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Serie
Hinter einer Eisentür lagern bis zu 4000 Sprengkapseln

Heute noch zu erkennen: die Umrisse der Fundamente des ehemaligen Büro- und Aufenthaltsgebäudes der Gipsgrube Mechern.
Heute noch zu erkennen: die Umrisse der Fundamente des ehemaligen Büro- und Aufenthaltsgebäudes der Gipsgrube Mechern. FOTO: Stefan Siebenborn
Die Firma Knauf prüft, ob sich Gipsabbau in Merzig lohnen könnte (wir berichteten). Der Abbau des Baustoffs hat in Merzig Tradition. Die Geschichte der Gipsgrube Mechern, besser bekannt als „Gipskaul“, kann in drei Zeitabschnitte eingeordnet werden. Die erste Abbauphase beginnt Ende 1897 und endet kurz vor dem 1. Weltkrieg. 1919 wird zum zweiten Mal der Betrieb für kaum fünf Jahre aufgenommen. Zwischen 1924 und 1936 ruht der Abbau. Im Herbst 1935 übernehmen die Gebr. Knauf den Betrieb. Erst mit der vollständigen Ausbeutung der Gipslager kommt im Frühjahr 1955 die endgültige Stilllegung der Gipsgrube „Auf Kappen“.Teil sieben unserer Serie: auf zu neuen Ufern.


Für die Sprengarbeiten unter Tage werden zu dieser Zeit zwei Sprengstoffe verwendet, Chloratit II und Schwarzpulver. Sie werden in zwei getrennten Räumen des Sprengstofflagers aufbewahrt. Zur Sprengstelle müssen sie vom Schießmeister in getrennten Kisten gebracht werden. Gesprengt wird immer kurz vor Feierabend. Die Sprengung wird durch Zündschnüre ausgelöst. Erst in den letzten Betriebsjahren erfolgt die Zündung teilweise elektrisch.

Im August 1936 beschäftigen sich die Brüder bereits mit der Planung eines zweiten Bremsberges, der vom Stollen zur Reichsbahnstrecke Mechern-Mondorf führen soll. Anfang September 1936 treffen die Bergleute nach dem Durchfahren des alten Mannes der früheren Abbaue sowohl im östlichen als auch im westlichen Grubenfeld im unverritzten Feld. An drei Abbauörtern bohrt man jetzt mit drei neuen Siemens Handbohrmaschinen und sprengt den Gipsstein mit Schwarzpulver, Ammonit oder Donarit heraus.



Die gewonnenen Massen werden vor Ort auf Doppelkopfgröße zerschlagen. Die tägliche Arbeitsleistung pro Mann liegt zwischen elf  und  zwölf Tonnen.  Für das Jahr 1937 rechnet man mit einer Gesamtförderung von etwa 20 000 Tonnen. Bei einer Abbaubreite von maximal sieben Metern bleiben zwischen den beiden Stollen mindestens 5,50 Meter breite Pfeiler stehen. Auf diese Weise ergibt sich unter Zugrundelegung der günstigsten Voraussetzungen ein Abbauverlust von rund 20 Prozent.

Mittlerweile ist das neue Sprengstofflager fertiggestellt worden.  Es liegt etwa 40 Meter unter der Erdoberfläche, 15 Meter von der nächsten Förderstrecke und etwa 120 Meter vom Stollenmundloch entfernt. Es besteht aus einem Vorraum zur Ausgabe des Sprengstoffes und Aufbewahrung der leeren Sprengstoffkisten.  In einer Nische mit  abschließbarer  Eisentür können bis zu 4000 Sprengkapseln aufbewahrt werden. In den beiden an den Stirnseiten abgetrennten Räumen lagern jeweils das Schwarzpulver und das Ammonit, insgesamt 400 Kilo. Die Räume sind trocken, belüftet, 3,50 Meter hoch und ebenfalls durch Eisentüren gesichert.

Am 28. Oktober 1936 bittet die Firma Knauf das Bergrevieramt in Saarbrücken darum, die Abnahme des neuen Sprengstofflagerraumes vorzunehmen. Gleichzeitig werden Karl Knauf als stellvertretender Betriebsführer und der Hauer Michel Scheer als Stellvertreter des Vorarbeiters Johann Dollwet bestimmt.

Um durch das weitere Vordringen in den Berg keine Verschlechterung der Bewetterung zu riskieren, soll am westlichen Abbaufeld nach dem Ausstrich des Lagers bis spätestens 1. April 1937 ein Aufbruch hergestellt werden. Das Gleiche ist für das östliche Feld bis zum ersten Oktober 1937 geplant. Der Lüftungsschacht auf Kappen führt über mehrere Leitern zur Oberfläche.

Immer auf der Suche nach neuen Abbaumöglichkeiten beginnt die Frima Knauf im Dezember 1936 mit den Vorarbeiten zu einer neuen Gipsgrube in Fremersdorf. Der Stollenmund liegt etwa auf halber Strecke zwischen Fremersdorf und Eimersdorf, 400 Meter oberhalb der Reichsstraße Fremersdorf-Rehlingen. Als Betriebsführer soll wiederum Alfons Knauf und als Vorarbeiter Johann Dollwet fungieren. Der Betriebsablauf entspricht dem der Mecherner Grube. Die Schüsse werden entsprechend der Anordnung des Bergamtes für die Gipsgrube Mechern im Schießbuch von Mechern eingetragen.

Vorerst werden von zwei bis fünf Mann bis zum nachsten Frühjahr nur Aufschlussarbeiten vorgenommen. Der bei den Erschließungsarbeiten anfallende Gipsstein soll über Tage gelagert werden und erst abtransportiert werden, wenn die geplante Drahtseilbahn bis zur Reichsstraße genehmigt und gebaut ist. Die neue Grube bekommt den Namen „Claus“.