Harmonisches Tanzvergnügen mit französischen Besatzern

Harmonisches Tanzvergnügen mit französischen Besatzern

Kein Thema bewegt in diesen Tagen die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In unserer Serie wird die Zuwanderung in die Merziger Region während der vergangenen 200 Jahre auch als Geschichte der auf vielfache Weise stattgefundenen Begegnung mit dem Fremden dargestellt.

Im persönlichen Umgang mit der einheimischen Bevölkerung gab vor allem der einfache französische Soldat nur ganz selten Anlass zu Klagen. Dies wird auch durch die folgende Notiz der Merziger Zeitung vom 18. Dezember 1918 über die Merziger Nikolaus-Kirmes bestätigt, in der es heißt: "An der verflossenen sogenannten Nikolaus-Kirmes durfte an drei Stellen getanzt werden - zum ersten Mal seit langer Zeit. Die echten Merziger haben das Tanzen noch nicht verlernt, denn das steckt ihnen zu tief in den Knochen. An dem Tanzvergnügen beteiligte sich auch die französische Besatzung in voller Harmonie."

Dass es in Merzig keine Klagen bezüglich der hier stationierten beziehungsweise einquartierten französischen Truppen gab, belegt auch die folgende Meldung der Merziger Zeitung vom 24. Dezember 1918.

Diese kleine Schilderung gibt auch Zeugnis darüber, dass sich das Leben langsam wieder in gewisser Weise unter den herrschenden Umständen normalisierte: "In den letzten Tagen setzte ein lebhafter Christbaumverkauf ein.

Der letzte Sonntag, der ‚Goldene Sonntag', wie ihn der Volksmund nennt, brachte trotz des schlechten Wetters ziemlich viel Leben in unsere Kreisstadt. Es wurde viel gekauft in den Läden. Das bunte Straßenleben war durchflochten mit französischen Uniformträgern, die massenhaft hier einquartiert waren, gestern aber wieder weitermarschierten. Gegen die Besatzung liegt wirklich nicht die geringste Klage vor. An ihrem gesitteten Betragen könnte sich mancher ein Beispiel nehmen!" Es ist bereits ausgeführt worden, dass nach dem Eintreten des Waffenstillstandes auch die deutschen Kriegsgefangenen hofften, schon bald aus der Gefangenschaft entlassen zu werden. Doch wurden die Hoffnungen der deutschen Gefangenen auf eine schnelle Heimkehr zunächst enttäuscht. Die französische Regierung wertete den wirtschaftlichen Beitrag der deutschen Kriegsgefangen so hoch, dass Marschall Foch nach Abschluss des Waffenstillstandes darauf bestand, die rund 350 000 Deutschen möglichst lange nicht zu repatriieren, sondern sie zum Wiederaufbau der zerstörten nordfranzösischen Landstriche einzusetzen. Dort mussten sie - unter Anfeindungen der Zivilbevölkerung - Trümmer beseitigten und Gebäude errichten.

Erst nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 erfolgte die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich, während Großbritannien und die Vereinigten Staaten ihre Gefangenen sogar schon im Herbst 1919 entlassen hatten. Noch länger zog sich aufgrund äußerer Umstände die Repatriierung der letzten Kontingente russischer Gefangener nach Sowjetrussland sowie der letzten deutschen und österreichischen Gefangenen aus Russland in die Heimat hin. Erst im Juli 1922 waren diese mit Hilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz durchgeführten Aktionen abgeschlossen.

> wird fortgesetzt.