Harlingen: Studenten der HTW präsentieren Ideen für neue Ortsmitte

Harlingen : Studenten stellen Ideen für neue Ortsmitte vor

Die Stadt Merzig arbeitet mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft zusammen, um den Stadtteilen neues Leben einzuhauchen.

Brütende Hitze und stickige Luft hatten rund 30 Harlinger nicht davon abgehalten, sich vor Kurzem im Bürgerhaus des Merziger Stadtteils einzufinden. Der Anlass: Studenten im vierten Semester an der Schule für Architektur an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Saar haben in einem Seminar Pläne für eine Überarbeitung der Ortsmitte Harlingen entworfen. An diesem Abend stellten sie diese Entwürfe zum ersten Mal den Bürgern vor. Nicht weniger als 20 Modelle hatten die Harlinger zu begutachten, jedes entworfen von zwei Studenten in gemeinsamer Arbeit. Die Studenten standen den Gästen auch persönlich Rede und Antwort zu ihrem Entwurf und erläuterten, was sie sich bei der Gestaltung gedacht hatten.

„Es ist nicht das erste Mal, dass ich mit meinen Studenten einen kleinen Ort besuche“, erklärte Professorin Eve Hartnack, die das Projekt vorstellte. „In Wirklichkeit stößt man natürlich immer auf Grenzen, sei es aufgrund der Bausubstanz, der rechtlichen Lage oder der Finanzierung. Doch die Studenten hatten bei ihren Entwürfen völlig freie Hand.“ Hartnack bietet diesen Kurs mit dem Namen „Entwerfen im Bestand“ seit einigen Jahren immer im Sommersemester an, wie sie erläuterte. „Der Unterschied zu anderen Seminaren besteht darin, dass die Studenten nicht nur an einem konkreten Problem arbeiten, sondern auch direkt in Kontakt mit dem Bürgern vor Ort kommen“, sagte Hartnack. Die Aufgabenstellung bleibe dabei stets gleich: Die Studenten sollen die Mitte eines kleinen Ortes neu entwerfen. Im Falle von Harlingen sei Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld an die Architekturprofessorin herangetreten, verriet sie, um Ideen für eine Neugestaltung der Ortsmitte Harlingens zu finden. „Wir entwerfen hier eine Zukunftsvision“, sagte Hartnack. „Wir geben lediglich Ideen und Anregungen, die Stadt und die Bürger entscheiden letztendlich, welche Maßnahmen in der Ortsmitte umgesetzt werden.“

Jeder der Entwürfe versucht, den Ortskern Harlingens auf andere Weise umzugestalten. Was sie alle gemeinsam haben: Sie nehmen die Marienkapelle als Mittelpunkt und versuchen rund um diese einen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem Jung und Alt zusammenkommen können. Viele der Modelle sehen vor – entweder in neuen oder bestehenden Gebäuden – ein Café und ein Jugendzentrum einzurichten, während ein Spielplatz Spaß und Kurzweil für die Kleinsten verspricht und seniorengerechte Wohnungen es auch den älteren Bürgern erlaubt, am gesellschaftlichen Leben im neuen Ortskern teilzuhaben. Einige der Entwürfe wollen zudem neue Parkflächen schaffen.

Die Neugestaltung der Ortskerne sei ein Teil der Entwicklungsstrategie der Stadt Merzig, erläuterte Christian Bies vom Planungsamt Merzig. „Oftmals ist gerade der ländliche Raum durch Leerstände bei Wohngebäuden betroffen. Dabei handelt es sich oft um eine Folge des demografischen Wandels und einer deutlich erkennbaren Landflucht“, so Bies weiter. In der Regel seien langjährige Leerstände auch immer mit einem hohen Sanierungsstau verbunden, gerade bei Altimmobilien. „Zudem führen Leerstände zu einem Imageproblem für den jeweiligen Stadtteil, mit negativer Wirkung auf das Ortsbild. Der Stadtteil wird unattraktiv für die eigenen Bewohner, aber auch für Ansiedlungswillige, Touristen und für Geschäftsleute“, so Hoffeld. „Die HTW war dabei immer schon ein guter Ansprechpartner für die Stadt Merzig“, führt der Rathauschef aus. Die Stadt arbeitet auch in Sachen autonomen Fahren mit der technischen Hochschule zusammen: Die HTW-Forschungsgruppe Verkehrstelematik misst mit speziellen Kameras den Verkehr unter anderem an den Kreuzungen am Landratsamt und am Rathaus.

Doch warum ausgerechnet Harlingen? „Wir haben uns verschiedene Stadtteile von Merzig angeschaut, letztlich fiel die Wahl auf Harlingen, weil sich gerade dort im Ortskern mehrere Leerstände befinden“, erklärt Bürgermeister Hoffeld. Außerdem sei die Ortsmitte von Harlingen aufgrund der baulich vorhandenen Situation nicht mehr als eindeutig wahrnehmbarer Dorfmittelpunkt zu erkennen. Auf der anderen Seite gebe es mit der Marienkapelle einen starken Anker, um den eine neue Ortsmitte gestaltet werden könne. Problematisch sei jedoch, dass sich marode Häuser direkt vor der Kapelle in Privatbesitz befinden. „Harlingen ist für die Stadt Pilotprojekt“, sagt Hoffeld. „Wenn die Pläne für den Harlinger Ortskern feststehen, müssen wir ein Entwicklungskonzept erstellen, um Fördergelder vom Land zu erhalten.“ Das Projekt könne modellhaft werden, bekräftigt der Rathauschef. Sprich, sollte der Harlinger Ortskern mithilfe der Studenten erfolgreich umgestaltet werden, können die hier gefundenen Lösungen auch in anderen Stadtteilen anwenden. „Möglicherweise bitten wir die Studenten auch, ihre Kreativität in einem anderen Merziger Stadtteil einzubringen“, sagt Hoffeld.

Die Besucher drängten sich dicht um die Modelle der Studenten, um sich eine Vorstellung davon zu verschaffen, wie die Mitte ihres Wohnorts in Zukunft aussehen könnte. Foto: Eve Hartnack
Die Besucher drängten sich dicht um die Modelle der Studenten, um sich eine Vorstellung davon zu verschaffen, wie die Mitte ihres Wohnorts in Zukunft aussehen könnte. Foto: Eve Hartnack

Unabhängig von den Entwürfen der HTW-Studenten hat die Kreisstadt Merzig bereits in einer Arbeitsgruppe gemeinsam mit Vertretern des Stadtrats ein Konzept zur Stärkung der Stadtteile entwickelt. Hiermit soll auf die zunehmenden Probleme insbesondere in den Ortskernen reagiert werden „Wir wollen zeigen, was man aus dem Ortskern machen kann“, ergänzt der Bürgermeister. Vor allem für jüngere Menschen müssen die Ortsmitten wieder attraktiver werden. Die Rückmeldung aus dem Ort sei bislang positiv, so Hoffeld. „Von so einem Projekt profitiert die Stadt ebenso wie die Bürger“, meint der Rathauschef.

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