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Handball
Es gibt keinen siebten Streich

Toller Sport: Für die Handball-Fans bot der Ernst-Thiel-Cup viele Leckerbissen – wie hier beim Spiel der HG Saarlouis gegen den französischen Erstligisten Dünkirchen. Dennoch rechnete sich die Veranstaltung für die Organisatoren nicht.
Toller Sport: Für die Handball-Fans bot der Ernst-Thiel-Cup viele Leckerbissen – wie hier beim Spiel der HG Saarlouis gegen den französischen Erstligisten Dünkirchen. Dennoch rechnete sich die Veranstaltung für die Organisatoren nicht. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Ende einer Top-Veranstaltung: Der HSV Merzig-Hilbringen und Sponsor Zapp verkünden das Aus für den Ernst-Thiel-Handball-Cup. Von David Benedyczuk

Die Spieler lagen sich in den Armen, die Zuschauer feierten den Sieger, die Stimmung im Merziger Thielspark war ausgelassen. Gerade einmal sechs Wochen ist das her. Bundesliga-Aufsteiger SG BBM Bietigheim hatte sich bei der ersten Teilnahme am Ernst-Thiel-Handball-Cup in Merzig mit einem 26:22 über die favorisierten Franzosen von USDK Dünkirchen gerade zum Sieger gekrönt. Es war ein tolles Turnier.


Auch Dünkirchens Trainer Patrick Cazal war trotz der überraschenden Finalniederlage voll des Lobes. „Ich bin nicht überrascht von der Qualität der Organisation. Ich habe selbst drei Jahre in Deutschland bei TuSEM Essen gespielt, kenne die deutsche Handball-Mentalität und die Art und Weise, wie in diesem Bereich gearbeitet wird“, sagte er und dankte den Organisatoren „für die Freundlichkeit, den tollen Empfang, die Qualität und den Komfort, den wir hier genossen haben.“

Keine Frage: Die vergangene Auflage des Handballturniers setzte neue Maßstäbe. Das französische Spitzenteam USDK Dünkirchen, die Bundesliga-Teams SG Bietigheim und „Eulen“ Ludwigshafen. Dazu Topmannschaften aus Österreich und der Schweiz – nie stellte sich das Starterfeld in der Merziger Thielsparkhalle so erlesen dar wie diesmal. Der Cup war „das“ Vorbereitungsturnier im Südwesten geworden.



Umso überraschender kommt nun die Nachricht, dass der sechsten Auflage keine weitere mehr folgen wird. „Leider wird es einen 7. Ernst-Thiel-Cup nicht geben“, teilte die Personal- und Unternehmensberatungsfirma Ralf-Michael Zapp & Partner als Co-Veranstalter in einer Presseerklärung mit – ohne Angabe von Gründen. Auf Nachfrage begründet Dirk Ströker, der Vorsitzende des ausrichtenden HSV Merzig-Hilbringen, das Aus. „Es tut uns allen in der Seele weh“, sagt er. Aber der betriebene Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Ertrag der Veranstaltung.

 Laut Vereinsangaben hatte der Cup zuletzt etwa 1200 Besucher an zwei Tagen in die Thielsparkhalle gelockt. Allerdings hielt sich die Zahl der zahlenden Zuschauer wohl derart in Grenzen, dass der Kassensturz beim wichtigsten Sponsor und Co-Veranstalter, der Personal- und Unternehmensberatungsfirma Ralf-Michael Zapp & Partner, nichts Gutes verhieß. „Die Kosten haben durch die Erweiterung auf acht Teams und die gesteigerte Qualität des Starterfelds zugenommen. Der Ertrag kommt da einfach nicht mit“, sagt Ströker.

Der Cup sei „ohne Frage sportlich attraktiv, aber wirtschaftlich fast ein Verlustgeschäft. Damit war klar, dass wir es in der Form nicht mehr machen können. Eine abgespeckte Version kam für unseren Partner aber nicht in Frage: Er sagt, das sei für ihn als Unternehmer dann nicht mehr interessant. Ohne ihn ist das Turnier für uns nicht zu stemmen, jedenfalls nicht in der Form wie zuletzt“, erläutert der HSV-Vorsitzende. Der Partner habe sich neben der Sponsoren-Akquise um die Betreuung und Bewirtung der Gastmannschaften gekümmert und insgesamt „mit Sicherheit einen mittleren fünfstelligen Betrag“ zur Verfügung gestellt, so Ströker. Es sei letztlich eine einvernehmliche Entscheidung gewesen, die Reißleine zu ziehen.

Bei der jüngsten Auflage hatten die Gastgeber auch mit den hochsommerlichen Temperaturen zu kämpfen. Dennoch meint Ströker: „Ich wundere mich, warum der saarländische Handball-Fan für dieses topbesetztes Turnier nicht so zu begeistern war. Das ist sehr schade. So haben wir im Prinzip nur Geld gewechselt.“ Merzig-Hilbringens Vorsitzender will nun mit den Vorstandskollegen abwägen, ob dem bisherigen Format ein regionaler gehaltenes Turnier folgen könnte. „Wir hoffen, dass ein Turnier mit mehr regionalem Bezug die Kostenstruktur deutlich begünstigt. Ich könnte mir ein Turnier mit Drittligist HG Saarlouis als Headliner vorstellen, dazu eventuell Teams aus Luxemburg oder Frankreich und insgesamt mehr Lokalkolorit. Zudem gibt es Überlegungen, ein Frauenturnier mit einzubetten“, verrät Ströker.