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"Ich bekam Herzrasen und Panikattacken"

"Ich bekam Herzrasen und Panikattacken"

Merzig-Wadern. Sie klingt überraschend selbstbewusst am Telefon. Der erste Eindruck: eine starke Frau, die sich von nichts unterkriegen lässt. Die Erwartung war eine andere: Jemanden, der wegen Mobbings psychologisch betreut werden muss, schätzt man eher labil ein, vielleicht schüchtern, vielleicht schwach. Doch diese Patientin ist eine Kämpfernatur, das wird schnell klar

Merzig-Wadern. Sie klingt überraschend selbstbewusst am Telefon. Der erste Eindruck: eine starke Frau, die sich von nichts unterkriegen lässt. Die Erwartung war eine andere: Jemanden, der wegen Mobbings psychologisch betreut werden muss, schätzt man eher labil ein, vielleicht schüchtern, vielleicht schwach. Doch diese Patientin ist eine Kämpfernatur, das wird schnell klar. Angeschlagen ist sie trotzdem."Mein Chef wollte mich entlassen. Zwei Jahre lang lief alles gut. Er hat mich oft vor allen anderen gelobt", erzählt die 45-Jährige, die in der Hotellerie tätig ist. Plötzlich will er seine Angestellte loswerden. Sie passe nicht mehr in die Unternehmensstruktur. Petra S. (Name von der Redaktion geändert) glaubt, dass es dafür persönliche Gründe gegeben habe. Sie vermutet, dass es vielleicht mit anderen Kollegen zu tun habe: "Die waren natürlich nicht immer erbaut, wenn mein Chef mich vor ihnen gelobt hat." Aber Petra S. wehrte sich. "Er sagte, er werde schon Mittel und Wege finden", erzählt die Saarländerin. "Dann bekam ich eine Abmahnung. Ich habe zu viele Überstunden angesammelt." Ein langer, mühsamer Kampf beginnt.

Petra S. schaltet den Betriebsrat ein, nimmt sich einen Anwalt. "Ich bin bis vors Arbeitsgericht gegangen." Aber immer wieder terrorisiert ihr Chef sie mit E-Mails: "Hanebüchene Vorwürfe. Zum Beispiel, dass mir Azubis das Berichtsheft nicht rechtzeitig vorgelegt haben."

Trotz ihres Kampfgeistes lässt sie das nicht kalt: "Irgendwann bekam ich Panikattacken und Herzrasen, wenn ich eine E-Mail bekam, die von meinem Chef war." Er habe ständig irgendwelche Kleinigkeiten in ihrer Arbeit gefunden, die er kritisieren konnte. Sie habe kaum noch geschlafen, erzählt sie. Rund zwei Jahre dauern die Anfeindungen, ein Jahr davon der Gerichtsprozess. Das Ergebnis: Ihr Vorgesetzter schafft es nicht, sie rauszuekeln.

Die 45-Jährige entscheidet sich für eine Reha in der Klinik in Berus. Sechs Wochen - Therapie, Gruppenstunden, zur Ruhe kommen. Vor allem die Gruppentherapie hat Petra S. geholfen: "Da habe ich auch gesehen, dass meine Probleme im Vergleich mit denen anderer fast nicht der Rede Wert waren." Sie erzählt von Patienten, die fast zehn Jahre auf der Arbeit schikaniert wurden und von persönlichen Anfeindungen gegen deren Person.

Die Reha habe ihr geholfen, einen Weg zu finden, wie sie mit dem Thema umgehen kann. Wie sie es schafft, solche Situationen in Zukunft von sich abgrenzen zu können. "Vor Mobbing kann man sich nicht schützen. Ich will nur lernen, wie mich solche Aktionen kalt lassen." Am ersten März war sie genau vier Jahren in ihrer Firma angestellt. Und es sollen noch weitere Jahre folgen. Denn sie hat den Entschluss gefasst, an ihren alten Arbeitsplatz zurückzukehren: "Natürlich geh ich zurück. Mein Team ist klasse. Nur von meinem durchgedrehten Chef lasse ich mich nicht unterkriegen." < Lesen Sie in Teil 4: Wenn Mobbing unter Schülern grassiert.