Hitlergruß nach dem Pokalderby

Sein Trainer kann in der Geste keinen Hitlergruß erkennen, für andere Augenzeugen ist es der ausgestreckte Arm des Merzigers eindeutig. Das Fußball-Pokalderby Besseringen gegen Merzig hat ein Nachspiel.

Hohe Wellen schlägt aktuell ein Vorfall, der sich unmittelbar nach der Partie in der zweiten Runde des Fußball-Saarlandpokals (Lottopokal Saar) zwischen dem FC Besseringen und der Spielvereinigung Merzig am vergangenen Mittwoch ereignete: Nach dem Abpfiff der Partie, das die Merziger durch ein spätes Tor mit 2:1 für sich entschieden hatten, stellte sich das siegreiche Team an der Mittellinie auf, um in einer Welle zum Jubeln auf die eigenen Anhänger zuzulaufen.

Kurz bevor die Mannschaft sich, unter den Jubel-Gesängen der Fans, in Bewegung setzte, reckte einer der Merziger, ein 25 Jahre alter Spieler (Name ist der Redaktion bekannt), den rechten Arm in die Höhe, was stark nach dem Hitlergruß aussah. Die Szene wurde von einem Zuschauer auf Video mitgeschnitten, aus diesem Video, das unserer Redaktion vorliegt, wurden auch Bilder herausgefiltert. Jetzt wird diese Geste den Saarländischen Fußballverband (SFV) beschäftigen.

Thomas Schuster, Vorsitzender des FC Besseringen, bestätigte der SZ, dass sein Verein dem SFV den Zwischenfall gemeldet und dem Verband auch das Bildmaterial zur Verfügung gestellt hat, "weil wir ein solches Verhalten total inakzeptabel finden", so Schuster weiter. In den sozialen Netzwerken finden das Video und das daraus herausgefilterte Foto derzeit weite Verbreitung. Von einem Einspruch gegen die Wertung des Spiels hat der FC Besseringen nach den Worten seines Vorsitzenden indes abgesehen: "Das war ein Fehlverhalten eines Einzelnen und hat nichts mit der Spielvereinigung Merzig zu tun."

Der Trainer der Spielvereinigung, Neale Marmon, nimmt seinen Spieler in Schutz. Der SZ erklärte er: "Wir haben unsere Stellungnahme bereits an den Verband geschickt. Die Bilder wurden aus einem Film als Standbild herausgeschnitten." Einen Hitlergruß will Marmon in der Geste nicht gesehen haben, "vor allem weil der dann noch in die Richtung der eigenen Fans gegangen wäre". Der Merziger Trainer kann bei dem Spieler keine rechtsextreme Gesinnung erkennen: "Unser Spieler hat selbst russische Vorfahren, sein Großvater hat im Krieg gegen Nazi-Deutschland gekämpft. Die Hälfte seiner Mannschaftskollegen sind Ausländer, ich selbst auch."

Ihm sei es total unverständlich, "warum mein Spieler sowas machen sollte". Marmon weiter: "Natürlich distanzieren wir uns von jeglichen Fremdenfeinlichkeiten. Die haben auf dem Sportplatz nichts zu suchen." Am vergangenen Sonntag jedenfalls wurde der betreffende Spieler im Punktspiel der Spielvereinigung Merzig gegen den SV Schwemlingen-Ballern indes nicht eingesetzt.

Beim Saarländischen Fußballverband nimmt man die Angelegenheit sehr ernst. Verbands-Präsident Franz-Josef Schumann erklärte gegenüber unserer Zeitung: "Das ist ein schlimmer Vorfall, der auf keinen Fall geduldet werden kann." Und weiter: "Mit den Konsequenzen wird sich die Gerichtsbarkeit des SFV befassen." Dies bedeutet, dass die Spruchkammer des Fußballverbandes über das Verhalten des Spielers urteilen wird, wozu in der Regel die Stellungnahmen der betroffenen Seiten eingeholt werden. Nach den Worten von Verbands-Pressesprecher Harald Klyk habe es bislang noch keinen vergleichbaren Fall innerhalb des Verbandes gegeben.

Nach Informationen der SZ soll die Verbands-Spruchkammer sich bereits heute in erster Instanz mit der Angelegenheit beschäftigen (siehe Hintergrund). Denkbar ist auch, dass das Verhalten des Spielers ein strafrechtliches Nachspiel haben könnte: Das Zeigen des Hitlergrußes ist gemäß Paragraph 86a des Strafgesetzbuches (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) unter Strafe gestellt. Strafmaß: von Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Den Spieler selbst konnte die Redaktion gestern nicht für eine Stellungnahme erreichen.

Meinung:
Auswüchsen entgegenstellen

Von SZ-Redakteur Wolf Porz

Das war kein Dummer-Jungen-Streich und auch keine optische Täuschung: Da stillt ein spätpubertierender Jungfußballer sein Mütchen nach einem Spiel im Saarlandpokal und zeigt auf dem Besseringer Sportplatz ungeniert den Hitlergruß, wie das Video, das der Redaktion vorliegt, deutlich belegt.

Der junge Mann gehört in die Schranken gewiesen. Da sollten weder Verein noch Trainer warten, bis der Fußballverband ein Urteil fällt. Die Spielvereinigung muss sofort handeln und den Spieler von sich aus disziplinieren. Dass dies nicht schon längst geschehen ist, ist traurig genug. Solchen Auswüchsen muss man sich sofort entgegen stellen, sonst reißen sie ein. Der Zwischenfall - keine gute Werbung für den Verein.

Zum Thema:
In der Strafordnung des Saarländischen Fußballverbandes heißt es im Paragrafen 1, Absatz 1: "Eines unsportlichen Verhaltens macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch, extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend verhält." Dies gilt sowohl für Vereinsoffizielle als auch für Zuschauer wie für Spieler. Auch der Verein selbst könnte demnach bestraft werden, wie aus dem übernächsten Absatz 4 hervorgeht: "Verhalten sich Spieler, Offizielle oder Zuschauer in irgendeiner Form rassistisch oder menschenverachtend gemäß Nr. 1 und/oder 2, 3 dieser Bestimmung, werden der betreffenden Mannschaft, sofern zuordnenbar, beim ersten Vergehen drei Punkte und beim zweiten Vergehen sechs Punkte abgezogen. Bei einem weiteren Vergehen erfolgt die Versetzung in eine tiefere Spielklasse." Und im nächsten Absatz heißt es : "In Spielen ohne Punktevergabe wird die entsprechende Mannschaft, sofern zuordnenbar, von dem Wettbewerb ausgeschlossen." Sollte das Verbandsgericht des SFV das Verhalten des Spielers als Unsportlichkeit bewerten, könnte dies nach Paragraf 3, Absatz 1 der Strafordnung mit einer Sperre von einer Woche bis zu drei Monaten oder in leichteren Fällen einer Geldstrafe geahndet werden. redwww.saar-fv.de