1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

Hilfe, damit das Leben lebenswerter wird"Manchmal ist es schon schwer"

Hilfe, damit das Leben lebenswerter wird"Manchmal ist es schon schwer"

Merzig. Schon beim Eintreten in die Palliativstation erkennt man, dass in diesem Teil des Merziger Klinikums nicht die Heilung von Krankheiten, sondern das Wohlbefinden der Patienten und die Linderung ihrer Beschwerden im Vordergrund stehen. Aus dem Raum der Ruhe, in dem Patienten klang- und farbtherapeutisch entspannen können, dringt ein frischer Duft nach Zitrusfrüchten

Merzig. Schon beim Eintreten in die Palliativstation erkennt man, dass in diesem Teil des Merziger Klinikums nicht die Heilung von Krankheiten, sondern das Wohlbefinden der Patienten und die Linderung ihrer Beschwerden im Vordergrund stehen. Aus dem Raum der Ruhe, in dem Patienten klang- und farbtherapeutisch entspannen können, dringt ein frischer Duft nach Zitrusfrüchten. "Diese ätherischen Öle wirken stimmungsaufhellend", erklärt Andrea Schmit, Krankenschwester und Aromaexpertin auf der Palliativstation. Aromatherapie wirke ganzheitlich auf Körper, Geist und Seele und sei daher ein wichtiger Beitrag zur palliativmedizinischen Behandlung.Tatsächlich herrscht in dem Gebäude mit freundlichem Interieur kein hektischer Klinikbetrieb. Kein typischer Geruch nach Desinfektionsmitteln, keine gehetzten Schritte von Krankenschwestern, die auf engen Fluren von Zimmer zu Zimmer eilen. Hier sind die Patientenräume großzügig mit Kochnischen und hochmodernen, behindertengerechten Bädern ausgestattet, Sonnenlicht dringt durch die großen Fenster, die zum Garten im Innenhof hinausführen. Hier nimmt man sich Zeit. "Zeit, die für schwerkranke Menschen sehr viel bedeutet", sagt die pflegerische Leiterin der Palliativstation Heidi Paulus.

Keine Sterbestation

Auf insgesamt sechs Einzelzimmern betreut die Palliativstation in Merzig Menschen, die an einer schweren Krankheit leiden, deren Heilungschancen ausgeschöpft sind und deren Lebensalltag durch die Symptome so eingeschränkt ist, dass die Lebensqualität vollkommen verloren gegangen ist. Es sei aber keinesfalls eine Sterbestation, betont Dr. Peter Henkel, Chefarzt und Leiter der Palliativstation. "Patienten, die zu uns kommen, haben ihre Therapie zwar abgeschlossen, das heißt aber nicht, dass wir sie nicht fachmedizinisch betreuen. Wir verhelfen ihnen zu neuer Lebensqualität durch eine ganzheitliche Behandlung der Krankheitssymptome und Nebenwirkungen der schweren Medikamente wie Übelkeit oder Erbrechen, sodass sie nach Entlassung unter erträglichen Umständen weiterleben können." Neben der Ernährung spiele auch die Schmerztherapie eine große Rolle. Ziel sei es, den Patienten weitestgehend von Schmerzen zu befreien.

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich zeigt sich sehr beeindruckt. "Die Palliativstation ist eine wichtige Einrichtung in unserem Landkreis, die es gilt, zu fördern und auszubauen." Das Team strahle eine unheimliche Ruhe und Fürsorge aus, wie man sie nur selten erlebe. Was bedeutet Palliativmedizin für Sie?

Heidi Paulus:Der etymologische Ursprung liegt im lateinischen Wort Pallum, der Mantel. Ein Mantel bietet Wärme und Schutz. Wir ummanteln sozusagen unsere Patienten mit einer umfassenden, ganzheitlichen Betreuung und begegnen ihnen mit Warmherzigkeit und Fürsorge, sodass sie sich gut aufgehoben fühlen.

Was sind die Chancen einer palliativmedizinischen Behandlung?

Paulus:Wir geben den schwerkranken Menschen die Stille und Ruhe, die sie brauchen. Wenn sie zu uns kommen, ist ihre Therapie abgeschlossen, wir können sie nicht mehr heilen. Wir zeigen ihnen jedoch, dass und wie das Leben trotz Krankheit weitergehen kann. Oft mangelt es den behandelnden Haus- oder Fachärzten an Zeit. Diese bekommen die Menschen bei uns. Wir justieren nicht nur die medikamentöse Behandlung, sondern gehen a ganzheitlich auf die Patienten ein, auf ihre individuellen Ängste und Wünsche.

Denn zur Palliativmedizin gehört nicht nur die Linderung körperlicher Symptome, auch die psychosoziale Betreuung spielt eine große Rolle. Wir holen den Patienten da ab, wo er steht, mit all seinen existenziellen Sorgen. Wichtig ist es, auch die Angehörigen aufzufangen. Zum Beispiel veranstalten wir ein- bis zweimal im Jahr eine Gedenkfeier für die Verstorbenen und laden alle Angehörigen ein.

Welche Patienten kommen zu Ihnen?

Paulus: Es sind meistens Menschen, die an Krebs erkrankt sind. Das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren, wobei unser jüngster Patient erst 25 und der älteste 90 Jahre alt war. Der Aufenthalt dauert durchschnittlich sieben Tage. Danach werden die Patienten in häusliche Strukturen entlassen, nach Hause oder in Pflegeheime. Grundsätzlich haben wir für jeden einen Platz. Wir können bis zu zehn Patienten aufnehmen, wobei im Zimmer auch Angehörige auf Dauer untergebracht werden können. Im Moment betreuen wir fünf Patienten.

Welches Team betreut die Patienten?

Paulus: Wir sind ein multiprofessionelles, stationsinternes Team aus Fachärzten, Pflegern, Psychologen, Seelsorgern, Sozialarbeitern und Physiotherapeuten, die eng zusammenarbeiten. Neben fachmedizinischen Kenntnissen, die in der Palliativmedizin Anwendung finden, müssen hohe kommunikative Kompetenz und das Wissen um die juristischen und ethischen Pflichten sowie die Grenzen der Behandlung in unsere tägliche Arbeit einfließen.

Wie wurden Sie Krankenschwester auf der Palliativstation?

Paulus: Ich bin seit Eröffnung der Station 2004 dabei. Vorher arbeitete ich in der Merziger Chirurgie. Es war mein Wunsch, auf die Palliativstation zu wechseln.

Wie beeinflusst Ihr Beruf Sie persönlich?

Paulus: Manchmal ist es schon schwer. Gerade wenn man eine emotionale Bindung zu Patienten aufbaut, die länger da sind, oder wenn komplizierte familiäre Verhältnisse um den Patienten herum herrschen. Trotzdem muss man lernen, Abstand zu halten. Als Betreuer auf der Palliativstation muss man geerdet sein und wissen, dass man endlich ist. Im Team unterstützen und stützen wir uns. So eine Station kann man nur gemeinsam leiten.Foto: Sylvie Rauch