Heilig-Abend-Aktion der Evangelischen Kirchengemeinde Merzig läuft seit 1994

Damit Menschen nicht allein sind : Heilig-Abend-Aktion in Merzig feiert Jubiläum

Zum 25. Mal lädt die evangelische Kirchengemeinde zur Feier ins evangelische Gemeindezentrum in Merzig, Am Gaswerk 7, ein.

Seit 1994 feiert die evangelische Kirchengemeinde Merzig (KGM) an Heilig Abend mit Gästen aus der Region. Eingeladen ist jeder, der am Weihnachtsabend allein ist, der Lust hat, in einem anderen Rahmen zu feiern. „Im Einzelnen richtet sich die Veranstaltung an Senioren, Menschen die alleine leben, Obdachlose und Menschen in Notsituationen“, sagt Frank Paqué, seit gut 25 Jahren Jugendmitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde Merzig und Gründungsmitglied der Aktion.

„Es gibt seit Anbeginn der Aktion einen Fahrdienst: Wer sich anmeldet, wird nach Absprache abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Selbst bei unwirklichem Schneetreiben machen sich die Fahrer die Mühe, alle Menschen abzuholen, die sich angemeldet haben. Bis zum heutigen Tag ist keiner, der sich angemeldet hat, zuhause geblieben“, sagt der Mann, den viele nur liebevoll „De Franky“ nennen.

Im Laufe des Sommers 1994 hatte er mit Rolf Friedsam, Pastoralreferent in Merzig, und der Journalistin Waltraud Riehm, Tausendsassa im sozialen Engagement, wie er sie nennt, die Heilig-Abend-Aktion erstmals in Merzig organisiert. „Die ersten ehrenamtlichen Mitarbeiter waren eine Gruppe Senioren, von denen die meisten inzwischen verstorben sind.“

Über die Jahre hinweg, wohl wegen der erhöhten Bekanntheit in der Region, habe sich die Altersspanne der Mitarbeiter deutlich verändert. „Die jüngsten Helferinnen 2015 waren zwei Mädchen im Alter von neun Jahren. Männer und Frauen bis 70 plus tragen zum Gelingen dieser schönen Aktion bei“, erzählt der Mann, der im Januar 25-jähriges Dienstjubiläum bei der evangelischen Kirchengemeinde gefeiert hat. In Zusammenarbeit mit dem Seniorenbüro in Merzig sowie der Tafel Merzig sei das Fest zur Tradition in Merzig geworden.

Ein Teil des Teams, das bei  der Aktion der evangelischen Kirchengemeinde anpackt, stellte sich zum Erinnerungsfoto auf. Foto: Frank Paqué/Evangelische Kirchengemeinde

Ab 18 Uhr, nach der Christvesper in der Friedenskirche in Merzig, ist das evangelische Gemeindezentrum, Am Gaswerk 7, für jeden geöffnet. In weihnachtlich geschmückter Atmosphäre sitzen die Gäste in Tischgruppen von sechs bis acht Personen zusammen.

„Wie es sich für ein Fest gehört, gibt es in großer Auswahl Getränke, Süßigkeiten, Obst, Kuchen, Salzgebäck“, sagt er. Um 19 Uhr wird eine kleine Andacht gestaltet. Die Vorbereitung liegt in den Händen derer, die sich im Vorfeld bereit erklärt haben. Kleine Überraschungen wie Menschen die kommen und sagen „Guten Tag, ich spiele Gitarre, mein Freund Klavier, dürfen wir für die Andacht Musik machen?“ bereichern die Abende, berichtet Paqué aus Erfahrung.

