Herzssportgruppe des HSV Merzig-Hilbringen feiert runden Geburtstag

Hilbringen : Sportgruppe hilft dem Herz auf die Sprünge

Seit 40 Jahren gibt es in Hilbringen eine Herzsportgruppe. Hier trainieren Menschen nach einem Infarkt oder einer Operation zusammen.

Nach einem Herzinfarkt oder einer Operation am Herzen steht der Alltag des Betroffenen oftmals Kopf. Vieles ist nicht mehr so, wie man es gewohnt war. Wie bewege ich mich richtig? Was kann ich machen, meinem Körper noch zumuten und wie kann ich wieder an Lebensqualität gewinnen?

Bei der Beantwortung dieser Fragen helfen Herzsportgruppen, in denen sich Betroffene gemeinsam sportlich betätigen und so lernen, was ihnen und ihrem Körper guttut. Eine der ersten Koronar-Gruppen im Saarland gründete 1979 Dr. Ernst Zimmer; jetzt feiert die Herzsportgruppe des Handballsportvereins (HSV) Merzig-Hilbringen ihr 40-jähriges Bestehen.

„Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts galt es als Lehrmeinung, dass Patienten mit einem Herzinfarkt sich körperlich schonen müssen“, erinnert sich Zimmer. Damals galt strikte Bettruhe, eine standardisierte Rehabilitation gab es nicht. Die Patienten wurden meist nach Hause entlassen und waren mit ihren Fragen alleine.

In dieser Zeit las der Allgemeinmediziner eine Studie eines israelischen Arztes, der die Sterberate von Patienten nach einem Herzinfarkt über fünf Jahre beobachtete und feststellte, dass diese bei denjenigen, die nach dem Infarkt alsbald wieder mobilisiert wurden, niedriger war als bei den Betroffenen, die nichts taten. Dadurch inspiriert, gründete Zimmer die erste Herzsportgruppe im Saarland. Die ersten Mitglieder dieser Koronar-Sportgruppe waren Patienten des Kreiskrankenhauses Merzig und die notwendigen medizinischen Geräte zur Überwachung, wie EKG, Defibrillator und Notfallkoffer, lieh sich Zimmer im Kreiskrankenhaus Merzig aus.

„Die Menschen waren früher kränker als heute“, findet der Allgemeinmediziner, obwohl die Liste der Krankheiten, die in der Herzsportgruppe therapiert werden können, immer länger wird. Der Grund: Früher waren die gesundheitlichen Folgen von hohem Nikotin- und Alkoholkonsum nicht erwiesen. „Deswegen waren die Herzinfarkte früher stärker“, weiß Zimmer, ebenso war die Behandlung von Infarkten anders. Heute ist bekannt, dass sich Nikotin und überschüssiges Fett bei Übergewicht in den Gefäßen ablagert und diese verengt. Auch erhöhter Blutdruck durch zu viel Alkohol und Diabetes schädigt die Blutgefäße. Faktoren, die nicht nur das Risiko für einen Infarkt, sondern auch für andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.

Zudem „waren viele der Patienten damals Fabrikarbeiter“, weiß Zimmer. Darum wuchs unter anderem bei der Firmenleitung von Villeroy und Boch das Interesse, ihre Mitarbeiter in der Gruppe zu unterstützen. So erhielt Zimmer den ersten eigenen Notarztkoffer und Defibrillator für die Gruppe.

Wenige Jahre später erfolgte die organisatorische Einbindung der Herzsportgruppe in den Handballsportverein Merzig-Hilbringen, auch die Unterstützung durch die Krankenkasse wurde im Laufe der Jahre immer besser. So stellt heutzutage die kardiologische Arbeitsgemeinschaft ein EKG, Notfallkoffer und einen Defibrillator und bildet die Übungsleiter aus, sodass jede Herzsportgruppe deutschlandweit nach dem gleichen Standard arbeitet. Bei jeder Übungsstunde ist sowohl ein Arzt als auch ein ausgebildeter Übungsleiter dabei. „Bislang hatten wir nie einen Vorfall“, sagt Zimmer.

Nur die Suche nach einer geeigneten Trainingshalle gestaltete sich lange als schwierig, erinnert er sich, bis sie 2013 einen festen Platz fanden: Einmal in der Woche treffen sich die Teilnehmer in der Sporthalle in der Waldstraße in Merzig und machen unter den Augen von Arzt und Trainer Übungen, die die Muskulatur kräftigen, dehnen und die Ausdauer fördern.

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