dreiviertel Stunde in ein Hotel. Wenn man Glück hat, ist das vor Ort. Dann nimmt man kurz vor zehn das letzte Frühstück mit und setzt sich wieder ins Auto. Das ist so ein 24-Stunden-Tag einer Tournee.

Bleibt da noch Zeit für Erholung?

Mross: Nein, auf Tournee nicht, da gibt es keine Erholung. Aber man muss sich eine Tournee so angenehm wie möglich gestalten, morgens ausschlafen. Man muss vorsichtig sein, was man isst, weil das Essen auf Tournee nicht immer gesund ist. Ich habe früher ein ganz anderes Tournee-Leben geführt, was ich bestimmt nicht wieder machen würde. Ich habe früher geraucht, habe vielleicht noch ein Abschlussbierchen getrunken, aber das würde mich schon sehr anstrengen.

Was wünschen Sie sich für den Abend?

Mross: Eigentlich das Gleiche wie letztes Jahr. Es war eine wunderbare Stimmung im Saal, wir haben wahnsinnig viel gelacht. Mir ist immer wichtig, dass es zwischen dem Publikum und mir passt, und wenn  das der Fall ist, ist es egal, ob da 150 Leute sitzen, 500 oder 2000. In Merzig ist die Größe der Halle optimal, weil man wirklich das Publikum ab der fünften Minute umarmt hat.

Worauf können sich die Besucher freuen?

Mross: Das Publikum darf sich hoffentlich auf eine bunte Mischung aus Gags und guter Unterhaltung freuen und mitsingen. Auch mit nachdenklichen Liedern, denn ich habe auch Lieder dabei, bei denen das aktuelle Weltgeschehen vielleicht mit reinspielt. Aber im Großen und Ganzen, weil wir auf den Frühling zugehen, auf einen bunten Frühlingsstrauß an guter Unterhaltung.

Die Fragen stellte Tina Leistenschneider.