Nach einer „kleinen halben Stunde weihnachtlicher Besinnung mit Weihnachtsgeschichte und bekannten Liedern“ lädt die KGM zum Abendessen ein. „In den 90er Jahren war dies eher etwas spartanisch. Seit Beginn des Jahrtausendwechsels konnte ein mehrgängiges Menü angeboten werden“, sagt der Familienvater und Opa. Der Abend sei offiziell bis 22 Uhr geplant, aber im Regelfall verließen die letzten Gäste gegen 24 Uhr die Feier. „Dann ist großes Reinemachen angesagt.“

Über die Organisation verrät er: „Im Laufe eines Jahres melden sich immer wieder Menschen, die Interesse daran haben, an Heilig Abend etwas Hilfreiches zu tun. Jeder der sich meldet, wird gefragt, wie er sich einbringen möchte, welches seiner Talente den anderen eine Hilfe sein könnte. Jeder bestimmt seinen Platz selbst, an dem er eingesetzt werden möchte.“ Die Mehrzahl der Helfer kenne sich nicht untereinander, da es kein Gruppentreffen gebe und nur wenige während des ganzen Tages vor Ort seien. „Die Stärke der Veranstaltung: Es passt immer“, freut er sich. Ein strukturierter, aber nicht festgeschriebener Arbeitsablauf existiere, der jedes Jahr ein wenig anders sei.

„Eine nicht mit konkreter Zahl benennbare Gruppe engagierter Menschen trägt diese Veranstaltung. Es können 15 oder 20 sein, denn manches Mal kommen Menschen am Mittag vorbei, helfen ein bis zwei Stunden und gehen wieder, tauchen aber in den Folgejahren nicht mehr auf.“ Die Einteilung der Zeit sei den Helfern überlassen. 17 Uhr nennt der Mann, der längst eine Institution in Merzig ist, als erste Deadline. Bis dahin sollen die Räume gerichtet sein. „Für die Küche gilt: Um 19.30 Uhr soll das Essen servierfertig sein“, charakterisiert er den zweiten Fixpunkt. Einige Helfer sind nach seinen Worten „nur“ da, um mit den Gästen Gespräche zu führen. „Andere sehen ihre Aufgabe in der Begleitung von beeinträchtigten Menschen beim Toilettengang.“

Um die Aktion zu finanzieren, werden laut Paqué Spendenbriefe an Firmen geschickt oder es wird durch Veröffentlichungen auf die Aktion aufmerksam gemacht. Wichtig sei auch Mund-zu-Mund-Propaganda, die in den vergangenen Jahren für ausreichend Spenden gesorgt habe. „Im Besonderen zu erwähnen sind die Bäcker von Merzig. Nach Geschäftsschluss stellen sie alle Waren, die nicht verkauft worden sind, der Aktion zur Verfügung. Ein Fahrdienst fährt die Bäckereien ab.“

Gern werden nach seinen Worten Sachspenden wie Rehgulasch, Wildschwein oder Geschenke angenommen. „Je nach Spendenlage werden Tüten mit Obst, Kuchen und einer Flasche Wein gerichtet, die jeder Gast mitbekommt. Raucher erhalten Zigaretten.“ Die Waren der Bäcker würden mit verteilt Mancher nehme noch eine Portion des Menüs mit, wenn etwas übrig ist.

Nach seiner Ansicht ist eine Tradition mit hohem Ansehen in der Region geschaffen worden. „Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Finanzierung über Spenden und bei der Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter steht heute ein starkes Team und eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung, den Geschäftsleuten aus Merzig sowie der Politik in der Stadt Merzig und des Landkreises.“

Das Besondere für Paqué ist, dass Menschen bei einer Aktion in Vor- und Nachbereitung nie sehen, für wen sie es tun. Einfach so. Andere, die während der Aktion mithelfen, verlassen sich auf die Vorbereitung derer, die sie nicht kennen, die aber alles wohl richten.

„Seit Beginn der Heilig-Abend-Aktion nehmen Menschen mit nichtchristlichem Hintergrund an der Aktion teil“, verrät Paqué. „Besonders aktiv wurde 2017 ein syrischer Koch, der als Flüchtling nach Merzig kam und Falafel frisch zubereitet hat. 2018 war es ein junger Mann mit kurdischem Hintergrund, der mit selbstgemachten Falafel und anderen Köstlichkeiten der Heimat seiner Eltern aufwartete. Andere helfen bei der Organisation und der Durchführung.“