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Merzig
Das Smartphone als Entwicklungs-Hemmer

Handy-Schrott aus europäischen Ländern, so wie auf unserem Foto, wird gerade in Entwicklungsländern zunehmend zu einem Problem.
Handy-Schrott aus europäischen Ländern, so wie auf unserem Foto, wird gerade in Entwicklungsländern zunehmend zu einem Problem. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Merzig-Wadern. Das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland will mit einer Handy-Aktion einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Von Martin Trappen

Verantwortung und Nachhaltigkeit will das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland (NES) mit seiner „Handy-Aktion Saarland“ fördern. Wie das Netzwerk weiter mitteilt, geht es in dem Projekt vor allem darum, über die Probleme aufzuklären, welche die Herstellung von Smartphones in Entwicklungsländern verursacht, und in einem Zug durch Sammel- und Spendenaktionen diesen Ländern Hilfe zukommen zu lassen. Somit soll auch ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden.


Das Projekt bietet beispielsweise die Möglichkeit, eine eigene Althandy-Sammelaktion zu starten oder Althandys zu spenden. Die Spenden kommen laut NES einem Projekt in den am meisten betroffenen Länder zugute. Daneben können Interessierte unter anderem kostenlose Bildungsangebote mit Fachreferenten in Anspruch nehmen – etwa Vorträge, Workshops und Exkursionen – und sich mit Hilfe eigens erstellter Lehrmaterialien oder im Rahmen von speziellen Bildungsveranstaltungen mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Dabei können sich die Teilnehmer etwa über Produktionsbedingungen oder über entwicklungspolitische, ökologische und soziale Zusammenhänge informieren. Diese Angebote können, wie das NES versichert, auch individuell kombiniert werden – etwa im Rahmen von Aktionstagen oder Projektwochen.

Die „Handy-Aktion Saarland: Verantwortung und Nachhaltigkeit“ wurde 2014 von der saarländischen Landesregierung und der Deutschen Telekom Technik GmbH ins Leben gerufen. Schirmherr ist der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans. Durch die Alltäglichkeit des Mobiltelefons sollen nachhaltiges Konsumverhalten und Ressourcenschonung thematisiert werden. „Gerade auch im Hinblick auf die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sind verantwortungsvolles Konsumverhalten, der nachhaltige Umgang mit Rohstoffen, eine längere Nutzung von Geräten sowie deren fach- und umweltgerechte Wiederverwendung und Entsorgung zwingend geboten, um die Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu sichern“, heißt es in einer Mitteilung des Netzwerks.



Angaben des NES zufolge befinden sich über 60 Metalle in einem Smartphone, unter anderem die so genannten „Konfliktmineralien“ Tantal, Gold, Zinn, und Wolfram. Diese Mineralien verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie hauptsächlich in Konfliktgebieten abgebaut werden. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hängen 40 Prozent aller weltweiten Konflikte in den vergangenen 60 Jahren mit dem Rohstoffabbau zusammen und 29 Prozent der Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen im Wirtschaftsgeschehen betreffen diesen Sektor. Einige Konflikte, die mit Rohstoffabbau zu tun haben, sind demnach beispielsweise Bürgerkriegsfinanzierung, Destabilisierung und Militarisierung, Morde an Journalisten und Gewerkschaftlern, Verletzung Indigener Rechte, Verlust der Lebensgrundlagen von Landwirten, Zerstörung von Flüssen und Agrarland, Nutzungskonflikte um Wasser, Einschüchterung sowie die Bedrohung von Zivilgesellschaften.